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Fotografieren wie die Profis

Auf die Knie: Peter Sandbiller gibt Tipps für besondere Perspektiven und Effekte

Geknipst wird viel - aber aus besonderen Momenten schöne Fotos zu machen, gelingt nicht jedem. Dabei ist es oft gar nicht so schwer. Im zweiten Teil der Serie „Fotografieren wie die Profis“ gibt unser Experte Peter Sandbiller Tipps für ungewöhnliche Perspektiven und Effekte.

Besondere Perspektive: Für dieses Foto vom Französischen Dom am Berliner Gendarmenplatz musste Peter Sandbiller sich in die Hocke begeben. Nur so bekam er auch die Leiste am Boden ins Bild, die das Foto dynamisch macht. Foto: Peter Sandbiller

Der Berliner Gendarmenmarkt wird zu normalen Zeiten täglich hundertfach abgelichtet. Kaum ein Tourist, der in der deutschen Hauptstadt unterwegs ist und nicht das Handy zückt, um an „Berlins schönstem Platz“ zumindest den französischen Dom zu fotografieren.

So wie Peter Sandbiller setzen aber wohl nur die wenigsten den Barockbau ins Szene. Durch das Säulenportal des benachbarten Konzerthauses hat der Karlsruher Fotograf die Kirche in den Fokus genommen. Und noch ein paar weitere Effekte genutzt, die ein Foto besonders machen. Das geht schon mit dem Verzicht auf Farbe los: In Schwarz-Weiß haben die wesentlichen Bausteine mehr Wirkung.

Einen anderen Blick bekam er dadurch, dass er nicht einfach im Stehen fotografierte, sondern deutlich in die Knie ging. Nur so konnte er die Unterseite des Säulenportals mit ihren geometrischen Formen mit ins Bild nehmen. Außerdem ermöglichte es diese Position, die Metallleiste am Boden, die dem Foto viel Wirkung gibt, zu integrieren, erklärt er. Bei einer solchen Aufnahme mit Weitwinkel-Objektiv (Brennweite 8,0 Millimeter, Blende 5, Verschlusszeit 1/1250 Sekunde) sei es sinnvoll, etwas im Vordergrund zu haben. „Sonst wird das Bild ziemlich flach“.

Diagonale gibt Dynamik

Die Leiste hat aber noch weitere Effekte: Zum einen spiegelt sie das Licht, was das Bild zusätzlich interessant macht, ihm eine andere Stimmung gibt. Licht und Schatten einzubeziehen ist einer von Peter Sandbillers grundlegenden Tipps. Auch mal gegen das Licht zu fotografieren, wenn man die Schatten entsprechend ins Bild einbaut, rät er beispielsweise.

„Ausprobieren und Experimentieren“, schlägt er vor. Zum anderen fungiert die Metallleiste auch als Diagonale. Das macht das Foto dynamisch. Verstärkend kommt hinzu, dass der Schatten des Fensters an der Wand - eine Reflexion - die Diagonale ziemlich exakt fortführt. „Ohne diese Reflexion wäre die linke Bildseite auch zu dunkel“, findet der Fotograf.

Laterne sorgt für Tiefe im Foto

Weiteres Element im Vordergrund ist die Laterne. Auch sie sorgt für Tiefe des Bildes. „Wichtig war aber, dass sie einen Hintergrund hat, von dem sie sich abhebt“, erklärt Peter Sandbiller. Hätte er im Stehen fotografiert, wäre dies nicht der Fall gewesen, dann hätte nur der Himmel die Laterne umgeben. Zwischen Himmel und Decke wäre die Laterne aber noch schlechter positioniert gewesen. „Dann wäre das Bild sehr unruhig geworden, es steckt ohnehin schon viel drin“, meint er. Klar ist die Lampe nur ein Detail - aber ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, auch auf Details zu achten.

Säulen, Leiste, Schatten und das Portal mit seiner Bemalung: Das Foto hat viele Linien im Vordergrund. Sie alle lenken den Blick auf den Französischen Dom - der so viel eindrücklicher in Szene gesetzt ist als durch eine gängige Frontalaufnahme.

Den Blick aufs Wesentliche lenken: Linien, Licht und Schatten, Reflexionen sowie den Kontrast aus Schärfe und Unschärfe hat Peter Sandbiller für dieses Foto von der Mauergedenkstätte bewusst eingesetzt Foto: Peter Sandbiller

Diagonalen hat auch das Foto, das Peter Sandbiller an der Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße gemacht hat. Der typische Berliner Gehweg mit den Rändern aus Pflastersteinen und auch die Oberkante der Mauer führen den Blick auf die Person im Hintergrund. Die bedrohliche Stimmung, die sie umgibt, wollte er einfangen, erklärt der Fotograf. Die Personen im Vordergrund sind hierfür nicht entscheidend . Mit dem Teleobjektiv fotografiert (115 Millimeter, Blende 5,6, Verschlusszeit 1/5000 Sekunde) und auf die Hauptperson fokussiert, verschwimmen die Personen im Vordergrund - und lenken damit nicht ab. Grundsätzlich empfiehlt Peter Sandbiller, beim Fotografieren mit dem Tele häufiger die Blende komplett zu öffnen, um so mit der Unschärfe Kontraste zu setzen.

Spiegelungen und Reflexionen

Reflexionen und Spiegelungen setzt er auch für dieses Foto bewusst ein. „Die Pflastersteine waren alle nass, daher haben sie das Licht reflektiert, als die Sonne rauskam“, erklärt er. Auch die Metallwand im Bildhintergrund spiegelt. So sorgt sie für den runden Schatten, den die Hauptfigur wirft, durch den das Motiv noch dramatischer wird.

Licht und Schatten, Spiegelungen durch Wasser, Diagonalen - das sind Elemente, die man auch beim Fotografieren mit dem Handy berücksichtigen sollte, wenn man besondere Effekte erzielen möchte. Grundsätzlich empfiehlt Peter Sandbiller, vieles auszuprobieren. In die Knie zu gehen statt einfach stehen zu bleiben, macht viele Fotos interessanter. Auch ein einfacher Positionswechsel kann ein Bild schon völlig verändern. Und Elemente, durch die man hindurch fotografieren kann, bringen neue Blickwinkel und Wirkungen.

Zur Person

Peter Sandbiller lebt in Karlsruhe und ist seit mehr als 30 Jahren als Pressefotograf für Zeitungen, Magazine und Agenturen im Einsatz. Der besondere Blickwinkel ist sein Markenzeichen. Er fotografiert vor allem mit der Panasonic DC-S1 und -G9. Eines seiner Spezialgebiete sind Luftbilder. Zehn Bildbände über Regionen Baden-Württembergs gehören ebenso wie Kalender zu seinem Portfolio.

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