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400 warme Mittagessen

Bei der Karlsruher Vesperkirche wird die Sakristei zum Impfzentrum

In der Vesperkirche Karlsruhe gab es am Samstag die Möglichkeit einer Corona-Impfung. An den Impfstatus wird das karitative Angebot aber auch künftig nicht gebunden sein, stellt Pfarrerin Lara Pflaumbaum klar.

Spritze in der Sakristei: Die Durlacher Hausärztin Laure Hengen impft Besucher der Vesperkirche gegen das Coronavirus. Foto: Jörg Donecker

Zweimal pro Woche holt sich Michel in der Vesperkirche Karlsruhe ein warmes Mittagessen ab. Am Samstag gibt es heiße Gulaschsuppe und vor dem Heimweg noch eine Schutzimpfung gegen Corona. „Das ist eine gute Gelegenheit für meinen Booster“, sagt Michel kurz bevor er in der Sakristei der Johanniskirche seinen dritten Piks gegen eine Corona-Infektion bekommt.

Und er ist nicht der einzige Vesperkirchen-Besucher, der an diesem Tag von der Durlacher Hausärztin Laure Hengen eine Spritze erhält. Insgesamt 16 Bedürftige sind dem Aufruf gefolgt und erhalten ihren zweiten oder dritten Piks.

„Einige unserer Stammgäste sind gar nicht oder unvollständig geimpft, da wollten wir zumindest ein extrem niederschwelliges Angebot unterbreiten“, begründet Vesperkirchen-Pfarrerin Lara Pflaumbaum die Aktion. Vor allem in der Wohnungslosen-Szene gebe es noch viele Vorbehalte und teilweise auch eine extrem ablehnende Haltung gegen eine Corona-Impfung.

Geringe Impfquote in der Wohnungslosen-Szene

„Experten gehen sogar davon aus, dass es bei Wohnungslosen derzeit zu einer regelrechten Durchseuchung kommt“, betont Pflaumbaum. Auch Michel, der recht gut in der Szene vernetzt ist, kennt das Problem. „Da glauben zu viele dem, was die AfD sagt“, meint er mit einem Schulterzucken.

Ein karitatives Angebot muss allen Menschen offen stehen.
Lara Pflaumbaum und Bruno Wenz, Organisatoren

Den Zugang zur Vesperkirche über den Impfstatus zu regeln, stand für Pflaumbaum und Ehrenamts-Koordinator Bruno Wenz aber zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. „Ein karitatives Angebot muss allen Menschen offen stehen“, betont das Organisationsduo. Zum Schutz vor Infektionen geht die achte Auflage der Vesperkirche bereits zum zweiten Mal unter freiem Himmel und mit Maskenpflicht über die Bühne.

Um ein Gedränge zu vermeiden, werden Besucher über den Werderplatz nur in Abständen an die drei Hütten im Innenhof der Johannis-Paulus-Gemeinde gelassen. Und wer sich dort ein warmes Mittagessen, ein Vesperpaket und süße Stückchen abgeholt hat, macht sich über den Ausgang an der Marienstraße zum Essen auf den Heimweg.

Dankbare Besucher

Für die beiden Kinder von Kati gibt es als spezielles Schmankerl noch jeweils einen Schoko-Nikolaus und einen Adventskalender. Die alleinerziehende Mutter lebt von Hartz IV und kommt mit ihrer achtjährigen Tochter und ihrem 22 Monate jungen Buben fast jeden Tag zum Essen in die Südstadt. „Dadurch kann ich viel sparen“, sagt Kati.

Ihre Tochter sei schon bei der ersten Vesperkirche vor sieben Jahren dabei gewesen, erzählt sie weiter, damals noch mit Mittagessen im Kirchenschiff. „Das war schon schöner. Denn da hat man mit den Leuten noch reden können“, sagt Kati. Trotzdem sei sie sehr froh, dass sich die Vesperkirche auch in schwierigen Zeiten für Bedürftige da sei.

Bis zu 400 warme Mittagessen pro Tag

Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf sind auch Lara Pflaumbaum und Bruno Wenz. Nach einem zögerlichen Beginn hat die Vesperkirche mittlerweile Fahrt aufgenommen. In den ersten Tagen wurden noch 250 warme Mittagessen ausgegeben, mittlerweile sind es 300. Dazu kommen noch jeweils 50 warme Mahlzeiten in den beiden Außenstellen, dem Alkohol akzeptierenden Aufenthaltsraum in der Ettlinger Straße und dem Wohnungslosentreff „Die Tür“ in der Kriegsstraße.

„Die erste Woche ist aber immer die schlimmste“, sagt Pflaumbaum. Da müssten sich die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer erst einmal orientieren und die Arbeitsabläufe verinnerlichen. Spätestens nach fünf oder sechs Tagen gehe die anfängliche Aufregung dann aber in eine gewissen Routine über und dann greife ein Rädchen in das andere.

Winterschuhe gesucht

Außer einem warmen Mittagessen gibt es in der Kleiderkammer der Kirche auch wärmende Kleidung. Geöffnet hat die Kleiderkammer Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. „Als die Temperaturen in den Keller gingen, war der Ansturm auf Winterkleidung riesig“, sagt Pflaumbaum. Winterschuhe in größeren Größen sind bereits nach der ersten Woche komplett vergriffen.

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