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Vogelschützer im Einsatz

Eulen in Karlsruhe haben es schwer: Tiere sind auf Hilfe durch die Menschen angewiesen

Im grünen und waldreichen Karlsruhe ziehen Eulen regelmäßig ihre Brut auf. Schleiereule und Steinkauz brauchen aber die Hilfe von Vogelschützern, Uhu-Balzrufe sind wieder verstummt. Ob der Arterhalt auf Dauer gelingt, ist noch nicht entschieden.

Seltener Augenblick: Ein ausgewachsener Uhu wird bei Neureut von Pierre Fingermann in die Freiheit entlassen. Foto: Jörg Donecker

Meistens lautlos und versteckt leben Karlsruhes Eulen. Nur ihre Rufe verraten sie, am ehesten, wenn sie in der Balz auf Partnersuche sind. So heimlich spielt sich ihr Leben ab, dass viele Menschen nicht ahnen, dass sie sich die Großstadt mit fünf Eulenarten teilen.

Außer mit ihren markanten Rufen, die TV-Krimi-Fans öfter in unheimlichen Fernsehszenen als in der Natur hören, machen sich die besonders weich gefiederten Mitbewohner des Stadtraums kaum bemerkbar.

Vogelschützer des Naturschutzbundes (Nabu) bleiben ihnen dennoch auf der Spur. Sie wissen aus langjähriger Erfahrung, wo die Rückzugsräume sind. Prinzipiell müssen sie dafür nur bis zwei zählen: Erstens brauchen die nachtaktiven Jäger genug Mäuse, zweitens sichere Plätze für die Jungenaufzucht.

Uhu-Rufe am Turmberg in Karlsruhe-Durlach

Weil Karlsruhe so waldreich und grün ist, ziehen in der Nordweststadt und anderen Stadtteilen regelmäßig problemlos Waldkäuze und Waldohreulen ihre großäugige Brut auf. Schleiereule und Steinkauz brauchen aber die Hilfe von Vogelschützern.

Und sobald ein Uhu seine Balzrufe ausstößt, gehen die Nabu-Aktiven sogar gezielt auf die Pirsch. „In diesem Jahr wurden mehrfach Uhu-Rufe in der Gegend des Turmbergs gehört“, berichtet Artur Bossert. Der Leiter der Nabu-Ortsgruppe Karlsruhe sammelt alle Daten zu Eulen in und um Karlsruhe.

Einem Uhu in die leuchtend orangefarbenen Augen zu schauen, lässt kaum jemanden kalt. Die größte heimische Eule kehrt langsam zurück. Mehrere Jahre hintereinander zog ein Paar in einer Halle im Karlsruher Rheinhafen Junge auf. Die Stadt verordnete seinerzeit zum Schutz der Eulen, ausnahmsweise auf das Feuerwerk beim Hafenfest zu verzichten.

Inzwischen sind die Altvögel wieder aus dem Hafen verschwunden, berichtet Bossert. Auch die Uhu-Rufe am Turmberg seien verstummt. „Es kann sein, dass sich kein Partner eingefunden hat“, erklärt er. Im Grunde sei die Gegend geeignet, mit mehreren alten Steinbrüchen und genug Raum für die Jagd.

Uhus leben in Konkurrenz mit Wanderfalken

Ob sich Uhus im urbanen Karlsruhe auf Dauer ansiedeln, ist noch nicht entschieden. Vogelschützer beringen die Küken und melden Zahlen. Mehr als allgemeinen Schutz brauche die große Eule nicht, sagt Bossert: „Der Uhu ist sehr robust.“ Im Rheinhafen nistete das Brutpaar in direkter Nachbarschaft zu laufenden Förderbändern.

Zudem konkurrieren Uhus mit Wanderfalken, um deren Erhalt sich die Artenschützer intensiv bemühen. Die ausgewachsene Eule ist stärker. Sie gewinnt im Streit um einen guten Brutplatz, und die Artenkenner im Nabu vermuten, dass sie auch schon Falkenküken verputzt hat, wenn es sich ergab.

Wenn der Uhu die beeindruckendste heimische Eule ist, dann ist die Schleiereule vielleicht die herzigste. In den noch ländlichen Randgebieten der Großstadt kennen Bossert und seine Beobachter nur noch zehn bis zwölf Paare. Im Landkreis insgesamt brüten mal 40, mal 50 Paare.

„Ihr Bestand schwankt stark, und wir haben noch keine klare Ursache dafür gefunden“, sagt der örtliche Nabu-Chef mit besorgtem Unterton. In Stupferichs katholischer Kirche St. Cyriakus jedenfalls stimmen die Bedingungen, oberhalb von Palmbach und Grünwettersbach sind Schleiereulen auf Aussiedlerhöfen zu Hause und auch Im Brühl in Grötzingen.

Karlsruher Landwirte helfen Schleiereulen bei der Jagd

Sicher ist: Kommt die Schleiereule nicht an genug Mäuse, ist es schnell aus mit ihr. „Sie kann keine Fettreserven anlegen“, erklärt der Eulenkenner. Karlsruher Landwirte helfen ihr, indem sie zum Beispiel Scheunentore offenstehen lassen. So können die lautlosen Flugjäger auch noch Beute machen, wenn im Freien tagelang Schnee liegt.

Später verraten nur Gewölle die Gegenwart des heimlichen Vogels. Manchmal lässt er sich auch hören. Der seltsame Schnarchlaut kann erschrecken: „In Hagsfeld hat einmal eine Passantin die Polizei alarmiert, weil dieses merkwürdige Geräusch aus der Friedhofskapelle kam“, erinnert sich Bossert.

Wir haben in Karlsruhe nur noch sehr wenige Steinkauzpaare.
Artur Bossert, Vogelschützer

Wer in der Dämmerung am Rand des Stadtgebiets spazieren geht, hört mit etwas Glück auch noch die „Kiwitt“-Rufe des koboldartigen Steinkauzes. Ausgerechnet der Kleinste im Quintett der Eulen in Karlsruhe ist das größte Sorgenkind. „Wir haben auf Karlsruher Gemarkung nur noch sehr wenige Steinkauzpaare“, stellt Bossert fest.

„Sie brauchen ein gewisses Angebot: alte Apfel-, Nuss- oder Birnbäume mit Höhlen, einen guten Mix von Bewuchs und freien Flächen und vor allem kurz gehaltene Grasflächen, zum Beispiel Schaf- oder Pferdeweiden, damit sie gut an ihre Beute kommen.“

Künstliche Bruthöhlen helfen kleinen Käuzen

Den Mangel an Baumhöhlen wenigstens können Artenschützer wettmachen. Das Team der Offenen Jugendwerkstatt um Markus Palic und Peter Eyerer senior baut spezielle, mardersichere Brutröhren für die kleinen Käuze. Jüngstes Experiment ist ein Modell aus Resten vom Pipeline-Bau. Familie Palic hat eine kleine Musterhaussiedlung für Steinkäuze in ihrem Garten am Rand von Palmbach. Ein Brutpaar demonstriert ihnen dort die arttypischen Vorlieben.

Auf einem Birnbaum, um den der Wind pfeift, sägen Peter Eyerer junior aus Stupferich und Maximilian Middel aus Wolfartsweier ein paar Ästchen von der Oberseite eines starken, ausladenden Astes. Keine Viertelstunde später sitzt der künstliche Kauzbrutplatz sachgerecht. Junge Steinkäuze wandern locker 100 Kilometer weit und besiedeln geeignete Gebiete auch wieder neu. Karlsruhes Eulen hocken jetzt schon wieder auf den Eiern. Sobald die nächste Generation flügge ist, kann sie die Kunsthöhle finden.

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