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Verregneter Juli

Biergärten und Freibäder in Karlsruhe blieben während der Regentage oft leer

Regen, Regen, Regen: In der ersten Julihälfte war das Wetter in Karlsruhe wenig sommerlich. Für Biergärten und Freibäder eine Katastrophe. Doch nicht allen haben die Wassermassen die Stimmung vermiest. Es gibt auch Profiteure.

Biergärten mussten während der vergangenen Regentage Umsatzeinbußen hinnehmen. Foto: Jörg Donecker

Vier Sommertage, zehn Regentage und bereits zur Mitte des Monates eine höhere Niederschlagsmenge als 2014, dem regenreichsten Juli der vergangenen 13 Jahre: Der Juli 2021 wird wohl vor allem wegen der vielen Niederschläge und der übergelaufenen Flüsse und Bäche in Erinnerung bleiben.

Und selbst wenn die Wettervorhersage für die kommende Woche ein paar sonnige Tage prognostiziert, drohen Ende des Monats wieder Regenschauer.

Für die Natur bedeutet der nasse Juli nach drei Dürresommern eine Erleichterung. Biergärten und Freibäder beklagen dagegen massive Umsatzeinbußen.

Biergärten

Der tägliche Blick auf die Wettervorhersage ist für Danijel Nikolic in diesem Sommer Routine. „Wenn es ab 15 Uhr trocken bleibt, gehen die Leute abends in den Biergarten. Wenn es um 17 Uhr noch regnet, lohnt sich das Geschäft kaum“, sagt der Chef des Kaisergartens in der Weststadt.

Verglichen mit den vergangenen Jahren würden seine Kunden aber deutlich resistenter auf Wetterkapriolen reagieren, Schutz vor kleineren Schauern bieten auch die großen Schirme im Kaisergarten. „Bei Starkregen hilft aber alles nichts“, sagt Nikulic. Trotzdem wolle er nach der langen Corona-Pause nicht jammern, das Sommergeschäft laufe zumindest zufriedenstellend.

Natürlich sind die Biergärten bei Sonnenschein schnell voll. Aber das war in diesem Monat nur selten der Fall.
Waldemar Fretz, Kreis-Vorsitzender Dehoga

„Wenn es so viel regnet, können die Biergärten vielleicht überleben. Leben kann man vom Geschäft mit der Außengastronomie aber nicht“, sagt Waldemar Fretz, Karlsruher Kreis-Vorsitzender des Branchenverbands Dehoga.

Bei Temperaturen unter 20 Grad würden die Leute in Karlsruhe nicht im Freien sitzen. „Natürlich sind die Biergärten bei Sonnenschein schnell voll. Aber das war in diesem Monat nur selten der Fall“, sagt Fretz. Deshalb sei das Juli-Wetter nach der Corona-Krise der nächste Schlag für die Branche.

Freibäder

Die Karlsruher Freibäder haben seit einigen Wochen ebenfalls mit einem massiven Besucherrückgang zu kämpfen. „Die werden erst wieder voll, wenn es drei Tage am Stück über 27 Grad hat“, sagt Bäderchef Oliver Sternagel. Vorher sei der „Leidensdruck“ der Karlsruher offenbar nicht groß genug.

Bei durchwachsenen Witterungsbedingungen sind sportliche Schwimmer in den Freibädern oft unter sich. Foto: Jörg Donecker

Allerdings gebe es zwischen den einzelnen Bädern auch Unterschiede. Ins Freibad Rappenwört verirren sich bei durchwachsenen Witterungsbedingungen nur sehr wenige Besucher, ins Turmbergbad kommen auch bei Schlechtwetter noch 100 Gäste und im Sonnenbad ziehen selbst an trüben Tagen rund 300 Schwimmer ihre Bahnen.

„Wer in Ruhe schwimmen möchte, sollte eigentlich gerade an solchen Tagen ins Freibad gehen“, rät Sternagel. Dann entfalle im Gegensatz zu Hitzetagen das Schlangestehen an der Kasse. Eine Schließung der Bäder steht für Sternagel auch an Regentagen nicht zur Debatte. „Wir sind da, um im Sommer aufzuhaben“.

Im ehrenamtlich betriebenen Freibad Wolfartsweier haben die wenigen wetterresistenten Stammgäste das Becken in diesem Juli ebenfalls fast für sich alleine. „Zum Glück haben wir viele Saisonkarten verkauft, so kommen wir einigermaßen über die Runden“, sagt Christa Grafmüller-Hell, Vorsitzende des Fördervereins Freibad Wolfartsweier.

Neben dem Wetterbericht erfüllen sie auch die steigenden Inzidenz-Zahlen mit Sorge. „Wenn die Zahl wieder über 35 steigt, müssen wir wieder mit strengeren Vorgaben leben.“

Kultur

Beim Durlacher Picknick-Kino mussten wegen Unwetterwarnungen und Regenschauern bereits das geplante Public Viewing zum Achtelfinalspiel der Fußball-EM zwischen Deutschland und England sowie einige Filmabende abgesagt werden. „Wenn es trocken ist, kommen die Leute trotzdem. Zwar nicht so viele wie geplant, aber immerhin“, sagt Organisatorin Virginia Müller vom Kammertheater Karlsruhe.

Eine positive Halbzeitbilanz zieht die Karlsruher Marketing und Event GmbH vom Veranstaltungsreigen „Kultur in der Klotze“. Zu den ersten 19 Veranstaltungen im Theaterzelt kamen 3.000 Besucher, acht Vorstellungen waren ausverkauft.

Profitiert von den trüben Wetteraussichten haben auch Museen wie die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. „Es war doch mehr los als sonst im Juli“, sagt dort Pressesprecherin Daniela Sistermanns.

Natur

Froh über den regelmäßigen Sommerregen ist Helmut Postweiler. „Die unteren Bodenschichten waren doch sehr trocken. Nun werden die Reservoirs wieder etwas aufgefüllt“, sagt der Landwirt aus Wolfartsweier.

Zunächst einmal sind wir froh über den Regen. Nun ist zumindest der Obenboden wieder gesättigt.
Ulrich Kienzler, Forstamtsleiter

Mit den Getreideerträgen ist Postweiler komplett zufrieden, beim Gemüse sei der Zuwachs allerdings etwas geringer als in den Sonnensommern. „Aber der Sommer hat zum Glück lange Tage, deshalb bekommen die Pflanzen genug Licht“, sagt Postweiler.

Problematisch sei allerdings, dass die anhaltende Feuchtigkeit Pilzkrankheiten wie die Braunfäule an Tomaten begünstige. Außerdem fehlten längere Trockenperioden für das Pflegen und Bepflanzen der Felder.

Für den städtischen Forstamtsleiter Ulrich Kienzler haben die vielen Niederschläge ebenfalls Licht- und Schattenseiten. „Zunächst einmal sind wir froh über den Regen. Nun ist zumindest der Obenboden wieder gesättigt“, sagt Kienzler. Allerdings seien in den vergangenen Wochen Kulturen mit Jungpflanzen überflutet worden. „Erst drei Jahre Trockenheit und nun eine Woche im Wasser“, so Kienzler. „Da ist es unklar, ob die Bäume das überleben werden.“

Aufatmen konnten während der Regentage dagegen Allergiker. „Der Pollenflug hatte es unter diesen Umständen schwer“, meldet die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst bei der aktuellen Wochenprognose.

Schirmgeschäft

Und wie schützen sich die Menschen am besten gegen den Regen? Mit einem Schirm und wasserabweisender Kleidung. Im Fachgeschäft Schirm Weinig in der Kaiserstraße herrschte deshalb Anfang Juli fast täglich Hochbetrieb.

„So ein Wetter hatten wir seit 20 Jahren nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Stefan Wallbaum. „Da haben sich viele unserer Kunden an das älteste inhabergeführte Fachgeschäft in der Innenstadt erinnert.“

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