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Sondergenehmigung wird geprüft

Öffnet der Karlsruher Mini-Weihnachtsmarkt bald sonntags?

Geschlossene Stände auf dem Mini-Weihnachtsmarkt, aber lange Schlange vor dem Glühwein-to-go-Ausschank der umliegenden Lokale: Viele Karlsruher hatten kein Verständnis dafür, dass die Buden in der City am Sonntag zu waren. Möglicherweise ändert sich das am zweiten Advent.

Budenstadt auf Abstand: Auf dem Friedrichsplatz sowie auf weiteren Plätzen in der City bieten Schausteller ihre Waren an. Foto: Jörg Donecker

Die Beschicker des Karlsruher Mini-Weihnachtsmarktes kämpfen darum, auch an Sonntagen ihre Buden öffnen zu dürfen. „Wir hoffen, dass uns bei einem runden Tisch an diesem Dienstag die zuständigen Stellen bei der Stadt und dem Landratsamt eine entsprechende Ausnahmegenehmigung geben“, berichtet die Vorsitzende der Schausteller, Susanne Filder.

Update:

Am Dienstag haben Stadt und das im Landratsamt angesiedelte Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung erteilt mit der Essens- und Getränkestände auch am Sonntag öffnen dürfen.

Am ersten Advent spazierten ganze Familien durch die City und waren überrascht, dass die Stände zu, die Schlangen vor dem Glühwein-to-go-Ausschank der umliegenden Lokale aber lang waren. „Was für ein Blödsinn“, schimpften viele.

Schausteller kämpfen um Sondergenehmigung

Tatsache ist, dass in diesem Jahr vieles mit heißer Nadel gestrickt werden musste. Erst kurz vor knapp war klar, dass eine kleine Budenstadt überhaupt möglich ist. „Es ist aber kein eingetragener Markt und keine Veranstaltung, sondern eine Corona-Notlösung“, erklärt Filder den juristischen Hintergrund. Entsprechend braucht es eine Sondererlaubnis, wenn Buden außerhalb der Ladenöffnungszeiten aufmachen möchten.

Dies wollen die Schausteller an den Sonntagen von 12 bis 19 Uhr tun. Doch Filder warnt bereits: Möglicherweise dürfen dann zwar Würste und Glühwein und wohl auch gebrannte Mandeln, aber nicht Waren wie Krippenfiguren oder Wollsocken verkauft werden. „Verstehen muss das keiner“, räumt Filder ein. Sie sagt: „Für uns Schausteller ist jeder geöffnete Tag ein geschenkter Tag.“

Es ist ein komisches Jahr, nicht wirklich greifbar.
Benjamin Lindig, Thüringer Häusle

Die Kunden sehen das ähnlich. „Wenigstens eine kleine Freude wird uns mit diesem Mini-Weihnachtsmarkt noch gegönnt“, sagt Petra Bauer, die aus der Pfalz nach Karlsruhe gereist ist. Die Verkäuferin ist in Kurzarbeit. Sie kann weder im Verein Sport machen noch im Kirchenchor singen. „Museen sind zu, mit dem Enkel kann ich nicht in den Zoo. Schönes gibt es ja fast nichts mehr, insofern ist das hier ein Lichtblick“, sagt die Frau: „Und hier ist man ja im Freien.“

Uwe Kiemle kauft seit 30 Jahren regelmäßig Kunst aus dem Erzgebirge bei Familie Seyfert. Auch jetzt holt er sich schwarze Weihrauchkerzen. „Ich bin froh, dass es dieses Angebot hier gibt“, sagt der Mann. Er fügt hinzu: „Wenn man aber über den doch ziemlich leeren Platz schaut, verfällt man schon in Traurigkeit.“

Kunden erfreuen sich an der kleinen Budenstadt

Lydia Seyfert hört von vielen Kunden, dass es schön es, dass es zumindest etwas gibt. Gut 20 Stände sind in der City verteilt. Der Stand der Familie Seyfert steht an der gewohnten Stelle auf dem Friedrichsplatz, ist aber nur halb so groß wie sonst. „Der Aufbau war ja sehr kurzfristig“, erklärt die Frau, die schon vor über 40 Jahren beim ersten Karlsruher Weihnachtsmarkt dabei war.

Dass dieser mal so klein ausfallen könnte, hätte sie nie gedacht. „Von meinem Großvater weiß ich, dass selbst im Zweiten Weltkrieg die Volksfeste auf waren.“ Dennoch ist Seyfert froh, wieder rauszukommen, wieder Gespräche mit den Kunden zu führen. „Viele loben das Lichtkonzept“, so Seyfert. Sie sagt: „Der Umsatz ist ein Bruchteil vom sonst üblichen, aber ich hatte sogar mit weniger gerechnet.“

„Wir haben keine 30 Prozent der sonst üblichen Zahlen“, bilanziert nach einer Woche Theresia Thelen, die gebrannte Mandeln und Lebkuchenherzen auf dem Kirchplatz St. Stephan anbietet.

Mini-Weihnachtsmarkt ist „besser als nichts“

14 Tage stand sie im Sommer mit ihrem Kinderkarussell auf dem Marktplatz. Sonst war das ganze Jahr nichts zu tun, alle Volksfeste und Märkte waren abgesagt. „Man wird depressiv“, sagt die Frau, die in der dritten Generation das Geschäft betreibt. Insofern sei der Mini-Weihnachtsmarkt „zehnmal besser als nichts“.

Und es sei alles andere als selbstverständlich, dass die Stadt dieses Geschäft ermöglicht und zudem auf Standgebühren verzichtet. „Das ist wichtig für uns“, so Thelen, die beobachtet: „Einige Kunden geben Trinkgeld, manchmal sogar drei, vier Euro.“

Für uns Schausteller ist jeder geöffnete Tag ein geschenkter Tag.
Susanne Filder, Schaustellerverband

Auf rund 20 Prozent des sonst üblichen Umsatzes kommt Benjamin Lindig im Thüringer Häusle. Der Bratwurststand steht auf dem Friedrichsplatz an der Ecke, an der sonst das Glühwein-Wäldchen lockte. Lindig sagt: „Das Geschäft läuft bisher gut an.“ Am 13. November öffnete er eine Bude in Durlach, jetzt kam die im Herzen der City dazu. „Es sind die ersten Würste, die wir dieses Jahr verkaufen.“

Lindig sagt: „Es ist ein komisches Jahr, nicht wirklich greifbar.“ Die Ungewissheit sei ein Problem. „Wenn mir einer sagen würde, dass ich Ostern 2022 wieder in ein normales Geschäftsjahr starten könnte, würde ich das unterschreiben. 2021 bekämen wir irgendwie rum.“ In der City stehen er und seine Kollegen erst einmal bis 23. Dezember. Am 28. Dezember wollen andere Schausteller die Plätze übernehmen.

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