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Administratorin weist Verantwortung von sich

Karlsruher Querdenken-Initiatorin wehrt sich gegen Extremismus-Vorwürfe

In Telegram-Chats von Karlsruher Querdenkern kursieren fragwürdige Inhalte. Güzey Israel, die Gründerin und Administratorin, sieht sich dafür nicht verantwortlich.

Alles nur gelogen? Die Anführerin der Karlsruher Querdenken-Bewegung wehrt sich gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz und die Berichterstattung über extremistische Inhalte in den regionalen Telegram-Gruppen (Symbolbild). Foto: Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa

Der regionale Karlsruher Ableger der Querdenken-Bewegung steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft in zwei Fällen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung in der Telegram-Chatgruppe der Initiative.

Die Karlsruherin Güzey Israel, Kopf der regionalen Bewegung, hat derartige Vorwürfe nun zurückgewiesen.

„Wir haben in Karlsruhe gezeigt, wer wir sind und was wir sind – und auch, dass ich Demokratin bin“, sagte Israel in einem Video, das sie über den Admin-Account der „querdenken721“-Gruppe teilte. „Ich gehe mit jedem in den Diskurs und jeder darf sprechen und sagen, was er denkt.“

Administratorin kann Querdenken-Gruppe nicht durchgängig kontrollieren

Wie BNN-Recherchen in den regionalen Telegram-Gruppen gezeigt hatten, gab es in den Chats wiederholt Fälle von Beleidigungen, Holocaust-Relativierungen und Gewaltaufrufen.

„Ich bin auch nicht mit allen Beiträgen in dieser Gruppe einverstanden, aber ich habe die Kapazität nicht, 24 Stunden die Gruppe zu kontrollieren und zu überwachen“, sagte Israel nun in ihrem Video. Eine Anfrage unserer Redaktion, wieso derartige Inhalte nicht gelöscht werden, hatte sie zuvor unbeantwortet gelassen.

Viele Beiträge schaden der Gruppe, aber da muss jeder in Eigenverantwortung handeln.
Güzey Israel, Initiatorin von „querdenken721“

An die rund 800 Mitglieder der Karlsruher Querdenken-Gruppe richtete sie einen eindringlichen Appell: „Jeder, der hier in der Gruppe drin ist, ist dafür verantwortlich, was über die Gruppe geschrieben wird.“

Israel verlange von jedem, Quellen zu prüfen, bevor Beiträge in den Chat geteilt werden. „Viele Beiträge schaden der Gruppe, aber da muss jeder in Eigenverantwortung handeln. Bitte versucht, die Gruppe mit mir so sauber wie möglich zu halten.“

Nachdem die BNN über fragwürdige und möglicherweise strafbare Inhalte im Telegram-Kanal berichtet hatten, habe Güzey Israel überlegt, sämtliche Inhalte zu löschen, „dass wir neu anfangen können.“ Dies ist bislang nicht geschehen. Allerdings hat Israel eine Anfrage an den Verfassungsschutz gestellt, um zu erfahren, welche extremistischen Bestrebungen die Behörde festgestellt habe.

Manche Inhalte wurden gelöscht – aber nicht alle

„Gewaltaufrufe werden nicht geduldet in dieser Gruppe“, betonte Israel in ihrem Video. „Und rechtes Getue, linkes Getue hat hier auch nichts zu suchen.“

Einzelne Beiträge scheinen mittlerweile tatsächlich aus der Gruppe verschwunden zu sein – zum Beispiel eine Fotomontage vom Tor des Konzentrationslagers Dachau, dessen Schriftzug in „Impfung macht frei“ verändert worden war.

Andere Inhalte, auch offensichtliche Falschmeldungen und solche mit Gewaltaufrufen, sind hingegen noch zu finden. Güzey Israel weist hierbei die Verantwortung von sich. Wer außer ihr Zugriff auf den Admin-Account hat und Inhalte in der Gruppe kontrollieren kann, ist immer noch unklar. Auch diese Frage unserer Redaktion hatte Israel nicht beantwortet.

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