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Durch Corona weniger Drückjagden

Wildschwein-Bestand im Karlsruher Hardtwald steigt wegen ausfallender Jagden an

Was Wildschweine mit Corona zu tun haben? Durch die Pandemie fallen zahlreiche Drückjagden aus, die den gewaltig angewachsenen Bestand an Wildschweinen etwas einschränken könnten.

Grundsätzlich friedliebend: Wenn eine Bache jedoch ihre Frischlinge führt, verteidigt sie die Jungen mit ihrem Leben. Foto: Marianne Lother

Die Wildschweine sind auf dem Vormarsch. „Sie kommen den Menschen schon sehr nahe“, sagt der Pressesprecher der Karlsruher Jägervereinigung, Hans-Dieter Staub. Bis zu den Siedlungen. In der Karlsruher Nordstadt seien sie auf der Tennessee-Allee, zwischen den Häuserblöcken oder unlängst beim Queren des Adenauerrings gesichtet worden, stets dort, wo Wald an die Straße grenzt. Worin liegen die Ursachen für diese Entwicklung?

Milde Winter lassen Wildschwein-Populationen wachsen

Zweifellos spielt die Klimaerwärmung eine Rolle: „Die milden Winter der vergangenen Jahre haben den Frischlingen, die in der Regel im Februar zur Welt kommen, gute Überlebenschancen gegeben“, erklärt der Weingartener Förster Michael Schmitt.

Als die Winter noch kälter waren und im Februar durch die Schneeschmelze der Boden richtig nasskalt war, hätten 80 Prozent nicht überlebt. „Prozentual ist die Population um 200 bis 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, fährt Staub fort.

Obwohl Landwirtschaftsminister Peter Hauk fordert, angesichts der Afrikanischen Schweinepest mit der Bejagung nicht nachzulassen, fielen dennoch zahlreiche Drückjagden aus. Unter Pandemie-Bedingungen und mit Abstand und Hygienekonzept eine Jagd abzuhalten, sei organisatorisch zu schwierig, sagt Staub. Wenn etwas passiere, sei der Veranstalter in der Pflicht.

Der aktuelle Bestand an Wildschweinen in Baden-Württemberg sei schwer und nur anhand der erlegten Tiere zu schätzen, so Staub. Im Jagdjahr 2019/20 waren das rund 75.000 Stück, davon 4.300 im Landkreis Karlsruhe. Das sei eine Steigerung zum Jagdjahr davor um über 50 Prozent. 2021 sei wieder ein Mastjahr zu erwarten.

Wildschweine sind äußerst schwer zu bejagen.
Hans-Dieter Staub, Karlsruher Jägervereinigung

Mast bedeutet, dass besonders viele Eicheln und Bucheckern von den Bäumen fallen. Die Folge ist ein überreich gedeckter Tisch, nicht nur, aber eben auch für die Wildschweine, erklärt der Jäger. Sie fressen die am Boden liegenden Früchte, müssen sich kaum bewegen und sind darum auch schlechter zu sehen.

„Wildschweine sind äußerst schwer zu bejagen“, sagt Staub. Normalerweise streue der Jäger Mais- und Weizenkörner als Kirrung (Lockmittel) aus. Herrsche aber ohnehin ein Überangebot an Nahrung, so sei das für die Tiere nicht mehr interessant.

Dazu komme, dass Wildschweine sehr intelligente Tiere seien. Sie verhielten sich nicht nur sehr vorsichtig, sondern verfügten über einen ausgeprägten Geruchssinn und ein höchst feines Gehör. Und sie seien lernfähig. Es können passieren, erzählt Staub, dass er stundenlang auf dem Ansitz wartet.

Afrikanische Schweinepest wird auch mithilfe des Menschen verbreitet

Dann komme eine einzelne Sau im Bogen von hinten angeschlichen und nehme Witterung auf, ob die Luft rein ist. Wenn nicht, verschwinde sie wieder und kein weiteres Tier komme aus der Deckung. Da nütze die beste Kirrung nichts.

Wildschweine seien von Natur aus grundsätzlich friedliebend, es sei denn eine Bache führe ihre Frischlinge, erzählt Staub. Die werde sie mit ihrem Leben verteidigen. Die Afrikanische Schweinepest sei ein anderes Kapitel. Seiner Ansicht nach werde das Virus nicht nur durch Wildschweine verbreitet, denn Wildschweine seien standorttreu.

Vielmehr breite sich die Seuche auch über menschliche Transitwege aus. Er empfiehlt vor allem Reisenden aus Osteuropa, unterwegs keine Abfälle wegzuwerfen und Kleidung und Fahrzeug desinfizieren. Für Menschen sei die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich, wohl aber für Schweinezuchtbetriebe.

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