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Erstmals wieder in Präsenz

Karlsruher Hochschule für Gestaltung zeigt zur Semestereröffnung große Vielfalt an Projekten

Zu Jahresbeginn war an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung von Krisenstimmung die Rede. Bei der jüngsten Semestereröffnung hingegen zeigten die Absolventen ein sehr vitales Bild von der Hochschule.

Gut besetzt war der Lichthof der Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe, als Rektor Jan Boelen im vierten Semester seiner Amtszeit erstmals ein Semester mit einer Präsenzveranstaltung eröffnen konnte. Foto: Alexander Theis

Was genau tut sich eigentlich an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG)? Eine Krisendebatte zu Beginn dieses Jahres um offene Reformfragen erweckte nach außen den Eindruck einer gewissen Lähmung.

Das mag freilich auch daran liegen, dass der für künstlerische Hochschulen immens wichtige Präsenzbetrieb wegen Corona lange ausgesetzt war.

Mehr als ein Lebenszeichen

Die nun erstmals seit zwei Jahren wieder im sehr gut besetzten Lichthof durchgeführte Semestereröffnung hingegen war mehr als ein Lebenszeichen. Vor allem die Dankesreden der Absolventinnen und Absolventen, die an diesem Abend Förderpreise und Diplome entgegennahmen, verwiesen auf eine höchst vitale Vielseitigkeit des hier möglichen Studiums.

Zuletzt war dies im Spätsommer überregional ins Gespräch gebracht worden. Der Anlass: Cosmea Spelleken, eine Film- und Theatermacherin, die an der HfG Medienkunst studiert hat, war für ihre erfolgreiche Online-Theaterproduktion „werther.live“ von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt worden.

In Interviews hierzu verwies sie auf den Impuls, den ihr das Studium in Karlsruhe gegeben hat: „Fasziniert hat mich, dass dieses Studium medial wirklich völlig offen war. Wenn man dort einen Stoff hatte, wurde erst mal diskutiert, in welchem Medium man den am besten umsetzen kann“, erklärte sie Ende August im BNN-Gespräch.

Große Bandbreite der Projekte

Die schiere Bandbreite der Abschlussprojekte, die nun zur Eröffnung des Wintersemesters 2021/22 vorgestellt wurden, bestätigt dies: Der Bogen reicht von Filmen über multimediale Kunstinstallationen und Ausstellungskonzepte bis zu Romanen und wissenschaftlichen Arbeiten, etwa über besondere Formen in der Gamer-Szene.

Ebenso groß war die Vielfalt der Abschlussarbeiten, die mit Preisen durch die Fördergesellschaft ausgezeichnet wurden. Über Tatjana Stürmers Installation „C at the end of the line is a whisper“, die sich auf die berühmte Bibel-Handschrift „Book of Kells“ bezieht, sagte Henning Rickmann, Vorsitzender der Fördergesellschaft: „Man taucht ein in eine Kettenreaktion aus sinnlichen Assoziationen.“

Für diese bereits mit dem Bundespreis für Kunststudierende prämierte Arbeit gab es den Großen Preis der Fördergesellschaft – zur Hälfte, da ebenfalls Hanna Schawinski für ihre Performance „WWWE (World Woman Wrestling Entertainment)“ ausgezeichnet wurde.

Durch diesen Preis fördern Sie Mut.
Karolina Sobel, Preisträgerin der HfG-Fördergesellschaft

Der Preis der Fördergesellschaft ging an Karolina Sobel für ihre fotografische Arbeit „If you are OK I am OK“ über die queere Szene der polnischen Hauptstadt Warschau. „Durch diesen Preis fördern Sie Mut“, erklärte Sobel in ihren Dankesworten.

Dass Auszeichnungen neben der Anerkennung auch eine pragmatische Auswirkung haben, daran erinnerte Minh Duc Phan, der in seine mit dem Preis der BBBank ausgezeichnete Installation „This is water is water is water“ auch selbst investiert hatte: „Vielen Dank für die Möglichkeit, nach dem Studium finanziell bei Null zu beginnen und nicht mit einem Minus.“

Mehrere Auszeichnungen wurden bei der Semestereröffnung vergeben. Unter anderem überreichte Henning Rickmann, Vorsitzender der Fördergesellschaft HfG/ZKM, den Preis der Fördergesellschaft an Karolina Sobel für ihre Arbeit „If you are OK, I am OK“. Foto: Alexander Theis

Zuvor hatte Marlene Angermeyer-Deubner, die seit 1999 die Preisjurierung und -vergabe durch die Fördergesellschaft betreut hatte und dieses Amt nun an Henning Rickmann weitergab, ebenfalls Auszeichnungen vergeben: an Christina Scheib (Schroff-Preis für die Ausstellung „Tide“), Barbara Acevedo (Achim-und-Melanie-Krämer-Preis für „The Nandus Footprint“) und Jandra Böttger (Preis der Heinrich-Hertz-Gesellschaft für „Die Übung eines gesellschaftlich Imaginären“).

Mein Ziel ist es, die Tür zwischen den Disziplinen weiter zu öffnen.
Jan Boelen, Rektor Hochschule für Gestaltung (HfG)

Nicht nur die Absolventen betonten die besondere Rolle der HfG als „Arbeitsinsel“ und „Spielwiese“, um sich in unterschiedlichen Disziplinen zu erproben. Auch Rupert Vogel, Vorsitzender des Hochschulrats, verwies auf die Funktion der Hochschule als „Marktplatz der Ideen“.

Der neue Kanzler Thomas Fröhlich erklärte in seinem kurzen Grußwort, er freue sich darauf, mit allen Beteiligten „die Zukunft dieser tollen Hochschule zu gestalten“. Auf diese Zukunft verwies auch Rektor Jan Boelen, der aufgrund der Corona-Einschränkungen nun erst das vierte Semester seiner Amtszeit mit einer Präsenzveranstaltung eröffnen konnte und hinsichtlich der inhaltlichen Vielfalt versprach: „Mein Ziel ist es, die Tür zwischen den Disziplinen weiter zu öffnen.“

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