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Gemeinsames Musizieren fehlt

So läuft der Corona-Betrieb bei den Musikvereinen im Karlsruher Norden

Proben im Freien oder auf digital: Die Musikvereine im Karlsruher Norden sind einfallsreich, um ihren Betrieb trotz Corona aufrecht zu erhalten. Doch nicht nur die Proben fehlen den Mitgliedern.

Ihre Premiere feierte die „Big Band“ beim großen Herbstkonzert des Musikvereins „Harmonie“ Linkenheim-Hochstetten. Die Band war eigens für den Event begründet worden. Foto: Alexander Werner

„Seit Mitte November geht gar nichts“, sagt Mario Linder, Vorsitzender des Gesangvereins Concordia Blankenloch. Die Situation für kulturschaffende Vereine sei wegen Corona noch höchst schwierig, auch wenn es in den befragten Vereinen keine Erkrankungen gab – dank regelkonformen Verhaltens.

„Es waren ja alle geimpft, die meisten auch geboostert“, sagt Linder. Es sei immer wieder getestet worden. „Im Orchester gab es keine Infektionen“, informiert Kathrin Burgey, Vorsitzende des Fördervereins der Feuerwehrkapelle Jöhlingen. Musiker, die Kontakt mit Corona-Infizierten hatten, seien aufgefordert worden, sich in Quarantäne zu begeben.

Ähnliches berichtet Peter Wildschütz, Vorsitzender des Musikvereins Linkenheim-Hochstetten: „Wir haben unsere Mitglieder aufgefordert, bei den geringsten Anzeichen von Erkältung oder Grippe zu Hause zu bleiben. Digitale Proben bringen bei einem Durchschnittsalter unserer Sänger von 70-plus nichts.“ Über den Sommer habe man sich treffen und mit reichlich Abstand üben können.

Zusammensitzen und reden ist unheimlich wichtig.
Wolfgang Lautenschläger, Vorsitzender des Spöcker Gesangvereins Eintracht

Nach der Winterpause wolle man klären, wie es weitergehe und was die Vorgaben zuließen. Nicht allein das Singen fehle, auch die sozialen Kontakte „Zusammensitzen und reden ist unheimlich wichtig“, meint Wolfgang Lautenschläger, gerade für ältere Chormitglieder. Gesprächsbedarf gebe es reichlich, sagt der Vorsitzende des Spöcker Gesangvereins Eintracht. Corona blockiere die Möglichkeiten.

Die jungen Sänger nutzten moderne Technik und suchten das Gespräch mit Dirigent Aldo Martinez. Zum Glück seien noch keine Sänger abgesprungen. Denn die kriege man nicht zurück, wissen beide Vereinschefs. „Die letzten Singstunden haben gut funktioniert“, sagt Lautenschläger. Im Chorraum seien die Decken hoch, die Fenster ließen frische Luft ein, Abstände seien gut einzuhalten. Es fehlten die traditionellen Auftritte.

Digital arbeitet Jutta Braun-Wingert mit ihren Chören. Deren Sängerinnen und Sänger können ihre Melodien stimmenweise oder einzeln einsingen. Braun-Wingert leitet drei Chöre und die Musikschule Hardt, und sie nutzt ein spezielles Programm. Jeder habe Kamera, Mikrofon, Bildschirm, die Dirigentin sitzt im Probenraum am Klavier. „Das funktioniert ganz gut, wenn man mal eine Weile geübt hat“, so die Musiklehrerin.

Digitale Lösung ist kein richtiger Ersatz für Proben in Präsenz

„Das ist ein völlig anderes Proben, aber kein Ersatz.“ Leichter fällt der Unterricht an der Musikschule: „Da läuft es in Präsenzform mit geimpften Lehrern wie an allen Schulen und unter den üblichen Vorgaben.“ Anzeichen von Infektionen habe es nicht gegeben.

„Kurz vor Weihnachten haben wir noch geprobt“, informiert Peter Wildschütz, Vorsitzender des Musikvereins Linkenheim-Hochstetten: Blech und Holz seien zu unterschiedlichen Zeiten zur Probe gerufen worden. Das habe gut geklappt, auch weil der Proberaum alle Viertelstunde gelüftet worden sei. Digitale Proben waren nicht nötig. Die Musikerinnen und Musiker seien heiß aufs Üben. Ende März soll das Frühlingskonzert steigen, das 2020 und 2021 ausgefallen war.

„Das Feuerwehrhaus ist für coronakonforme Proben zu klein“, sagt Kathrin Burgey von der Feuerwehrkapelle Jöhlingen. Tobias Schreiber, der lange Zeit Vorsitzender der Kapelle war, habe den Musikern auf seinem Firmengelände eine Halle bereitgestellt, in der Blasorchester wie Nachwuchsensembles proben können. Aber es fehlten Auftritte.

Das gemeinsame Musizieren fehlt.
Kathrin Burgey, Feuerwehrkapelle Jöhlingen

So hätten sich alle gefreut, dass sie die Kirchengemeinde an Heiligabend beim Gottesdienst hatten unterstützen können. Ziel der Musiker sei es, sagt Burgey, wieder regelmäßig zu proben, um sich auf Auftritte vorzubereiten: „Das gemeinsame Musizieren fehlt.“

„Unser Vorteil ist, dass wir keine Blasinstrumente im Einsatz haben“, erklärt Heinz Vogel, Vorsitzender vom Harmonikaspielring Leopoldshafen (HSL). Nachdem es zeitweise digitalen Unterricht gegeben hatte, werde wieder in Präsenz unterrichtet. Platz dafür sei im Vereinsheim vorhanden. Abgesprungen sei während der Pandemie keiner der Schüler, nicht mal beim „Fernunterricht“, meint Vogel.

Den „natürlichen Schwund“ habe es gegeben, etwa wenn Jugendliche ihre Ausbildung beendet hatten und etwas anderes machen wollten – unabhängig von Corona. Bedauerlich sei, sagt er, dass die Geselligkeit auf der Strecke bleibe, und dass Festvorbereitungen – zumal der HSL vor allem auf die Jugend setze – besonders schwierig seien.

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