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Versammlung in Spöck war nicht angemeldet

120 Teilnehmer protestieren in Weingarten und Stutensee gegen die Corona-Politik

Kritiker der aktuellen Corona-Maßnahmen sind am Montagabend in Weingarten und Stutensee-Spöck auf die Straße gegangen.

Botschaft: „Demokratie braucht Freiheit“ ist eines der Mottos, das die Menschen am Montagabend in Weingarten auf Schildern präsentieren. Im Berufsverkehr passieren die meisten Autofahrer die Schilderparade stoisch. Einige hupen. Foto: Holger Keller

Armin Kolb lehnt sich aus dem Fenster seiner Orthopdädiepraxis in Weingartens Mitte: „Ich finde es super, wie die Menschen hier vollkommen friedlich demonstrieren“, sagt der Mediziner.

Er blickt direkt auf die Bundesstraße 3, die durch den Ort führt. Ein paar der Teilnehmer, die an diesem Montagabend ihren Unmut ausdrücken, stehen direkt vor seinem Fenster.

Sie halten Schilder in die Scheinwerferkegel der entgegenkommenden Autos. „Lasst Kinder frei atmen“ ist unter anderem zu lesen.

„Prinzipiell habe ich nichts gegen die Impfung“, sagt Kolb. „Aber eine Impfpflicht halte ich für vollkommen falsch.“ Eine Entscheidung darüber müsse immer frei sein, betont der Weingartener.

Die Verantwortung für die derzeitige Stimmung unter den Menschen, die protestieren wie in Weingarten sieht er unter anderem bei der Politik: „Jene Menschen, die Angst schüren, sollten in den Hintergrund treten.“

Menschen in Weingarten protestierten gegen die Corona-Politik

Kolb fährt fort: „Ich bin sicher, dass die Menschen dann wieder zusammenfinden und sich der Abgrund zwischen den Meinungen schließt.“

Direkt vor dem Rathaus der Gemeinde steht Walter Jülg mit einem Schild in der Hand. Der Rentner lebt seit Jahrzehnten mit einem Spenderorgan, erklärt er. Die Impfung als medizinischen Eingriff lehnt er strikt ab. „Es ist gegen die Selbstbestimmungsfreiheit des Menschen“, so Jülg.

„Demokratie braucht Freiheit“, ist auf dem Schild eines anderen Teilnehmers zu lesen. „Ich war kritisch, schon seit Beginn der Pandemie, aber richtige Sorgen mache ich mir seit etwa einem halben Jahr“, so der Weingartener.

Eine Impfpflicht halte ich für vollkommen falsch.
Armin Kolb, Arzt aus Weingarten

Die Freiheit sieht er in Gefahr. Es brauche alternative Medien, um sich zu bilden. Er wäge ab, welchen Quellen er traue. Rechtspopulistische gehörten nicht dazu, betont er.

Die Polizei zählt in Weingarten insgesamt 82 Teilnehmer. „Gut doppelt so viel wie noch vor einer Woche“, erzählt eine Teilnehmerin, die ihren Namen nicht nennen möchte.

„Der Wille der Menschen ist da und ich bin mir sicher: Es werden mehr“, so die Frau. Das Wichtigste sei, dass es gewaltfrei bleibe, das lehne sie ab.

Sorgen: Bis etwa zur Jöhlinger Straße standen die Menschen auf beiden Seiten der B3 und hielten Banner in die Höhe. Die Versammlung war genehmigt worden – unter den üblichen Hygienevorschriften. Foto: Holger Keller

Rund 40 Menschen ziehen am Montagabend durch den Stutenseer Stadtteil Spöck und demonstrieren gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern.

Nach städtischen Angaben ist die Versammlung nicht angemeldet. Dennoch wissen Polizei und Ordnungsamt von der Veranstaltung. Sie kommen mit insgesamt fünf Einsatzkräften zum Treffpunkt am Bürgerbüro.

Versammlung in Stutensee-Spöck war nicht angemeldet

„Die Versammlung ist nicht zugelassen“, sagt Ordnungsamtsleiter Thomas Schoch, der selbst vor Ort ist. Man werde sie allerdings nicht direkt auflösen.

Entscheidend sei die Verhältnismäßigkeit: „Wenn sich die Leute anständig benehmen, müssen wir nicht einschreiten.“ Bei Auseinandersetzungen oder Beleidigungen unter der Gürtellinie werde man die Veranstaltung hingegen beenden.

Bevor sich die Gruppe um kurz nach 18 Uhr in Bewegung setzt, erinnert die Polizei die Teilnehmer an die Corona-Regeln. „Wenn Sie keine eineinhalb Meter Mindestabstand einhalten können, müssen Sie eine Maske tragen“, macht ein Beamter deutlich.

Ich bin gegen die Diskriminierung von Ungeimpften.
Andreas, Versammlungsteilnehmer aus Spöck

Einige Teilnehmer begleiten seine Ausführungen mit Unmutsbekundungen. Eine Maske trägt an diesem Abend fast niemand.

Es entwickelt sich eine Art Katz-und-Maus-Spiel in den Straßen von Spöck. Polizei und Ordnungsamt folgen der Gruppe in zwei Autos und behalten sie im Auge.

Immer wieder versuchen die Teilnehmer, aus dem Sichtfeld ihrer Verfolger zu verschwinden. Mal gehen sie schneller, mal drehen sie um oder biegen ab.

Um 18.35 Uhr haben die Beamten genug. „Wir brechen ab“, sagt Thomas Schoch. „Die Leute verhalten sich friedlich.“

Auch Andreas aus Spöck, der seinen Nachnamen nicht nennen will, ist heute Abend dabei, um gegen die Corona-Politik zu protestieren. „Ich selbst bin geimpft und teste mich täglich“, betont er. „Aber ich bin gegen die Diskriminierung von Ungeimpften.“

Damit meint er laut eigener Aussage vor allem die 2G-Regelung. Andreas kritisiert die „Panikmache“ der Bundesregierung: „Aus anderen Ländern wissen wir doch längst, dass Omikron nicht besonders gefährlich ist.“

Tatsächlich rechnen viele Virologen bei der neuen Virusvariante mit weniger schweren Verläufen. Sie befürchten indes eine Überlastung der Intensivstationen, da Omikron im Vergleich zu Delta als erheblich ansteckender gilt.

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