Skip to main content

Viel Regen und Tauwetter

Übervolle Flüsse und Bäche locken auch Besucher an

Das Hochwasser von Rhein und vielen Zuflüssen hat am Samstag zahlreiche Menschen an die Ufer gelockt. Das DLRG kritisiert die Unvernunft einiger Menschen.

Positiver Nebeneffekt: Dieser Surfer nutzte am Samstag in Renchen-Erlach die Gelegenheit, um in den Fluten auf sein Brett zu steigen. Zwar war landesweit Hochwasser vorhergesagt worden, dieses fiel allerdings wenig dramatisch aus. Foto: Benedikt Spether

Angesichts des Regens seit Mittwoch, der noch bis in die Nacht zu Sonntag anhalten soll, und des schmelzenden und aus den Höhengebieten abfließenden Schnees hatte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg vor Hochwasser gewarnt. Schwerpunkt ist insbesondere der südliche Landesteil.

„Land unter“ hieß an mehreren Stellen bis Samstag entlang der Alb auf Gemarkung Karlsruhe, während der Wasserpegel der Pfinz bei Durlach eher moderat gestiegen ist. Überflutet war etwa der Ufer-Radweg an einer Unterführung nahe Beiertheim, gesperrt war der viel benutzte Rad- und Laufweg stellenweise in Höhe von Grünwinkel.

Mit Tosen und viel Kraft setzte sich die sonst so ruhige Alb auch am Wehr in Grünwinkel in Szene. Und auch in Höhe der Günther-Klotz-Anlage forderten die Schneeschmelze im oberen Albtal sowie die jüngsten Niederschläge ihren Tribut: Reihenweise stehen hier Uferbäume im Wasser.

Am Karlsruher Hafensperrtor, das am Freitag erstmals seit 2018 geschlossen werden musste, herrschte am Samstag ein regelrechter kleiner Ausflugstourismus: Einige Menschen waren dort trotz des anhaltenden Regens unterwegs, um sich die Lage anzusehen.

„Sensationstourismus“ habe es auch in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Situationen gegeben, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe: Momentan seien wohl ein klein wenig mehr Menschen unterwegs, was vermutlich auch an dem Pandemie-bedingten Drang liege, an die frische Luft zu kommen.

Pegel in der Ortenau sinken am Samstag schon wieder

Eher ruhig sah die Situation bis Samstagnachmittag in der nördlichen Ortenau aus: Der Wasserstand der Acher am Pegel Kappelrodeck war am Donnerstag und Freitag zwar rasant bis zu Höchstständen von etwa 1,38 Metern angestiegen, begann am frühen Samstagmittag wieder stetig zu sinken und blieb damit vom Meldewert von 1,70 Meter weit entfernt.

Wird der sogenannte HMO-Grenzwert (Hochwassermeldeordnung) überschritten, werden die zuständigen Einrichtungen informiert. Gerade recht kam der erhöhte Wasserstand offenbar dem ein oder anderen Freizeitsportler: vom Kajakfahrer auf der Acher bis zu Surfern auf der Rench in Renchen-Erlach.

Anhaltender Regen und Tauwetter im Schwarzwald sorgten für übervolle Bäche, Flüsse und Kanäle im Land - die Rench flutete bei Rheinau Memprechtshofen eine Fläche, die genau dafür vorgesehen ist. Foto: Karen Christeleit

Weil auch der Pegel der Kinzig immer weiter angestiegen war, hatte die Stadt Kehl bereits am Donnerstag Radwege unter den Kinzigbrücken hindurch sperren lassen: Unter den Brücken tritt der Fluss vielfach über die Ufer und setzt die Fahrradunterführungen unter Wasser, so die Stadt.

Auch der Kinzigpegel am Messstandort Schaibach bei Gengenbach sank am Samstagmittag kontinuierlich. Der Rhein hatte den Grenzwert von vier Metern am Pegel Kehl-Kronenhof bereits am Freitag überschritten und blieb steigend, pendelte sich am Samstag aber bei etwa 4,75 Meter ein.

Da ist nichts und da kommt nichts.
Bernd Molitor, Feuerwehrkommandant Bruchsal

„Da ist nichts und da kommt nichts“, sagt Bruchsals Feuerwehrkommandant Bernd Molitor zur Hochwasserlage. Er hat insbesondere den Saalbach im Blick. Der Rhein – weithin der einzige Fluss, der ob seiner Wassermassen für Aufsehen sorgt, gehört in die Zuständigkeit von Karlsruhe.

Am für die Gemeinden in der Hardt und im Bruchsaler Raum wesentlichen Pegel Speyer wird erst am Sonntag der Höchststand von knapp unter acht Metern erwartet. Bis Samstag 14 Uhr stieg das Wasser dort auf 6,34 Meter. Die Feuerwehr im Landkreis Karlsruhe rechnet damit, dass nach Dettenheim am Samstag stromabwärts weitere Zufahrtsstraßen zum Rhein gesperrt werden müssen.

Würm und Enz hatten ihren Hochwasser-Höhepunkt am Samstagmittag

Kein Grund zur Sorge: Die Enz, hier fotografiert in der Pforzheimer Innenstadt, schaffte am Samstagmittag einen Höchststand von 1,50 Meter, was den ein oder anderen Spaziergänger anlockte. Foto: Edith Kopf

Sehr entspannt blickt dagegen die Feuerwehr in Pforzheim auf den immer wieder einsetzenden Regen. Weder Würm noch Nagold oder Enz lassen einen Einsatz erwarten. Auch wegen des bisherige Hochwassergeschehens musste nirgends ausgerückt werden, ergibt eine Anfrage bei der Integrierten Leitstelle.

Die Würm hatte bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen Höchststand erreicht und fällt seitdem mit immer wieder kleinen Ausschlägen nach oben kontinuierlich, am Samstag dann rapide ab.

Die Enz in Pforzheim schaffte am Samstag um die Mittagszeit mit fast 1,50 Meter ihren Höhepunkt. Das lockte Spaziergänger an, führte aber nicht zu Warnungen. Fallend zeigt sich die Enz auch nach dem Zusammenfluss mit der Nagold im Herzen der Stadt. Der Pegel Eutingen erreichte um 13 Uhr den höchsten Wert von 1,82 Meter, dann fällt das Wasser.

Der Wasserstand an sich ist nicht das Problem. Aber die Unvernunft der Menschen.
Armin Flohr, Präsident des DLRG-Landesverbands Württemberg

Da in den nächsten Tagen keine nennenswerten Niederschläge mehr erwartet werden und in den Höhenlagen auch vom Schnee nicht mehr viel zu sehen ist, wird sich daran wohl nichts ändern.

DLRG rückte landesweit zu Einsätzen aus

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG wurde unterdessen landesweit bereits am Freitag zu einer Vielzahl von Einsätzen gerufen: Fast zeitgleich seien die Helfer in den Rettungsdienstbereichen Karlsruhe, Pforzheim, Freiburg sowie Rheinfelden, Esslingen und Tübingen zu einem oder mehreren Notfällen alarmiert worden, teilt die DLRG mit.

„Der Wasserstand an sich ist nicht das Problem. Aber die Unvernunft der Menschen“ so Armin Flohr, Präsident des DLRG-Landesverbandes Württemberg, der Pressemitteilung zufolge: „Die von überfluteten Wegen und Straßen ausgehende Gefahr und die starke Strömung wird von Personen oftmals unterschätzt. So gerät man aus Leichtsinn schnell in eine Notsituation“, so Flohr weiter.

nach oben Zurück zum Seitenanfang