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Helfer des BUND kontrollieren Schutzzaun

Kröten sind wieder auf Hochzeitsreise: Helfer tragen in Bretten die Tiere über die Straße

Kröten, Frösche und Molche sind in Bretten aus dem Winterschlaf erwacht und treten ihre Wanderung zu den Laichgewässern an. Ehrenamtliche Helfer des BUND sammeln die Tiere und tragen sie über die Straße. Dabei werden ihnen vor allem Raser gefährlich.

Frühmorgens im Einsatz: Amely Poll (l.) und Gertrud Steinbach kontrollieren während der Krötenwanderung regelmäßig den Schutzzaun an der K 3506 und tragen die Tiere auf die andere Straßenseite. Foto: Tom Rebel

An einem Februarmorgen um sechs Uhr schlüpfen Amely Poll und Gertrud Steinbach in ihre Gummistiefel. Ausgerüstet mit neongelben Warnwesten, Taschenlampen und Plastikeimern machen sie sich auf den Weg zur Kreisstraße 3506 zwischen den Brettener Ortsteilen Bauerbach und Büchig.

Ein kniehoher Zaun trennt dort den Waldrand von der Straße. Alle zehn bis 15 Meter haben Poll und Steinbach entlang des Zauns Eimer in die Erde gegraben. Jetzt leuchten die beiden Frauen mit den Taschenlampen in die Eimer. „So kontrollieren wir, ob Kröten hineingefallen sind“, sagt Poll.

Vor wenigen Tagen hat in Bretten die Krötenwanderung begonnen. Kröten, Frösche und Molche überwintern im Waldgebiet „Waldwingert“. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen über fünf Grad klettern, wandern die Tiere in großer Zahl zu ihren Laichgewässern - stets bei Dämmerung und Dunkelheit, um Fressfeinden zu entgehen. Und meistens bei feuchter Witterung, damit sie nicht austrocknen.

Dabei passieren sie die Kreisstraße. Eine gefährliche Angelegenheit, weiß Steinbach: „Erdkröten brauchen rund 20 Minuten, um die Straße zu überqueren.“ Dort, wo keine Schutzzäune stehen, sei die Gefahr groß, dass die Tiere überfahren oder durch den Unterdruck schnell vorbeifahrender Autos getötet werden, der ihre Organe zum Platzen bringt.

Autofahrer missachten das Tempolimit

Das Straßenbauamt installiert daher jedes Jahr einen 450 Meter langen Schutzzaun an der K 3506. Poll und Steinbach haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Amphibien sicher auf die andere Straßenseite zu bringen. Die beiden Frauen sind Mitglieder in der Brettener Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Gemeinsam mit zwei anderen ehrenamtlichen Helfern des BUND kontrollieren sie für die Zeit der Wanderung, also etwa zwei Monate lang, in den frühen Morgen- und späten Abendstunden den Schutzzaun und tragen die gesammelten Tiere in Eimern über die Straße. „In einer guten Wandernacht sind 150 bis 200 Kröten in den Eimern“, erklärt Poll.

Zum Schutz der Helfer sind Autofahrer aufgefordert, langsam zu fahren. Vor jedem Einsatz klappen Steinbach und Poll ein Tempo-30-Schild auf dem Straßenabschnitt aus. „Die wenigsten Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung“, klagt Steinbach.

Kälteeinbruch hat Krötenwanderung unterbrochen

Zwischen 900 und 1.100 Amphibien treten in guten Jahren die Wanderung an, schätzt sie. 90 Prozent der Amphibien, die an der K 3506 wandern, sind Erdkröten. Ab und zu landen auch Springfrösche und Bergmolche in den Eimern. Dieses Jahr hätten sich die ersten Kröten schon Anfang Februar auf den Weg zu den Laichgewässern gemacht. Dann kam der Kälteeinbruch. Wegen der eisigen Temperaturen und des Schneefalls hätten sich die Tiere wieder verbuddelt, sagt Steinbach.

Die Paarungszeit hat begonnen: Frösche und Kröten erwachen aus dem Winterschlaf und wandern zu ihren Laichgewässern. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Seitdem das Wetter wieder milder geworden ist, hätten sie ihre Verstecke verlassen und die Wanderung fortgesetzt. Nachdem die Tiere ihre Eier abgelegt haben, wandern sie in den Sommermonaten wieder zurück in den Wald. Die Rückwanderung sei keine Massenwanderung, sondern viel diffuser als die Hinwanderung, erläutert Steinbach. Die Kröten wanderten einzeln und über Monate hinweg zurück in den Wald. Deshalb seien die BUND-Helfer nur bei der Wanderung im Frühjahr im Einsatz.

Eine stationäre, dauerhafte Amphibienschutzanlage würde vieles erleichtern, meinen die beiden Helferinnen. Dabei handelt es sich um Leitsysteme aus Beton oder Stahl, die an der Straße fest eingebaut werden. Eine solche Anlage könne aber erst gebaut werden, wenn an der Straße etwas verändert wird.

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