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Umsätze bis zu 50 Prozent eingebrochen

Wie Brettener Taxi-Unternehmen durch die Corona-Pandemie kommen

Kaum Privatbeförderung, wenig Geschäftsreisen, keine Schülertransporte: Die Brettener Taxi-Unternehmen beklagen wegen der Corona-Krise massive Umsatzeinbußen.

Auf Abruf: Levent Özer betreibt in Bretten das Taxi-Unternehmen Maxi Car. Das Geschäft am Bahnhof lohnt sich derzeit kaum noch. Foto: Tom Rebel

Sie stehen rund um die Uhr bereit, um ihre Kunden ans gewünschte Ziel zu befördern. Auch bei Kälte, Regen, Eis und Schnee. Doch viel mehr noch als das Wetter macht der Taxi-Branche die Corona-Krise zu schaffen. Die beiden Brettener Taxi-Unternehmen sprechen von Umsatzeinbrüchen von 50 Prozent. „Ohne die Krankenfahrten zur Dialyse, Bestrahlung oder Chemotherapie könnten wir zumachen“, sagt Gerhard Heieck.

Seit 36 Jahren fährt der Brettener im Nebenberuf Taxi, seit acht Jahren sitzt er für das Brettener Taxi-Unternehmen Kuhn hinterm Steuer. Die Patienten holt er morgens zuhause ab und fährt sie zur Behandlung nach Pforzheim, Bruchsal oder Karlsruhe, ein Kollege der Mittagsschicht bringt sie dann wieder heim.

„Vor Corona standen wir auch am Wochenende von abends 20 Uhr bis sechs Uhr früh am Bahnhof“, berichtet er. Seit den Ausgangsbeschränkungen laufe nachts aber so gut wie gar nichts mehr. Weihnachten, Silvester, Fasching und Peter-und-Paul, das waren für die Taxifahrer die Hoch-Zeiten. In vergangenen Jahr fiel das alles aus.

Fahrer in Kurzarbeit

Nur noch die Hälfte des Geschäfts vor Corona – so beschreibt auch seine Chefin Gisela Kuhn die aktuelle Lage. Nicht nur die meisten privaten Fahrten fielen weg, Gleiches gelte auch für die Schulfahrten im Auftrag des Landratsamts für Kinder mit Behinderungen. „Seit einem dreiviertel Jahr läuft zudem am Brettener Bahnhof fast nichts mehr“, sagt Kuhn.

Die Uhr läuft: Gisela Kuhn betreibt mit sechs Fahrzeugen eines der Brettener Taxi-Unternehmen. Der Corona-Lockdown trifft sie hart. Foto: Tom Rebel

2,10 Euro koste der Kilometer in Bretten, dazu kämen 3,50 Euro Grundgebühr, die Tarife schreibe das Landratsamt vor, die Leerfahrt sei einkalkuliert, erklärt die Taxi-Unternehmerin, die sechs Fahrzeug im Fuhrpark hat. Sechs Fahrer sind fest angestellt, dazu kommen zwei Aushilfen.

„Im April mussten wir für vier Fahrer Kurzarbeit anmelden“, sagt Kuhn, die auch selbst noch hinterm Steuer sitzt. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte sie noch Soforthilfe beantragt und bekommen, seither hat sie diesbezüglich aber nichts mehr unternommen. Der Aufwand sei zu groß und zu teuer, sagt die gelernte Bürokauffrau, denn die Anträge müsste ja der Steuerberater bearbeiten. Da bliebe am Ende dann nichts mehr übrig.

Fahrten zum Flughafen nach Frankfurt oder München seien zu normalen Zeiten keine Seltenheit. Daneben seien Kurierdienstfahrten attraktiv, etwa wenn Firmen wichtige Ersatzteile benötigen. Dann ginge die Fahrt auch schon mal nach Holland. Und von der Insel Fehmarn hat der Taxibetrieb auch schon mal eine Krankenfahrt nach einer Fußoperation absolviert.

An einen besonders kuriosen Fall erinnert sich die Fuhrparkchefin noch genau: „Da mussten wir Detektivarbeit leisten und einen Mann verfolgen, dessen verzweifelte Ehefrau unbedingt wissen wollte, was der Gatte in seiner Mittagspause trieb“, erzählt sie. Er habe dann aber lediglich am Imbiss zu Mittag gegessen, so der Ergebnis der Beschattung. Und der Ehefrieden war wieder hergestellt.

Noch ein halbes Jahr, dann wird es eng

Athanasios Mylonas ist einer der beiden Geschäftsführer des zweiten Brettener Taxi-Unternehmens. Zusammen mit Levent Özer betreibt er die Firma Maxi Car mit Niederlassungen in Bretten und Oberderdingen. Mit fünf Taxen und einem Mietwagen ist Maxi Car unterwegs, fünf Fahrer sind in Bretten stationiert, zwei in Oberderdingen. Weitere Standorte finden sich in Mühlacker und Ludwigsburg. Dazu kommen fünf Aushilfen.

Auch Mylonas spricht von großen Einbußen: keine Flughafenfahrten, keine geschäftlichen Beförderungen und kaum Bahnhofsbetrieb. Nur die Krankenfahrten hielten den Laden derzeit noch am Laufen. „Wenn es noch ein halbes Jahr so weiter geht, dann wird es eng“, beschreibt er die Geschäftslage. Nur weil man eine ganze Reihe von Niederlassungen betreibe und Arbeiten zentral erledigen könne, ließen sich die Verluste einigermaßen abfedern.

Aus seiner langjährigen Erfahrung als Taxifahrer hat auch Mylonas Kurioses zu berichten. Vom Polizeireporter, der sich mit dem Taxi zu einem Einsatz kutschieren ließ, bis zu einer Kundin, die sich zum Einkaufen fahren ließ und im Geschäft die Verkäuferin bedrohte, um das Fahrgeld für das Taxi zu erpressen. „Manche zahlungsunwillige Kunden versuchen auch abzuhauen, einer hat dabei sogar seinen Koffer im Auto zurückgelassen“, erzählt er weiter. Da sei aber leider nur Leergut drin gewesen. Und einmal habe er es gerade noch geschafft, eine werdende Mutter rechtzeitig ins Krankenhaus zu bringen.

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