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Ein Tag am See

Strengere Regeln zeigen Wirkung: Entspanntes Badevergnügen am Untergrombacher See

Der Hilfe-Ruf vom Wasser ist kaum zu hören. Aber die Rettungskräfte des DLRG sind wachsam. Sie schieben am Untergrombacher Baggersee ehrenamtlich Dienst. Doch ihnen fehlt es an Personal.

Die drei von der Wachstelle: Luca Laier, Daniel Moyrer und Sunny Radziej (von links) schieben für das DLRG ehrenamtlich Dienst am Untergrombacher Baggersee. Foto: Christina Zäpfel

Bisher mussten sie nur Pflaster verteilen. „Wir hatten dieses Jahr schon einige Rettungseinsätze. Aber nicht am Untergrombacher Baggersee. Auch heute ist es relativ entsp... “ Der Wachleiter der DLRG, Bastian Schweikert, wird jäh unterbrochen. Sein Kollege mit dem Fernglas sprintet los Richtung Strand. Schweikert hinterher. Ein Mann hat um Hilfe gerufen.

Die geübten Ohren der beiden haben diesen Ruf aus der Geräuschkulisse eines bevölkerten Baggersees herausgehört. Mit vier Mann ist die Truppe an diesem heißen Sommertag im Einsatz - bisher war es entspannt.

Die beiden anderen Kollegen patrouillieren mit dem Boot auf der großen Wasserfläche. Halten auch die Regionen im Blick, die vom Ufer aus nicht einsehbar sind.

Bislang geht es ziemlich geordnet zu: Die Sparkassen-Anzeige im Ort hatte schon gegen 15 Uhr 38 Grad angezeigt. Doch auf dem Parkplatz gibt es noch freie Plätze. Pforzheimer Kennzeichen, Rastatter, Böblinger oder Germersheimer - alles ganz normal. „Alles noch im grünen Bereich“, werden später die Security-Leute bilanzieren, als die ersten Regentropfen fallen.

Junge Frau übt mit Welpen Schwimmen

Auf der Wasseroberfläche halten die Lebensretter der DLRG Ausschau nach dem Mann in Not. Wenige Minuten später die Auflösung: Ein junger Mann mit riesiger Luftmatratze ist ganz schön am Pumpen, aber sicher am Ufer. „Ich war das“, meldet er sich bei den Rettern. Der Badebetrieb geht weiter.

Die drei von der Wachstelle: Luca Laier, Daniel Moyrer und Sunny Radziej (von links) schieben für das DLRG ehrenamtlich Dienst am Untergrombacher Baggersee. Foto: Christina Zäpfel

Eine junge Frau unternimmt mit ihrem Welpen erste Schwimmübungen. Ein junger Mann balanciert auf einer Slackline über dem Wasser. Der 30-jährige Karlsruher Mats Volles ist mit dem Fahrrad gekommen - hat sich die zehn Euro Parkgebühr gespart. Er hat die Slackline gespannt und macht vor allem bei den Kindern damit mächtig Eindruck. „Untergrombach ist der einzige See, wo das geht“, berichtet er. Sein Seil spannt sich von einem Baum am Ufer rüber zur dicht bewaldeten Insel.

Volles und seine Freunde haben Übung. „Das Wasser darunter bewegt sich, das ist total irritierend“, berichtet er von der Kunst, anstatt über Gras über einer Wasserfläche zu balancieren. Die Kids haben ihren Spaß, als Volles sie einlädt, auf der Slackline Platz zu nehmen und zu schaukeln.

Wir kontrollieren, ob die Verordnungen der Stadt auch eingehalten werden.
Marco Ehnes, Security-Mann auf Streife am Baggersee

Plötzlich ein leises Donnern. Der Himmel ist bedeckt. Heimfahren oder Ausharren? Das Badevolk ist unentschlossen.

Jonas und Tobias aus Untergrombach und Christine aus der Bruchsaler Südstadt haben es sich derweil an einem Schattenplatz nahe des DLRG-Häuschens bequem gemacht. Per Whatsapp verabreden sich die drei oft zum Treffen hier. „Wenn gutes Wetter ist, sind wird da.“ Im Vergleich zum Sommer vor einem Jahr ist es aus ihrer Sicht bisher entspannter. „Liegt wohl daran, dass man nicht grillen darf“, mutmaßt der 21-jährige Jonas. „Uns hat das aber bisher nicht gestört.“ Nur der viele Müll war lästig. „Die Leute lassen echt alles liegen.“



Lauschig aber verboten: Die Naturschutzzone am Untergrombacher Baggersee ist dieses Jahr großflächig mit Bauzäunen gesperrt. Foto: Christina Zäpfel

Patrouillieren am Strand: Marco Ehnes (rechts) und sein Kollege Uwe Müller achten darauf, dass die strengeren Regeln der Stadt am Baggersee auch eingehalten werden. Foto: Christina Zäpfel



Lauschige Buchten im Naturschutzgebiet sind tabu

Dass das nicht passiert, dafür sind Uwe Müller, Marco Ehnes und drei weitere Sicherheitsleute da. Ehnes hat seine neuen Kollegen gerade die Anlage gezeigt. Die Naturschutzflächen im nördlichen Teil sind dieses Jahr mit langen Bauzäunen abgesperrt.

Die einsamen Buchten waren im Corona-Sommer Anziehungspunkt für viele - verbotenerweise. „Wir kontrollieren, ob die Verordnungen der Stadt auch eingehalten werden“, erklärt Ehnes. Es geht um das Grillverbot - es herrscht Waldbrandgefahr. Auch Shisha-Rauchen ist untersagt. Die korrekten Corona-Abstände zu kontrollieren, ist müßig. Der Strand ist nicht überfüllt, die meisten Besucher sind in Kleingruppen da. Große Gelage - Fehlanzeige.

DLRG hat Nachwuchsprobleme

Wachführer, zwei Wachgänger und ein Bootsführer - auch für die vier Ehrenamtlichen des DLRG soll es ruhig bleiben. Die anziehende Gewitterwolken behalten sie im Blick, räumen können sie den See aber nicht. „Wir setzen auf den gesunden Menschenverstand. Wir haben hier nicht das Hausrecht“, erklärt Schweikert. Samstags uns Sonntags schieben sie Dienst hier. Nicht einfach nach dem Coronasommer, es mangelt an Leuten. „Eine Generation fehlt“, so Schweikert. Es gab kein Training, es gab keine Schwimmkurse. Die vier müssen keine Propheten sein: Die Gefahr von Unfällen am See ist größer denn je. Und der Sommer hat erst begonnen.

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