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Neue Formate durch Corona-Regeln

Bruchsaler Weihnachtsgottesdienste mal anders: „Stille Nacht“ in der Turnhalle

Das zweite Weihnachten unter Corona-Bedingungen steht an. Und an vielen Stellen haben sich neue Formen des feierlichen Zusammenseins entwickelt.

Die Weihnachtskrippe im Kirchgarten Mingolsheim ist mit lebensgroßen Figuren bestückt. Foto: Martin Heintzen

Das zweite Mal Weihnachten unter Pandemie-Bedingungen – mit Abstandsregelungen, Lüftungskonzepten und Krippenspiel im Freien. Die Planungen in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden laufen auf Hochtouren – und setzen viel Kreativität frei.

Vor einem Jahr hatten die Gemeinden im evangelischen Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal Weihnachtsgottesdienste kurzfristig abgesagt. Dieses Jahr sollen sie stattfinden. Allerdings ein bisschen anders. „Es gilt die freie Religionsausübung“, verweist Dekanin Ulrike Trautz auf das Grundgesetz.

Angesicht der Pandemie habe man eine besondere Verantwortung. Bei der Umsetzung von Konzepten für Weihnachtsgottesdienste wurde seitens des Dekanats ein Abstand von zwei Metern ausgegeben.

Viele Feiern werden deshalb gleich nach draußen verlegt, wie etwa der Familiengottesdienst im Garten der evangelischen Friedenskirche Karlsdorf oder vor der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Forst. „Wir planen Heiligabend-Gottesdienste um 15.30 in Menzingen auf dem Schlossplatz und um 18 Uhr in Oberacker bei einer Familie, die einen Offen-Stall hat“, erzählt Pfarrerin Stefanie Nuß. In Menzingen wird zum vierten Advent wieder ein Krippenweg mit vier Stationen aufgebaut. Mit Hilfe eines QR-Codes wird der Weg zu einer Art Hörspiel, so Nuß.

Die katholische Kirchengemeinde Bruchsal-Michaelsberg feiert Weihnachten dieses Jahr ebenfalls im Freien – auf dem Michaelsberg. Die Organisatoren verweisen extra auf warme Kleidung und einen Sitzhocker – falls die Gläubigen nicht lange stehen können.

Lüftung sorgt für nötigen Luftaustausch

Seine Erfahrungen mit einem luftigen Gottesdienst hat Pfarrer Benedikt Ritzler bereits vor einem Jahr im Parkhaus der Fürst-Stirum-Klinik gemacht. Die Durchlüftung habe nicht besser sein können – aber: „Für die Mitarbeiter, die zwei Gottesdienste gestaltet haben, ist es schon sehr kalt geworden“, erinnert sich der Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit St. Vinzenz in Bruchsal.

Als Alternative wurde dieses Jahr die Halle des TSG Bruchsal ausgeguckt. Sie ist sehr hoch. „Weihnachten mal anders“ ist das Motto der zwei ökumenischen Gottesdienste. Sie finden zusammen mit der Paul-Gerhardt und der Luther-Gemeinde statt. Es gelten die 3G-Regeln – also geimpft, genesen oder negativ getestet.

Um 1,50 Meter Abstand gewährleisten zu können, werde man sich in der Dreifeld-Halle auf 500 Stühle beschränken. Dafür gebe es keine Kontrolle von QR-Codes oder Impfausweisen. Eine Lüftung soll für den nötigen Luftaustausch sorgen. Und: Es darf auch mitgesungen werden.

Es kommen viele, die früher nicht gekommen wären.
Luise Helm, Pfarrerin Bad Schönborn-Kronau

Die Beschränkungen durch Corona haben dazu geführt, dass nach anderen Formen der Begegnung gesucht wird. Das hat Dekanin Ulrike Trautz festgestellt. Die Kirchen seien zwar nicht unbedingt voller. Aber bei den Besuchern bestehe ein großes Bedürfnis nach Begegnung. Streaming-Gottesdienste könnten das nicht ersetzen.

„Es kommen viele, die früher nicht gekommen wären“, so Pfarrerin Luise Helm. Neue, unterschiedliche Formate und zeitlich begrenzte Angebote haben nach ihrer Einschätzung für einige wieder den Weg in die Kirche geebnet. Die evangelische Kirchengemeinde Bad Schönborn-Kronau setzt dieses Jahr deshalb auf viele kleine, interaktive Programmpunkte zu unterschiedlichen Zeiten. So soll verhindert werden, dass größere Gruppen in der „offenen Kirche“ oder am Krippenplatz aufeinander treffen. „Gottesdienst to go“, wie Pfarrerin Helm es nennt.

Schnitzeljagd mit dem virtuellen Schaf

Die Suche nach neuen Formen setzt auch viel Kreativität frei: „Die Tüten der Aktion ,Kirche für Zuhause´ mit Bastelangeboten, Geschichten und geistlichen Impulsen im Advent kam 2020 gigantisch gut an“, erzählt Vera Herberger, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit Karlsdorf-Neuthard-Büchenau. 550 Tüten sind für Weihnachten und 800 für die Sternsinger-Aktion geplant.

„Wir wollten ein Angebot für Familien, um die Treffen zu entzerren“, so Herberger. Dieses Jahr ist deshalb zusätzlich eine digitale Schnitzeljagd geplant. Mit der App Actionbound kann man auf den Spuren eines Schafs, das seinem Hirten davon gelaufen ist, durch den Ort gehen.

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