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Frauenfußball-Bundesliga

SC Sand setzt im Abstiegskampf auf den „Geist von Meppen“

Wer einen Trainerwechsel als Mittel für mehr Erfolg ansieht, erhält durch das Beispiel SC Sand gute Argumente. Sieben Punkte holte Alexander Fischinger in seinen ersten drei Partien, der Verbleib in der Frauenfußball-Bundesliga ist in Sicht.

Jubel in Meppen: Durch den 2:0-Sieg beim direkten Konkurrenten im Bundesliga-Abstiegskampf können die Fußballerinnen des SC Sand mit einem weiteren Erfolg gegen Leverkusen am letzten Spieltag ihr Ziel erreichen. Foto: Eibner/imago images

Als Alexander Fischinger vor fünf Wochen als neuer Trainer des SC Sand vorgestellt wurde, deutete Vieles auf einen Abstieg aus der Frauenfußball-Bundesliga hin.

Drei Spiele später haben sich die Vorzeichen geändert, vor dem letzten Spieltag am 6. Juni steht das Team aus der Ortenau wieder über dem Strich, der die Abstiegszone markiert.

Allein die Resultate zeigen den wundersamen Wandel: Sieben Punkte holte der SC in den drei Fischinger-Partien, zuvor waren es acht in 18 Partien.

Erstaunlich auch die stabile Defensive, die außer dem frühen Rückstand beim 6:1-Sieg gegen Werder Bremen beim Champions-League-Teilnehmer Hoffenheim (0:0) und zuletzt in Meppen (2:0) keinen Gegentreffer zuließ. Davor trafen die Gegner im Schnitt fast dreimal pro Spiel gegen Sand.

Sie haben sich in Weltrekordzeit als Team gefunden.
Alexander Fischinger, Trainer des SC Sand

Fischinger gibt sich vollkommen uneitel, seinen zweifellos vorhandenen Anteil an der positiven Entwicklung betont er keineswegs. Vielmehr stellt der 57-Jährige seine Spielerinnen in den Mittelpunkt. „Sie haben sich in Weltrekordzeit als Team gefunden“, sagt Fischinger, der das Trainingspensum in der entscheidenden Saisonphase verdoppelt. Teilweise stehen zwei Einheiten pro Tag auf dem Programm.

Zwei freie Tage vor dem Endspurt

Nach zwei freien Tagen, die Fischinger mit Wandern und Radfahren verbringt, geht es am Donnerstag in den Endspurt. „Dann wird durchgeturnt bis zum Saisonende.“ Denn, auch das verschweigt Fischinger nicht, „erreicht haben wir leider noch nichts. Uns wird nichts geschenkt“.

Da auch Meppen in den vergangenen Wochen punktete, hilft am 6. Juni (14 Uhr) nur ein Sieg gegen den Tabellenfünften Bayer Leverkusen zur sicheren Rettung.

Ansonsten muss Sand hoffen, dass die südbadischen Kolleginnen des SC Freiburg gegen Meppen Schützenhilfe leisten. Freiburgs Teammanagerin Birgit Bauer habe bereits geschrieben und ihre Unterstützung zugesagt, berichtet Fischinger, der jedoch auf Nummer sicher gehen will.

„Ich verlasse mich am liebsten auf uns selber.“ Genauso sieht der Sportliche Leiter Sascha Reiß die Lage: „Freiburg ist lediglich ein kleiner Joker, den wir aber hoffentlich nicht brauchen werden.“

In kurzer Zeit hat sich eine unglaubliche Gemeinschaft gebildet.
Alexander Fischinger, Trainer des SC Sand

Den Klassenverbleib in dieser Saison würde Fischinger gleich hoch einordnen wie das DFB-Pokal-Endspiel, das er 2015/16 während seiner ersten Amtszeit in der Ortenau erreichte.

Diesmal geht es um mehr, Existenzen stehen auf dem Spiel – auf und neben dem Platz. „Die Spielerinnen haben gezeigt, dass sie gerne in dieser Konstellation zusammenbleiben würden und spielen daher gegen Leverkusen auch um ihre eigene Zukunft“, sagt Fischinger, unter dessen Regie sich „in kurzer Zeit eine unglaubliche Gemeinschaft gebildet“ habe.

Saisonfinale mit Zuschauern?

Mit diesem „Geist von Meppen“, wo sich der SC-Tross rund um das Kellerduell drei Tage lang aufhielt, soll nun der letzte Schritt zum Ziel gelingen. „Es wäre brutal schade, wenn sie es sich noch nehmen lassen“, sagt Fischinger, der eventuell auch wieder auf Fans vor Ort bauen kann.

Angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie könnten zum Saisonfinale wieder Zuschauer ins Kühnmatt-Stadion kommen. Ob und wie viele, soll nach Angaben von SC-Manager Gerald Jungmann kommende Woche anhand der dann aktuellen Infektionslage entschieden werden.

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