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Es fehlt weiter an Impfstoff

Mit Astrazeneca wird jetzt auch im Kurhaus Baden-Baden geimpft

Viele Impfwillige sind verzweifelt, weil sie keinen Impftermin bekommen. Auch im Kreisimpfzentrum im Kurhaus Baden-Baden fehlt Impfstoff. Ab Mittwoch wird das Präparat von Astrazeneca verabreicht.

Vergebliche Bemühungen: Zuletzt war die Vereinbarung eines Termins für eine Corona-Schutzimpfung im Kurhaus nicht möglich. Foto: Bernd Kamleitner

Im Impfzentrum im Kurhaus Baden-Baden soll ab diesem Mittwoch auch mit dem Präparat des Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft werden. Das teilte Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Die dafür verfügbaren Impftermine für diesen und kommenden Mittwoch für Menschen mit höchster Impfpriorität seien allerdings schon vergeben.

Offene Termine für diesen Personenkreis (Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sowie alle Menschen über 80) gebe es noch für den 10. März, sagte die Rathauschefin am Montagabend im Gemeinderat.

Bis zu 750 Impfungen am Tag wären möglich

Wie der Betrieb in Deutschlands wohl exklusivstem Impfzentrum in der Bäderstadt läuft, darüber verschaffte sich die CDU-Politikerin am Wochenende einen persönlichen Eindruck. Mergen war in einer Schicht mit im Dienst.

Das Impfzentrum habe am Samstag ein volles Programm bei erweiterter Öffnungszeit bewältigt und 1.100 Impfungen verabreicht. Die Hälfte davon seien jedoch eine Zweitimpfung gewesen. Menschen, die den von vielen ersehnten Piks bekamen, seien sehr dankbar gewesen, berichtete Mergen. Die Abläufe sind nach Ansicht der Oberbürgermeisterin professionell organisiert.

Wir sind nicht glücklich, wie das läuft.
Margret Mergen, Oberbürgermeisterin

Doch unter dem Strich läuft noch längst nicht alles so, wie es laufen sollte. Das räumt auch die Rathauschefin ein: „Wir sind nicht glücklich, wie das läuft.“ Damit meint sie aber keineswegs die Abläufe im Kreisimpfzentrums (KIZ), sondern allein die Verfügbarkeit des Impfstoffs: „Es ist zu wenig da.“

Der reicht noch immer nicht aus, um die vollen Kapazitäten des KIZ auszuschöpfen. Theoretisch wären demnach etwa 750 Impfungen an sieben Tagen die Woche möglich.

Die Öffnungszeiten orientieren sich derzeit dagegen an der Verfügbarkeit des Serums, sprich: Sie sind eingeschränkt. Dass Impfwillige bisweilen eher einen Termin in Offenburg bekommen, lässt sich auch erklären. „Dort ist ein zentrales Impfzentrum“, klärte Mergen auf. „Die bekommen größere Mengen an Impfstoff.“

Warteliste wird immer länger

Auch im Rathaus sind zum Teil verzweifelte Reaktionen von Menschen bekannt, die sich zuletzt immer wieder vergeblich um einen Impftermin bemühten. „Warum werden ältere Menschen nicht gezielt angeschrieben und diesen ein Termin mitgeteilt“, wollte FDP-Rat René Lohs wissen.

Bei etwa 5.500 Bürgern im Alter von über 80 Jahren und Impfstoff für 500 Personen, von dem die Hälfte für die erforderliche Zweitimpfung zurückgelegt wird, bleiben viele Fragezeichen hinsichtlich eines Maßstabs für die Auswahl derer,die geimpft werden können. „Sehr viele Fragen, viele unbefriedigende Antworten“, meinte Mergen.

Ich höre auch, dass es nicht immer gut funktioniert.
Roland Kaiser, Sozialbürgermeister

Dabei ist es ohnehin nicht die Stadt, die Impftermine vergibt. Das geschieht vielmehr zentral über die dafür installierten Systeme, rief Sozialbürgermeister Roland Kaiser in Erinnerung. Also ausschließlich über die bundesweite Rufnummer 116117 oder die Internet-Plattform www.impfterminservice.de. „Ich höre auch, dass es nicht immer gut funktioniert“, sagte der Grünen-Politiker. Es werde jedoch besser, so sein Eindruck. „Noch sind wir aber noch weit weg von dem Rahmen, zu sagen, es läuft gut.“

Seit einigen Tagen ist für die Terminvergabe ein Recall-System geschaltet, eine Warteliste. Anrufer können sich auf eine Vormerkliste für einen Impftermin setzen lassen und werden bei einem freien Termin benachrichtigt. Das soll mühsame tägliche Anrufe bzw. immer neue Anfragen über das Internet überflüssig machen. Allerdings: Auf der Liste sollen bereits 180.000 Impfwillige stehen. Wegen nur geringen Impfstoffmengen hatte sich bereits der Start des Impfzentrums im Kurhaus auf den 22. Januar verschoben.

Für Zwei-Schicht-Betrieb sind 14 Personen erforderlich

Etwas eigenartig gestaltet sich im Hintergrund die Abwicklung des KIZ-Betriebs. Das Kurhaus ist nicht im Besitz der Stadt, sondern eine Immobilie des Landes. Für den Weinbrenner-Bau ist die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) zuständig, eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Die fällt in Regie des Finanzministeriums, die Kostenerstattung für Impfzentrum fließt aus dem Sozialministerium. Es sind jedoch nicht die beiden Stuttgarter Behörden, die untereinander abrechnen.

Das Sozialministerium hat vielmehr die Stadt angehalten, den Mietvertrag, parallel zu den anderen Kreisimpfzentren, mit der BKV als Eigentümerin zu schließen. Monatliche Miete und die Nebenkosten hat das Sozialministerium gedeckelt. Ebenso schließt die Stadt die Verträge über die Dienstleistungen des erforderlichen medizinischen Fachpersonals ab. Auch hierfür gibt es Kostenerstattungen aus dem Sozialministerium.

Für einen Zwei-Schicht-Betrieb sind 14 Personen mit medizinischer Qualifikation (Gesundheits- und Krankenpfleger, medizinische Fachangestellte, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Altenpfleger) erforderlich. Wie alle anderen Impfzentrum soll auch das im Kurhaus bis Ende Juni für für diesen Zweck zur Verfügung stehen. Die Stadtverwaltung hatte dagegen das Kongresshaus als Standort vorgeschlagen.

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