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Recherche der Deutschen Welle

Gehört das Schloss Bühlerhöhe dem gestürzten kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew?

Ist der gestürzte kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew der Eigentümer der Bühlerhöhe? Die Deutsche Welle berichtet, dass sich der Clan mit der Immobilie gegen den Machtverlust im Heimatland abgesichert hat.

Das Schlosshotel Bühlerhöhe ist seit 2010 fast durchgehend geschlossen. Die Deutsche Welle hat recherchiert, dass das Baudenkmal dem kasachischen Ex-Präsidenten Nursultan Nasarbajew gehören soll. Foto: Ulrich Coenen

Wer sind die geheimnisvollen Eigentümer der Bühlerhöhe? Eugen Theise, Redakteur und Osteuropa-Experte der Deutschen Welle, hat die Antwort gefunden. In einem umfangreichen Online-Beitrag verweist der Journalist auf die Familie des gestürzten kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew.

Die russischsprachige Version dieses Artikels wurde in den ehemaligen Sowjetrepubliken bereits millionenfach aufgerufen. Im Beitrag wird spekuliert, dass sich der Clan mit Betongold im Westen gegen einen Machtverlust im Heimatland absichert.

Wie bereits berichtet, haben kasachische Investoren in Baden-Baden und Bühl mehrere denkmalgeschützte Immobilien erworben, von denen Bühlerhöhe die bedeutendste ist. Das Schlosshotel Bühlerhöhe, laut baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“, ist seit fast zwölf Jahren geschlossen.

Die Misere begann, als SAP-Gründer Dietmar Hopp das 1914 nach Plänen des Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis vollendete Gebäude an der Schwarzwaldhochstraße an eine Investorengruppe um den ukrainischen Oligarchen Igor Bakai verkaufte. Die von diesem gegründete Anna Maria Vermögensverwaltung GmbH ging im Sommer 2013 mit großem Theaterdonner in Insolvenz.

Investoren sind seit Jahren auf Tauchstation

Im Dezember 2013 erwarben kasachische Investoren Bühlerhöhe vom Insolvenzverwalter. Sie gründeten dafür die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH. Die neuen Schlossherren besitzen in Baden-Baden weitere Villen, unter anderem die Villa Stroh. Außerdem ließen sie mit großem Aufwand das völlig ruinöse Schloss Seelach wieder aufbauen. Allein in dieses Projekt, zu dem der Neubau eines 25 Meter-Schwimmbades gehört, sind nach Rechercheergebnissen von Eugen Theise mindestens 60 Millionen Euro geflossen.

Die Bergseite Bühlerhöhes orientiert sich an der Formensprache frühneuzeitlicher Festungen und mittelalterlicher Burgen. Sie steht damit im Gegensatz zur heiteren Schlossarchitektur der Talseite. Foto: Ulrich Coenen

In den ersten Jahren zeigten sich die neuen Investoren sehr offen und ermöglichten in der Bühlerhöhe den früheren Hotelmitarbeitern 2016 sogar ein Ehemaligentreffen sowie den BNN und der Stadt Bühl im Rahmen der trinationalen Architekturtage am Oberrhein Führungen im Schlosshotel.

Doch bald gingen sie auf Tauchstation. Trotz wiederholter Anfrage der Redaktion zu den aktuellen Plänen gab es keine Reaktion. Kaufinteressenten, die sich regelmäßig bei der Stadt Bühl oder in der Redaktion dieser Zeitung melden, werden abgewimmelt. Das landschaftsprägende Baudenkmal mit seiner glanzvollen Geschichte liegt im Dornröschenschlaf.

Recherchen dieser Zeitung haben 2014 ergeben, dass hinter den Bühler und Baden-Badener Immobilien die kasachische Familie Tskhaj steht. „Gesellschafter der Firmen hinter den Hotels und Schlössern war der kasachische Ölunternehmer Jakow Tskhaj“, berichtet nun auch Eugen Theise. „Bei einer Reihe von Geschäften, unter anderem in der Immobilienbranche, ist er, laut einer Datenbank des kasachischen Finanzministeriums, Juniorpartner von Nasarbajews Tochter Dinara und ihrem Ehemann Timur Kulibajew.“

Die Bühlerhöhe war Flaggschiff der Hotellerie an der Schwarzwaldhochstraße. Das Baudenkmal ist im Dornröschenschlaf versunken. Das Foto zeigt Wilhelmsturm und Viadukt. Foto: Ulrich Coenen

Nasarbajew hat nach seinem Rücktritt 2019 die Macht in der ehemaligen Sowjetrepublik verloren. Nach den jüngsten Unruhen in seinem Land hat ihn sein Nachfolger Qassym-Schomart Toqajew, ein früherer Vertrauter, am 5. Januar auch als Vorsitzender des Sicherheitsrates entlassen. Die Proteste gegen die Diktatur, die durch die Prunksucht der Oligarchen und die soziale Ungerechtigkeit ausgelöst wurden, hat die neue Regierung im Januar mit brutaler Gewalt beendet. Es gab mehr als 200 Tote und über 2.000 Verletzte.

Ist Jakow Tskhaj Strohmann für den Clan des gestürzten Präsidenten?

„Für diskrete Investitionen ist der 71-jährige Tskhaj wohl der perfekte Mann“, urteilt Theise. „Im Netz gibt es nicht einmal Bilder von ihm. Jahrelang flossen Millionen nach Baden-Baden über Tskhajs kasachische Holding Dostar-Invest und die Ölfirma Dostar Oil Service, bis das Stammkapital von Tskhajs Immobilienfirmen in Deutschland auf über 100 Millionen Euro anwuchs.“ Der kasachische Blogger Sandschar Bokajew sehe in Jakow Tskhaj lediglich einen Strohmann.

Die kasachischen Eigentümer unternehmen nichts, um das denkmalgeschützte Schlosshotel Bühlerhöhe zu sanieren. Der Verein Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße fordert, dass der Bund auf diplomatischem Wege reagiert. Foto: Ulrich Coenen

Theise verweist auf das Recherchenetzwerk OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project). Von Nursultan Nasarbajew kontrollierte Stiftungen sollen unter dem Deckmantel karitativer Zwecke ein Vermögen von weltweit rund acht Milliarden US-Dollar angehäuft haben.

Recherchen von Radio Liberty zufolge verfügt die Familie Nasarbajew über Luxusimmobilien in Europa und in den USA im Wert von zirka 800 Millionen US-Dollar. Dabei war Deutschland nicht Teil dieser Recherchen. Laut Theise sind allein in die vier Baden-Badener Villen des Clans mehr als 100 Millionen Euro geflossen.

Da darf Enteignung kein Tabu sein.
Guido Wolf (CDU), damaliger baden-württembergischer Justizminister

Im Februar 2021 hat der damalige baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) einen „Runden Tisch“ für die Schwarzwaldhochstraße gegründet. Die meist denkmalgeschützten Höhenhotels sind zum Teil in einem erbärmlichen Zustand. Im Hinblick auf die schwierigen Eigentumsverhältnisse sah Wolf in der Enteignung das „schärfste Schwert“. „Wir haben es hier zum Teil mit Eigentümern zu tun, die komplett im Ausland abgetaucht sind“, meinte Wolf. „Da darf Enteignung kein Tabu sein. Die Bürger wundern sich ansonsten, wie machtlos die öffentliche Hand solchen Entwicklungen gegenüber steht.“

Aussichtslos ist das nicht. 2018 hat die Landesregierung in Thüringen das vom Verfall bedrohte Schloss Reinhardsbrunn nach dem Denkmalschutzgesetz enteignet. Anlass war die Untätigkeit der russischen Eigentümer. Seit einem Jahr hat der „Runde Tisch“ allerdings keine weiteren Schritte unternommen.

Reto Schumacher, der früher Direktor des Schlosshotels Bühlerhöhe und später als Berater für die Kasachen tätig war, forderte im Januar 2021 im Interview mit dieser Zeitung eine diplomatische Lösung für das Schlosshotel. Man müsse über die kasachische Botschaft oder den kasachischen Generalkonsul Kontakt zu den Eigentümern aufnehmen und diese zum Verkauf bewegen forderte er.

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