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Jährliches Defizit von 1,6 Millionen Euro

Von Finanzen bis zum Nachwuchs: Schwarzwaldbad in Bühl steht vor Daueraufgaben

Ein gewaltiges Defizit, ein zu klein gewordenes Hallenbad, permanente Suche nach geeignetem Personal: Wie blickt die Geschäftsleitung der Bühler Sportstätten GmbH in die Zukunft?

Das Freibad ist 40 Jahre alt, das Hallenbad noch sieben Jahre älter. Für beide nimmt die Sportstätten GmbH jährlich viel Geld in die Hand - und es könnte noch mehr werden. Foto: Bernhard Margull

Die Party ist ins Becken gefallen. Auf eine Feier zum 40-jährigen Bestehen des Bühler Freibads verzichtet die Sportstätten GmbH. „Ideal wäre es gewesen, wenn wir das in das Schwimmmeeting des TV Bühl hätten einbinden können, aber das ist wegen Corona auch ausgefallen“, sagt Jörg Zimmer, einer der beiden Geschäftsführer der Bühler Sportstätten GmbH.

„Vielleicht feiern wir nächstes Jahr, denn es gilt: wenn, dann richtig.“ Und es ist ja auch nicht mehr lang hin bis zum nächsten runden Geburtstag: Das Hallenbad wird 2024 ein halbes Jahrhundert alt.

Die Herausforderung durch die Pandemie mag wieder weichen – finanziell, personell und strukturell steht das Schwarzwaldbad vor Daueraufgaben. Markus Benkeser, der zweite Geschäftsführer, gibt das jährliche Defizit für Hallen- und Freibad mit aktuell 1,6 Millionen Euro an, Abschreibungen und Zinsen nicht eingerechnet.

Um kostendeckend arbeiten zu können, müsste ein durchschnittlicher Bruttoerlös pro Badegast von 10,60 Euro erzielt werden (mit Abschreibungen und Zinsen sogar 13,20 Euro). Tatsächlich sind es 2,80 Euro. Der Einzeleintritt kostet für Erwachsene vier Euro und für Kinder ab vier Jahren drei Euro (1981 waren es vier beziehungsweise zwei Mark).

In einem „normalen“ Jahr fließen in Unterhaltung und Wartung inklusive der Roh- und Hilfsstoffe nahezu eine Million Euro in das gesamte Bad. Großinvestitionen wie zuletzt der Freibadkiosk sind da noch nicht eingerechnet.

Bäder in Bühl: Schwerpunkt liegt auf Sanierung

Der Schwerpunkt der Investitionen liegt auf Sanierungsarbeiten. Was darüber hinausgeht, würde eine höhere Kapitalausstattung erfordern, sagt Zimmer. Dabei hat er vor allem das Hallenbad im Blick: „Eine Erweiterung ist illusorisch, wäre aber notwendig.“ Es sei längst viel zu klein geworden.

Eine Erweiterung des Hallenbads ist illusorisch, wäre aber notwendig.
Jörg Zimmer, Geschäftsführer Bühler Sportstätten GmbH

Die Nutzung gerade im Winter konfliktfrei zu regeln, mache allergrößte Schwierigkeiten. Das Bad sei teilweise durch Schulen belegt, die es dann aber nicht nutzten, es gebe Anfragen von Schulen von Kehl bis Rastatt, das Kehler Einstein-Gymnasium habe die Abi-Sport-Prüfung in Bühl abgenommen.

Und es ist nicht nur das auch durch Badschließungen größer gewordene Einzugsgebiet, Zimmer weiß, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch eine überalterte Technik zum Handeln zwingen wird: „Wir haben unsere Arbeit gemacht und kein aktuelles Problem. Aber ewig hält das nicht.“

Nachwuchsproblem der Bäder in Bühl wird größer

Wie lange die Personaldecke hält, ist eine Frage, die Zimmer schon länger umtreibt, das Nachwuchsproblem werde jährlich größer: „Das ist auf Dauer nur durch eigene Aus- und Weiterbildung zu lösen.“ In den vergangenen Jahren seien in Bühl drei Rettungsschwimmer zu Fachangestellten und davon inzwischen zwei zu Meistern für Bäderbetriebe ausgebildet worden. Doch löse das am Ende nicht die Bühler Probleme: „Die kleinen Bäder bilden nicht aus, wir bilden aus und versorgen damit die Bäder um uns herum.“

Der Personalbedarf liegt laut Markus Benkeser derzeit bei 16 Stellen: „Wie viele Personen das am Ende sind, hängt vom Umfang der einzelnen Verträge ab.“ Kassen- und Reinigungskräfte würden in der Regel in Teilzeit beschäftigt. Derzeit seien durchschnittlich 22 Personen angestellt, die teilweise auch in den beiden Sporthallen eingesetzt werden.

Die größte Erschwernis sei die oft mangelnde Vereinbarkeit von Privatleben und Schichtplan, der zwar grundsätzlich rechtzeitig bekannt sei, aber aufgrund von Wetterlagen, Krankheitsausfällen oder kurzfristigen Abwesenheiten von Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Gründen sehr oft geändert werden müsse.

Fehlt die Wertschätzung für das Schwarzwaldbad in Bühl?

Probleme mit den Badegästen kämen ab und zu mal vor, seien im Schwarzwaldbad aber eher weniger geworden: „Der durchschnittliche Gast gehört einer Familie an und ist ein sehr angenehmer Kunde“, sagt Jörg Zimmer. Das Feedback sei überwiegend sehr positiv. Kritische Anmerkungen seien in der Regel eine Folge von Betriebsstörungen, wie etwa jüngst als nach einem Ausfall der Heizanlagen das Badewasser teilweise nicht erwärmt werden konnte.

Das Bad hat einen Wert, und der ist weit mehr als das, was die Menschen zu zahlen bereit sind.
Jörg Zimmer, Geschäftsführer Bühler Sportstätten GmbH

Was Zimmer indes ein wenig vermisst, das ist die Wertschätzung für das Bad, wobei die Betonung auf Wert liegt: „Das Bad hat einen Wert, und der ist weit mehr als das, was die Menschen zu zahlen bereit sind.“ Der Badbesuch könne einem doch nicht weniger wert sein „als ein Kaffee auf dem Johannesplatz“. Ein bisschen verhalte es sich damit wie mit dem Propheten im eigenen Land: „Wir haben viele Touristen im Bad, die sich wundern, dass man für vier Euro in ein solch schönes Freibad kommt, und das auch ohne Zeitbegrenzung.“

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