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Schwarzwaldhochstraße

Motorradlärm macht Anwohnern in Gaggenaus Höhenorten zu schaffen

Für die Anlieger der Schwarzwaldhochstraße ist Ruhe auf der Terrasse Luxus. Die Stadt Gaggenau sieht unterdessen auch in Autoposern ein Problem.

Zwischen Michelbach und Moosbrunn biegen viele Motorradfahrer in Richtung Freiolsheim ab. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Die Schwarzwaldhochstraße, die mitten durch den Ortskern von Freiolsheim führt, lässt keine Missverständnisse aufkommen. Hier leben Menschen, direkt an der Straße. Ein Kindergarten, eine Klinik und Verkehrszeichen, die das Tempo auf 30 Kilometer in der Stunden herunterregeln sollen. Trotzdem herrscht an warmen Tagen in den Höhenorten der Stadt Gaggenau mehr Gartenfrust als Gartenlust.

„Auf der Terrasse sitzen und das Wochenende genießen?“ Sibylle Bier nennt das einen puren Luxus. Von Malsch, Völkersbach, Michelbach kommen sie etwa herbeigerast, die Zweiradpiloten. „Ich will dabei gar keinen bösen Willen unterstellen. Ich vermute, dass den meisten gar nicht klar ist, wie sehr wir hier unter dem Lärm leiden.“

Vor 24 Jahren sind die Biers auf den Berg gezogen. „Da war es noch ruhig. Jedenfalls verhältnismäßig. Es hat mich nie gestört.“ Doch in den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat sich das grundlegend verändert. „Die Zahl der Motorräder hat explosionsartig zugenommen.“

Zwar gibt sie noch immer, die „Cruiser“, die entspannt durch die Landschaft tuckern. Doch die Fahrer, die sich dem Geschwindigkeitsrausch ergeben wollen, die das Vibrieren unter der Sitzbank antriggert, machen den Anwohnern an Sonnenscheintagen das Leben zur Hölle. „Jedes Wochenende oder nach Feierabend brauche ich kein Thermometer. Ich kann das Wetter regelrecht hören“, sagt sie und verweist auf die vielen Maschinen, die im kurzen Takt vorbeischießen oder deren Lärm durchs Tal herüberschallt.

Anohnerin hätte gern einen stationären Blitzer

Mehrfach sei sie in dieser Sache schon bei der Stadt vorstellig geworden. Doch passiert sei wenig. Mehrfach habe man innerorts geblitzt, berichtet sie von reicher Beute, die man bei den Terminen gemacht habe. Doch für einen stationären Blitzer, den sie gerne installiert wüsste, sieht man wohl keine Notwendigkeit.

„Ich bin übrigens kein Motorradgegner“, so Sibylle Bier, die sich gar nicht gegen Zweiräder generell aussprechen will. „Wir sind früher selbst gefahren.“ Es gehe vielmehr um die Fahrweise und ums Schärfen der Aufmerksamkeit dieser Problematik gegenüber. Denn die Fahrer, die hier am Wochenende durchheizen, sind eher selten aus der näheren Umgebung. Sie fallen – teilweise in Gruppen – ein und verursachen bei ihrem Vergnügen einen Heidenlärm, klagt sie.

Da müsse nun etwas passieren. Hinweise oder etwa auch das gelegentliche Aufstellen des sogenannten Smileys, der freundlich darauf hinweist, wenn das Tempolimit überschritten wird und obendrein aufzeichnet, wenn es zu Übertretungen kommt, wäre ein guter Start, findet sie und will mit ihrem Anliegen weiter dranbleiben. Denn Lärm macht krank und das rund 560 Einwohner starke Freiolsheim, so scheint es ihr, sei mit seiner Problematik schlichtweg abgehängt. „Dabei sitzen wir hier – verkehrstechnisch gesehen – wie die Spinne im Netz.“

Insbesondere in der Innenstadt sorgen ‚Poser‘ für Lärmbelästigung.
Michael Pfeiffer, Bürgermeister von Gaggenau

Dass dieses Problem in einigen Bereichen der Stadt besteht, weiß man im Rathaus sehr wohl und hat sich schon früh der kommunenübergreifenden Aktivitäten der „Initiative Motorradlärm“ angeschlossen. Sie ist darauf ausgerichtet, landes- und bundesweit auf Lösungen hinzuarbeiten. Das Bewusstsein soll etwa am 28. April der internationale Tag gegen Lärm schärfen, teilt die Stadt jetzt mit. Bei dieser Gelegenheit möchte die Initiative auf die Problematik aufmerksam machen.

Gaggenau versucht die Fahrer beispielsweise durch Lärmdisplays, wie sie in Michelbach angebracht wurden, zu sensibilisieren. Doch liege das Problem in vielen Kommunen nicht nur bei den Motorrädern, sondern zudem bei den Autos, erklärt Bürgermeister Michael Pfeiffer. „Insbesondere in der Innenstadt sorgen ‚Poser‘ für Lärmbelästigung. Es handelt sich um ein mehrschichtiges Problem, das dazu führt, dass Anwohner massiv in ihrem alltäglichen Leben gestört werden.“

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