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Deutsche Meister im Schautanz

Tanzgruppen im Murgtal proben im Lockdown vor dem Computer

Die Tanzgarden der Narrenzunft Schmalzloch sind mehrfache Deutsche Meister im Schautanz. Damit die Murgtälerinnen auch künftig Erfolge feiern können, bittet Trainerin Laura Doll ihre Schützlinge derzeit zum Training vor den Computer.

Laura Doll, Trainerin der Tanzgarde NZ Schmalzloch Hörden beim Training vor dem Computer. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Besondere Herausforderungen zwingen zu kreativen Maßnahmen. Tänze einzustudieren, obwohl der Teil-Lockdown Zusammenkünfte untersagt, hält die Schmalzlocher nicht auf. „Zoom“ heißt das Zauberwort, mit dem es seit Wochen gelingt, die Tänzer fit zu halten.

Sieben Trainier sitzen deshalb zu festen Zeiten am heimischen Bildschirm, beobachten, coachen und korrigieren dank dieser App etwa die Spatzen und die Küken, die im Augenblick gemeinsam trainieren. Von zuhause aus. Ebenfalls per Bildschirm, mit dem Tablett oder in der Not via Handy.

Ein echter Ersatz ist das zwar nicht, weiß Laura Doll, die trotz ihres jungen Alters 2021 ihrem 24-jährigen Jubiläum als Trainerin und der 33-jährigen Mitgliedschaft bei der Narrenzunft entgegensieht. „Fällt auch aus“, nimmt sie das mit einer beachtlichen Gelassenheit. Viel wichtiger sind jetzt die Kinder und die Bemühungen sie bei der Stange zu halten, damit Freude und Begeisterung nicht verblassen. Da die Turniere und Auftritte wegfallen, droht die Gefahr, dass die Motivation zu leiden beginnt. Schließlich sind die Schmalzlocher in der bundesweiten Szene eine große Nummer. Also wird gekämpft. Nicht zuletzt um den Spaß.

Online-Training langweilt auf Dauer

Auf digitalem Wege zu trainieren sei bei weitem nicht so lustig, erzählt Laura Doll von den sonst so quirligen Treffen in der Halle, in der mächtig durcheinander geschwatzt wird und jede Menge Bewegung an der Tagesordnung ist. Schritte einzuüben, das lässt sich auch im Wohn- oder im Kinderzimmer. Aber akrobatische Elemente? Die entfallen einstweilen.

Während sie die Situation schildert, ist der Nachwuchs bereits vor der Kamera aktiv. Die Mikros sind abgeschaltet. „Anders geht das leider nicht“, hat die zweifache Mutter ein waches Auge auf die tanzenden und hüpfenden Mädchen, während diese ihre Aufwärmübungen machen. Alles alte Hase, wenn man das angesichts des jungen Alters überhaupt so sagen darf. „Neuzugänge hatten wir in diesem Jahr keine.“ Das sei ungewöhnlich aber angesichts der Gesamtumstände verständlich.

Obendrein sei zu spüren, dass das Online-Training beginne zu langweilen. Trotz dem Bemühen der Coaches um Abwechslung. Aufgewärmt wird etwa unter direkter Beteiligung der Kinder, die bis auf eine Ausnahme weiblich sind. „Wer möchte als nächstes?“, kommt die Aufforderung aus dem Lautsprecher. Patricija will. „Ferse, Spitze, Füße kreuzen“ heißen ihre Wunschschritte, die sie einmal vortanzt, ehe alle andere mitmachen. Weiter geht es mit dem Nicht-Stampf-Schritt, es wird marschiert und Polka nach hinten getanzt.

Dann wird es ernst. Nicht ganz so ernst wie sonst, erklärt Laura Doll, als eine der Kolleginnen aus dem Team übernimmt. Wettbewerbsfähig sei man unter diesen Umständen auf gar keinen Fall. Ob es für einen Auftritt reichen wird, ist ebenfalls vage. Das Problem liege keineswegs an den Kindern. Vielmehr sei es die Technik die zu schaffen macht. Die Internetstärke ist unterschiedlich gut. Manche Bilder oder Töne kommen deshalb mit Verzögerungen an. Unter diesen Umständen chronologische Abläufe einzustudieren ist kaum zu machen.

Neue Mitglieder brauchen vor allem Begeisterung fürs Tanzen

Nach dem ersten Lockdown habe man sich noch mit Blick auf den Sommer trösten können. Alles würde bald wieder besser werden. Aber jetzt? Das tut schon weh. Denn zwischen sechs bis neun Monate Vorlauf brauche man vor den Auftritten. Sprich die Gruppen sehen sich unter Normalbedingungen sehr oft. Nicht immer nur um zu tanzen. Das alles leidet jetzt sehr.

Dem wollen die Coaches nun auch Rechnung tragen. Ein Online-Basteln wird etwa im Dezember angeboten, genau wie andere Ideen entwickelt werden. „Wir machen wirklich sehr viel gemeinsam.“ Trotzdem oder gerade deshalb. Genau dieses gute Miteinander sei wohl auch eines der Erfolgsrezepte, mit denen die Schmalzlocher bei Wettbewerben immer unter den Ersten landen, hofft sie, dass trotz Corona-Bedingungen wieder mehr Zulauf zu verzeichnen ist. Denn Tanzen macht Freude, muss sie lachen, spricht man sie auf die oftmals befürchteten hohen Anforderungen an, die an Neue gestellt werden. „Hier gibt es weder ein Casting noch muss man mindestens einen Spagat können“, winkt sie ab. Was zählt ist die Begeisterung fürs Tanzen, und zwar bei den Großen wie bei den Kleinen.

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