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Klassiker sind Schlüssel, Geldbeutel und Fahrräder

Von der Beinprothese bis zur Ente: In den Rathäusern in Gaggenau und Gernsbach landen kuriose Fundsachen

Schlüssel, Brillen, Geldbeutel, Fahrräder, Sporttaschen, Hörgeräte, Schmuck: Klassische Fundsachen wie diese werden regelmäßig bei den Rathäusern in Gaggenau und Gernsbach abgegeben. Aber das ist längst nicht alles. Immer wieder landen ausgesprochen unerwartete Objekte in den Bürgerbüros.

Nur eine kleine Auswahl: Die Bürgerbüro-Mitarbeiterin Annika Muller zeigt einen Teil der Fundstücke im Gaggenauer Rathaus. Sie werden in Kellern, Schränken und Tresoren aufbewahrt. In Fundbüchern sind alle Objekte gelistet. Foto: Christiane Widmann

„Die kurioseste und ungewöhnlichste Fundsache war eine Beinprothese”, berichtet die Gernsbacher Stadtsprecherin Nicoletta Arand. Abgegeben wurde die Prothese im Mai 2019 - aber nie abgeholt. Warum, bleibt wie so oft bei Fundstücken ein Rätsel. Auch die Frage, wie das Ersatz-Bein überhaupt verloren gehen konnte, ist offen. Es lag eines Tages auf dem Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters im Graben.

Was mit der Prothese geschieht, ist unklar

Was mit der Prothese geschieht, bleibt abzuwarten. Wenn Gegenstände ein halbes Jahr lang nicht abgeholt wurde, können die Finder sie in Besitz nehmen. Im Fall der Prothese war das Interesse nicht gerade groß. Nun ist die Stadt zuständig. Und die sagt: „Zur weiteren Verwendung gibt es noch keine abschließende Lösung.”

Kein Wunder: Es gibt keinen Standard-Weg für diesen Fund. Das ist bei den üblichen Objekten anders: „Sie werden anderweitig verwertet”, sagt Arand. Schlüssel zum Beispiel archiviert der Hausmeister im Rathaus, Handys landen im Elektromüll. „Wir hatten den Fall bislang noch nicht, dass der Finder das Handy haben wollte”, sagt ihre Kollegin Diana Schmidhuber.

Eine Beinprothese ist 2019 auf dem Parkplatz eines Gernsbacher Lebensmitteldiscounters verloren gegangen. Seither lagert sie zwischen Kisten voller Fundsachen im Rathaus. Foto: Nicoletta Arand / Stadt Gernsbach

In Gaggenau hingegen kommt das vor. Dann müssen die Finder laut Tanja Riedinger, der Leiterin des Bürgerbüros, 50 Euro bezahlen. Damit sollen die Kosten für einen externen Dienstleister gedeckt werden, der vor der Übergabe sämtliche Daten vom Handy löscht. Schlüssel lässt die Stadt vom Bauhof verschrotten.

Grundsätzlich wären auch Versteigerungen für Fundsachen möglich. Fundstücke wie ein Gebiss, das erst vor wenigen Tagen im Bürgerbüro abgegeben worden ist, dürften dort allerdings keinen reißenden Absatz finden. Ein Vogel könnte für den Verlust verantwortlich sein, sagt Riedinger: Das Gebiss lag in einem Garten, in dem sich wohl gerne Elstern tummeln.

Enten-Besuch brennt sich ins Gedächtnis ein

Vögel werden übrigens auch immer wieder abgegeben. Dasselbe gilt für andere Tiere, die verletzt oder entlaufen wirken. Die Stadt Gaggenau kooperiert in diesen Fällen mit der Tierklinik in Hörden. Auch die Wildvogelstation in Rastatt ist ein Ansprechpartner.

Im Gedächtnis geblieben ist der Fall einer Ente: Ein Mann hat sie vor einigen Jahren ins Gaggenauer Rathaus gebracht. Und das mit bemerkenswerter Leidensfähigkeit gegenüber Entenschnabel und Entendreck, berichtet die Stadtsprecherin Judith Feuerer. Mitarbeiter haben das Tier vorübergehend im Keller untergebracht. Die Ente wartete jedoch nicht brav in den Wäschekörben – sie wagte einen Fluchtversuch ins Waschbecken.

Ein menschliches Fundstück war eine verwirrte Seniorin, die von aufmerksamen Menschen ins Rathaus gelotst wurde. Die Polizei hat sie heimgebracht.

Viele Fundsachen werden nicht abgeholt

Erfreulich findet Feuerer, dass Bargeld oft abgegeben wird. Wenn niemand es abholt, händigt die Stadt es dem Finder aus. Auch Weihnachtsgeschenke landen immer wieder im Rathaus. So kommen Finder häufig ein halbes Jahr später in den Genuss eines Überraschungspakets.

Manche Gegenstände bleiben liegen, weil die Besitzer nachfragen, bevor sie abgegeben werden. Es kommt auch vor, dass Finder Gegenstände nicht in der Fund-Kommune, sondern ihrem Wohnort abgeben. Doch dort rufen die Besitzer ja nicht an.

Selbst Personalausweise werden nicht immer abgeholt. Und das, obwohl die Inhaber angeschrieben werden und zumindest in Gernsbach eine Online-Fundsuche zur Verfügung steht. „Oft wurde schon einer neuer Ausweis beantragt”, erklärt Arand.

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