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Angst vor zweiter Welle und neuem Lockdown

Wie sehr der Einzelhandel in Gaggenau unter Corona leidet

Der Einzelhandel in Gaggenau leidet an schwachen Umsätzen und unter geringen Kundenfrequenzen.

Die beiden Inhaberinnen der „Jeans Box“ Heike Hübner und Melitta Strack (von links) animieren die Kunden durch freiwilliges Tragen von selbst hergestellten Masken, die sie auch verkaufen, zur Nachahmung. Foto: Foto: Hans-Peter Hegmann

Von Hans-Peter Hegmann

Der Einzelhandel leidet nach wie vor massiv an schwachen Umsätzen und unter geringen Kundenfrequenzen, die weit unter Vorjahresniveau liegen. Wie die Inhaber von zwei Textilgeschäften in Gaggenau und Gernsbach im Gespräch mit der Redaktion übereinstimmend erklärten, gebe es aktuell drei Ursachen: Zunächst die Auflagen beim Einkaufen mit der Begrenzung der Anzahl der Kunden, die gleichzeitig im Geschäft sein dürfen. Dazu komme die Pflicht, beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen, die sich bei den aktuellen Temperaturen besonders negativ auswirke.

Claus Olinger, Inhaber der Firma „Favors!“ am Salmenplatz in Gernsbach, nannte die Maskenpflicht ein „absolutes k.o.-Kriterium“ für den Textileinzelhandel. „Nach meinem Eindruck scheuen die meisten Kunden im Moment längere Beratungsgespräche, die beim Einkauf von Textilien einfach dazu gehören“.

Das höre er öfters bei Kundinnen, die schon nach kurzer Zeit, das Geschäft „leicht genervt“ wieder verlassen. „Da fehlt dann einfach die Lust am Einkaufen“. Er habe zwar nach der ersten Lockerungswelle einen Anstieg der Kundenfrequenz festgestellt, der aber trotz Sonderangeboten und Rabatten nur kurzfristig war.

Er hoffe jetzt ganz stark, dass durch die Rückkehrer von Urlaubsreisen nicht die oft angesprochene zweite Welle in der Corona-Krise eintritt. „Falls es noch einmal zu einer Schließung mit sechs bis acht Wochen ohne einen einzigen Cent Umsatz kommt, überlebe ich das sicher nicht“, so sein letzter Satz im Gespräch.

Maskenpflicht wirkt sich negativ auf Kauflust aus

Melitta Strack, zusammen mit Heike Hübner Inhaberin der „Jeans Box“ in Gaggenau, kann bisher keine kontinuierliche Steigerung des Umsatzes feststellen. Sie akzeptiere die Maskenpflicht als sinnvolle Maßnahme, aber die Kauflust werde dadurch ganz sicher nicht gefördert.

„Zum Glück kommen aber inzwischen wieder zumindest regelmäßig Kunden in das Geschäft“. Hierbei spiele nach ihrer Meinung neben der persönlichen Beratung auch die gut etablierte eigene Änderungsschneiderei eine Rolle. Diese positiven Signale würden aber ganz sicher in diesem Jahr die Umsatzausfälle aus dem Frühjahr nicht mehr kompensieren können.

Danach zählt sie auf: „Die verkaufsoffenen Sonntage im Frühjahr, besonders der mit der Herbstmesse, fehlen uns. Die ausgefallenen Abifeiern haben wir ebenfalls deutlich gespürt. Und die sonst üblichen Einkaufe im Jeansbereich für den Sommerurlaub sind komplett ausgefallen“.

Händler müssen jetzt schon für nächsten Sommer bestellen

Diese Erfahrungen hätten aber nicht nur die Inhaberinnen der Jeans Box gemacht, sondern alle Kollegen aus dem Textileinzelhandel, so Melitta Strack, die auch Sprecherin der Werbegemeinschaft „Lebendiges Gaggenau“ ist. Dabei hätten besonders die Aktionen der „Bonuscard Murgtal“ gefehlt. In diesem Zusammenhang hoffe sie, dass es möglich sein wird, im Rahmen der Ersatzveranstaltung der Schausteller für die Herbstmesse an drei Wochenenden verlängerte Öffnungszeiten gestattet zu bekommen.

Wir sind gezwungen, jetzt eine Entscheidung für eine betriebswirtschaftlich völlig unkalkulierbare Entwicklung zu treffen.
Melitta Strack, Sprecherin der Werbegemeinschaft „Lebendiges Gaggenau“

Eine weitere Besonderheit im Textileinzelhandel, die in der Bevölkerung so gut wie nicht bekannt ist, spiele im Moment eine ganz große Rolle: „Wir müssen gerade im Moment die Bestellungen für den nächsten Sommer tätigen. Das heißt für uns, wir sind gezwungen, jetzt eine Entscheidung für eine betriebswirtschaftlich völlig unkalkulierbare Entwicklung zu treffen, die über unsere Zukunft bestimmen wird. Die bestellte Ware muss dann abgenommen werden oder die reduzierten Mengen werden mit Preisaufschlägen bis zu 50 Prozent versehen“.

Michael Meurers, einer der beiden Geschäftsführer des City-Kaufhauses Gaggenau, wollte sich wegen des aktuellen Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung nicht zu der Situation äußern. Er betonte jedoch, dass er weiterhin optimistisch in die Zukunft blicke.

Die Geschäftsführer der weit über Gaggenau hinaus bekannten Modefirma „Z Müller“ konnten keine Stellungnahme abgeben, da sie sich aktuell im Urlaub befinden.

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