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Fehlendes Personal und mangelnde Organisation

Acherner Schul- und Elternvertreter sehen bei den Lernbrücken noch viele Stolperfallen

Weil sich für die am Montag gestarteten Lernbrücken nicht genügend Lehrer gefunden haben, unterrichten in Achern und der Region auch „Berufsfremde”. Auch am Arbeitsmaterial mangelt es.

Wo geht es hier zur Lösung? In den Kernfächern Mathe und Deutsch soll während der letzten beiden Ferienwochen Basiswissen nachgeholt werden. Lehrer hatten zuvor Schüler für das freiwillige Angebot vorgeschlagen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

„Hefte raus” statt Ausschlafen und Nichtstun heißt es seit Montag für manche Schüler, während für andere die Sommerferien noch nicht zu Ende sind. Die jetzt gestarteten Lernbrücken sollen Wissenslücken aus der Zeit der Corona-Hochphase schließen - in der Region hat man aber offenbar nicht ausreichend Lehrer für das freiwillige Angebot gefunden.

Auch die Vorsitzende des Acherner Gesamtelternbeirats, Jutta Luem-Eigenmann, gehört zu den „berufsfremden” Helfern, die hier zwei Wochen lang vor allem Deutsch- und Mathe-Inhalte mit den Kindern und Jugendlichen nachholen. „Es war schwierig, genügend Lehrer zu finden, denn viele sind ausgepowert”, sagt sie: Oster- und Pfingstferien hätten für die meisten Lehrer sozusagen nicht stattgefunden. So seien zusätzlich Lehrbeauftragte, Pensionäre und andere schulnahe Menschen angefragt worden.

Vorsitzende des Gesamtelternbeirats hält Verlust nicht auffangbar

Ob die zwei Wochen das richtige Mittel sind, um Defizite aus wochenlangem Home-Schooling auszugleichen, darüber will die Vorsitzende keine Prognose abgeben. „Wenn man die Lernbrücke als eine Art Sommerschule sieht und wenn alle wirklich wollen, dann könnte das schon zum Ziel führen. Einen Verlust von zehn, zwölf Wochen wird man damit aber nicht auffangen können.”

In anderen Kommunen gebe es die Lernbrücke mitunter gar nicht, „entweder, weil man keine Lehrer gefunden hat, oder weil kein Interesse von Elternseite da war”, sagt sie. Im Vorfeld hatten die jeweiligen Lehrer die Schüler für das Programm vorgeschlagen, die Bedarf hätten, das letzte Wort hatten allerdings die Eltern. In jedem Fall sei es positiv zu werten, dass das Angebot überhaupt stattfinde, so Jutta Luem-Eigenmann.

Optimal ist anders

„Suboptimal” gelaufen sei dagegen die Bereitstellung von Arbeitsmappen: Diese seien vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg rechtzeitig versprochen worden, aber noch nicht überall angekommen, sodass das Lernmaterial zum Teil kurzfristig und aufwendig selbst zusammengestellt werden musste.

Das Angebot ist gut gedacht, aber schlecht organisiert.
Michael Mai Kreisvorsitzender Verband Bildung und Erziehung

Genau das kritisiert auch der Ortenauer Kreisvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Mai, der die Lernbrücken als „gut gedacht, aber schlecht organisiert” bezeichnet. Vor dem Schulstart am 14. September erhalten Schüler, die während Corona Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht hatten, täglich etwa vier Schulstunden Nachhilfe auf Staatskosten.

„In zwei Wochen komprimiert und womöglich mit fremden Lehrern alles nachholen, das kann nicht funktionieren”, sagt er. Viel besser wäre es aus Sicht der Lehrergewerkschaft VBE gewesen, wie Mai sagt, im neuen Schuljahr für jede Klasse eine Förderstunde pro Woche einzurichten.

Ähnlich sieht das auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in der Ortenau: Zudem könnten Kinder in fremdem Umfeld schlechter lernen, darüber hinaus trage es auch nicht zur Motivation bei, dass nur Mathematik und Deutsch unterrichtet wird und „schöne” Fächer nicht, sagt Jennifer Kaufmann vom Kreisverband. Parallel müssten sich die Lehrer auf alle möglichen Corona-Szenarien im neuen Schuljahr vorbereiten.

Das sagt die Schulleiterin der Realschule in Achern

Zunächst einmal seien die Lernbrücken eine Ist-Stand-Analyse, sagt kurz nach dem Start Karin Kesselburg, Geschäftsführende Schulleiterin in Achern und Leiterin der Robert-Schuman-Realschule. Dort nehmen aktuell 38 Schüler teil - weniger als sie erwartet habe, so Kesselburg.

Probleme, Lehrer zu finden, habe es zumindest an ihrer Realschule nicht gegeben: Hier seien zumeist Stammlehrer beteiligt, aber etwa auch ein Referendar, der noch am Morgen des Starts vereidigt wurde, oder eine Lehrerin in Elternzeit, die in den zwei Wochen gern mitarbeiten wollte.

In den kleinen Lerngruppen würden sich die Lehrer in Deutsch- und Mathestunden vortasten, wenn möglich werde es hier auch Englischunterricht geben, so Kesselburg. „Für die Lehrer ist es natürlich sensationell, wenn man zum Beispiel nur sechs Schüler vor sich hat anstelle einer ganzen Klasse; manche sonst eher unruhigen Schüler können so ruhiger werden.”

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