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I hätt do mol e frog

Wie die Fautenbacher Weststraße zu ihrem „Spitznamen” Schwanzgass’ kam

Wo kommt der doch etwas kuriose Name her - und warum weisen Schilder des Schwarzwaldvereins auf dieses scheinbar unbedeutende Sträßchen hin? Hier kommt die Antwort auf die Frage eines BNN-Lesers.

Prominenter Platz: Auf die Schwanzgass’ in Fautenbach wird auch auf Hinweisschildern des Schwarzwaldvereins hingewiesen - hier zum Beispiel am Hinterausgang des Acherner Bahnhofs. Foto: Stefanie Prinz

Im Ort kennt sie beinahe jeder, aber wie sie zu ihrem doch etwas kuriosen Namen kommt, da ist sich kaum einer sicher: Die Rede ist von der Schwanzgass‘ im Acherner Stadtteil Fautenbach, die eigentlich offiziell ein Teil der Weststraße ist. Leser Eckart Seidel wohnt selbst in der Straße und hat die Redaktion über ihr Portal „Leserfragen“ nach dem Ursprung gefragt – und danach, warum die unbedeutend scheinende „Gasse“ auch auf manchen Wegweisern zu finden ist.

Erste Anlaufstelle bei der Suche nach einer Antwort ist die Stadt samt Stadtarchiv – aber dort muss man passen. Vielleicht weiß der Ortsvorsteher mehr? „Früher hatten viele Straße Beinamen wie diese“, sagt Rainer Ganter. Er kennt eine Geschichte, nach der der obere Abschnitt der Weststraße, um den es hier geht und der vom Fautenbach weg beinahe im rechten Winkel abknickt, früher eben der „letzte Teil“ des Dorfs gewesen sei.

Der ehemalige Ortsvorsteher Medard Weber berichtet Ähnliches: „Das Dorf ist sehr lang gezogen, fast fünf Kilometer, und am Ende biegt die Hälfte der Weststraße ab.“ So bilde die Straße eine Art Anhängsel, sozusagen der optische „Schwanz“ des Ortes. Bei den Fautenbachern sei der Name schon lange bekannt, bei Jüngeren und Zugezogenen immer weniger, deshalb gehe die Bezeichnung langsam verloren, sagt Weber.

Auch der frühere Ortsvorsteher Gebhard Glaser vermutet denselben geografischen Hintergrund – er habe aber auch von einer Geschichte gehört, nach der der Name von früheren Einwohnern abgeleitet worden sein soll. Aber ob sie stimmt? Heute jedenfalls lebt weder in Fautenbach noch in Achern ein Mensch mit diesem Nachnamen – zumindest gibt es keinen Eintrag im aktuellen Telefonbuch.

Familienname scheint des Rätsels Lösung zu sein

Trotzdem scheint das des Rätsels Lösung zu sein: Erwin und Monika Manz haben 2014 ein Buch mit den Geschichten zahlreicher älterer Fautenbacher veröffentlicht. Der Titel: „Von der Ölmühl bis zur Schwanzgass‘“. „Viele Leute meinen, sie heißt so, weil sie am Ende des Dorfs liegt, aber das soll nicht der Hintergrund des Namens sein“, berichtet Erwin Manz.

Die Bezeichnung geht wohl auf eine gleichnamige Familie zurück, die im 18. Jahrhundert in der Straße gelebt haben soll; seitdem werde der Abschnitt so genannt. Das habe Erwin Manz in der Vergangenheit immer wieder von seiner schon vor Jahrzehnten verstorbenen Großmutter gehört, die sich im Ort sehr gut ausgekannt und sogar gesagt habe, sie stamme von dieser Familie ab - ob das tatsächlich der Fall ist und wenn ja, in wievielter Generation, das sei allerdings nicht bekannt, sagt Manz.

Weststraße ist der offizielle Name: Die Frage nach dem Ursprung des Beinamens hat Leser Eckart Seidel gestellt. Foto: Stefanie Prinz

In jedem Fall deckt sich die Geschichte mit möglichen Hinweisen, die sich bei einer Internet-Recherche ergeben: In verschiedenen Online-Datenbanken können Mitglieder die Ergebnisse ihrer Ahnenforschung einstellen. In der Datenbank des Vereins für Computergeneralogie beispielsweise finden sich Einträge für ein gutes Dutzend Menschen, die zu einer Familie Schwantz gehörten.

Sie wurden zwischen den 1730er und 1820er Jahren in Fautenbach geboren und/oder sind dort gestorben: Josephus, Hanß-Jörg und Andreas Paulus Schwantz sind unter anderem als Angehörige verschiedener Generationen aufgelistet. Ob diese Familie tatsächlich in dem Schwanzgass’ genannten Bereich gelebt hat, lässt sich hier allerdings nicht nachverfolgen.

Wie kam der Name auf Hinweistafeln?

Obwohl der inoffizielle Straßenname fast nur umgangssprachlich üblich ist, findet man ihn auch auf Hinweistafeln des Schwarzwaldvereins. Wie aber landete die Gasse auf diesen Schildern? Eine zentrale Anlaufstelle im Dorf ist der Weg nämlich eigentlich nicht

Er war es aber: In vergangenen Zeiten, als es in Fautenbach noch keine Bahnunterführung gab, sei die Schwanzgass’ eine wichtige Ortsdurchfahrt gewesen, erinnert sich Leser Eckart Seidel. Dieser Umstand könnte, aber auch das lässt sich nicht mehr so recht nachvollziehen, ein Grund für die Nennung auf den Schildern sein. Einen solchen Hinweis gibt es unter anderem am Hinterausgang des Acherner Bahnhofs: „Fautenbach Haltestelle: 6 Kilometer. Schwanzgass: 2,5 Kilometer” erfahren Wanderer und Radfahrer hier.

Solche Wegweiser stehen jeweils auf einem Wegpunkt im Netz des Schwarzwaldvereins; der Punkt wiederum hat einen Namen, der auf dem Schild über der bunten Raute angegeben ist, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Acherner Ortsvereins, Josef Schell. So gibt es eben auch in der „Schwanzgass’” einen gleichnamigen Punkt. Über den Tourenplaner des Vereins (www.wanderservice-schwarzwald.de) lassen sich die einzelnen Punkte zu einer Route verbinden.

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