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Kreistag fasst Grundsatzbeschluss

Innovative App soll der Ortenau zur Mobilitätswende verhelfen

Wie bringt man mehr Menschen dazu, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen? Gute Angebote sind nur die halbe Miete. Die Nutzer müssen sie auch finden. Eine Mobilitäts-App soll dabei helfen - und die kann noch viel mehr, als Bus- und Bahnverbindungen auszuspucken.

Zug ins Elsass: Ein wichtiger Aspekt bei der Mobilitäts-App für den Ortenaukreis ist der grenzüberschreitende Verkehr ins benachbarte Frankreich. Foto: Peter Heck

Der Ortenaukreis will die Mobilitätswende. Einstimmig hat der Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung den Grundsatzbeschluss zur Realisierung einer Mobilitäts-App gefasst und damit ein deutliches Zeichen gesetzt.

Deutlich deshalb auch, weil sich die Sprecher aller Fraktionen sehr positiv über dieses Vorhaben äußerten. Ergänzend wurde aufgenommen, dass die Nahverkehrs-Kommission den ganzen Prozess begleitet. Den finalen Impuls für diese wichtige Weichenstellung zur Stärkung des ÖPNV im flächenmäßig größten Landkreis in Baden-Württemberg gab zweifelsohne Frank Pagel.

Er ist Projektleiter und Koordinator von Regiomove, eines vergleichbaren Angebots, das der Karlsruher Verkehrs Verbund (KVV) gerade an den Start gebracht hat. Pagel verdeutlichte in einem informativen und knackigen Vortrag, welche Chancen die App für die Menschen in der Ortenau bietet. Und gemeinsam mit den Karlsruhern, profitierend von deren Erfahrungen, will sich der Kreis auf Weg machen.

Einfacher Umstieg auf die „Öffentlichen“

Der Ortenaukreis hat eine Lust und Last gleichermaßen: Der größere Teil ist ländlich strukturiert. Mit dem Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist es nicht immer so gut bestellt, und wer zum Beispiel vom hinteren Achertal ohne das eigene Auto nach Offenburg, Kehl oder Straßburg zur Kultur, zum Einkaufen oder zum Essen will, muss bislang ein Meister der Improvisation sein, dazu viel Kombinationsgabe besitzen. Hin mit dem Bus, Fahrrad oder Gemeinschafts-Auto zum Einstiegsbahnhof, dann mit dem Stadtbus zum Ziel und irgendwann in einer ganz anderen Variation zurück.

Die Mobilitäts-App will genau da ansetzen, es dem Nutzer ganz einfach zu machen, auf die „ÖV“ (öffentliche Verkehrsmittel) umzusteigen, weil sie alle verfügbaren Angebote bündelt und abrufbar macht. Und wenn es einfach ist, dann wird es attraktiv – sagen die Experten –, sofern die ÖV entsprechend vorhanden sind.

Wie bereits am Montag berichtet, ist der Ortenaukreis bereit, für diese „Strategie zur Stärkung des ÖPNV“ einen ordentlichen Batzen Geld in die Hand zu nehmen: 950.000 Euro für die Entwicklung und Einführung der App sollen im Doppelhaushalt 2021/22 bereitgestellt werden sowie 120.000 Euro jährlich für den laufenden Betrieb.

Und da hofft die Ortenau auf Fördermittel vom Land. Die Chancen stehen gut, es handle sich um ein neues, innovatives Projekt zur Förderung des ÖPNV, erläuterte Frank Pagel. „Und wenn wir als Ortenau und KVV einmarschieren, stehen die Chancen gut, dass sich Türen öffnen.“

Die Fragen der Ausschussmitglieder an den Referenten bildeten ab, wie wichtig dem Kreis diese App erscheint, die es in dieser Qualität in der Ortenau bislang noch nicht gibt. Edith Schreiner (CDU) wollte mit Blick auf die Anbindung zum Elsass wissen, ob da bereits Gespräche geführt wurden. Hier verwies Pagel auf die Kompetenz der Tarifgemeinschaft Ortenau (TGO), die bis Straßburg fahre.

Nationalpark-Region im Fokus

CDU-Sprecher Stefan Hattenbach würdigte die App als Premiere in der Mobilitäts-Daten-Architektur. Da die Ortenau anders strukturiert sei als das Gebiet des KVV, bat er darum, dies in der Planung zu berücksichtigen. Es sei „ein guter und wichtiger Schritt für den Ortenaukreis“.

Valentin Doll (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, die App in Sachen Angebotsvielfalt möglichst komplett zu gestalten. „Es ist eine tolle Chance für den Tourismus“, so Doll, der den Blick auf die Nationalpark-Region lenkte. Man könnte noch Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge aufnehmen. Grünen-Sprecherin Dorothee Granderath sah die App „als wesentlichen Baustein für die Verkehrswende in der Ortenau.“

Dass alles in der Hand des Ortenaukreises bleibe, sei gut. Karl-Heinz Debacher signalisierte die Zustimmung der SPD und forderte, parallel dazu das Angebot des ÖPNV auszubauen. Sven Rothmann (AfD) sah es als „guten Weg“ an, Carsten Erhardt (FDP) sprach von einem „Meilenstein“, und Lukas Oßwald (Linke Liste Ortenau) legte Wert darauf, das Angebot mit der gesamten Rheinschiene zu verknüpfen und auf die Barrierefreiheit zu achten.

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