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Beamte schwer bewaffnet

Bedrohungslage: Dutzende Polizisten suchen in Oppenau nach bewaffnetem Mann in Tarnkleidung

Aktuell läuft nach einer Bedrohungslage ein Großeinsatz der Polizei und des SEKs in Oppenau. Anwohner sind aufgefordert Zuhause zu bleiben und keine Anhalter mitzunehmen. Nach Angaben der Polizei suchen die Beamten – auch per Fahndung – nach einem bewaffneten Mann in Tarnkleidung. Inzwischen unterstützt auch die Bergwacht.

In Oppenau läuft seit Sonntag ein Großeinsatz. Foto: Benedikt Spether

Am Montagmorgen hat die Polizei die Suche nach dem Mann fortgesetzt. Eine Sprecherin des Präsidiums Offenburg erklärte auf Anfrage, dass neben einem Großaufgebot an Beamten auch wieder ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingesetzt wird. Noch im Laufe des Morgens soll es weitere Informationen geben.

Los ging der Einsatz mit einem Anruf bei der Polizei: Ein Mann habe sich in der Gartenhaussiedlung in Oppenau verschanzt – er sei mit Pfeil und Bogen bewaffnet. „Aus der Nähe kann auch das eine gefährliche Waffe sein“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Kramer.

Als die Polizei den Mann stellte, soll er auch ein Messer sowie eine Pistole bei sich gehabt haben. Der mit Tarnmustern bekleidete Mann konnte die Beamten entwaffnen und in den Wald fliehen.

Noch ist unklar, wie ihm das gelang. Seitdem wird das Gebiet durchkämmt: Die gesamte Gemarkung Oppenau ist ungefähr 7.300 Hektar groß, gesucht wird im Gebiet Burgerwald oberhalb des Sportplatzes, auch per Hubschrauber mit Wärmebildkamera. Das sei nachts zwar leichter, funktioniere aber auch an einem sommerlich-heißen Tag wie diesem, sagt Kramer. Außerdem durchsucht das Sondereinsatzkommando SEK Häuser in der Hauptstraße in Oppenau.

Wer ist der Mann?

Bei dem Mann soll es sich um einen 31-jährigen deutschen Staatsbürger handeln, der mit Teilglatze und Kinnbart beschrieben wird , nach ersten Erkenntnissen ohne festen Wohnsitz ist und der Polizei in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgefallen sein soll, unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz.

Keine Informationen gibt es darüber, ob der Gesuchte mit einem Fahrzeug, einem Fahrrad, Roller oder zu Fuß unterwegs ist. „Wir wissen aktuell nichts Genaues über den Aufenthaltsort des Mannes“, sagt Kramer, als sich gerade wieder mehrere Fahrzeuge des Einsatzkommandos auf den Weg machen. Auch am späteren Nachmittag dauert die Fahndung mit Hilfe von Spezialkräften an.

Es könne bislang nicht genau beurteilt werden, ob sich der Bewaffnete möglicherweise in einer psychischen Ausnahmesituation befindet, und welche Gefahr von ihm ausgeht.

Yves Rausch wird in und um Oppenau von hunderten Polizisten gesucht. Foto: Polizei

Menschen in Oppenau sollen wegen Bedrohungslage zu Hause bleiben

Die Polizei rät allen Personen, die sich derzeit in der Region Oppenau aufhalten, sich nach Hause zu begeben. Auch die Warn-App NINA meldet Alarm. Entlang der B28 sollten Autofahrer zudem keine Anhalter mitnehmen. Auf der Bundesstraße zieht sich der Verkehr zäh: Unter anderem sind hier ein paar Motorradfahrer auf dem Weg zu einer Tour durch den Schwarzwald. Ihr eigentliches Ziel: blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und perfekte Schwarzwaldidylle. Doch auf der Bundesstraße geht es nur langsam voran, die Autofahrer müssen immer wieder an den Straßenrand ausweichen, um die Fahrzeuge der Polizei vorbeizulassen.

Auf Höhe Lautenbach müssen alle umdrehen: Weiter in Richtung Oppenau fahren darf hier keiner, die Stadt ist ringsum abgesperrt. In der Stadt selbst stehen verteilt bewaffnete Polizisten auf ihren Posten und beobachten, wo sich im Ort etwas bewegt.

Einsatzkräfte sammeln sich auf dem Sportplatz

Auf dem Sportplatz des TuS Oppenau sammeln sich schließlich zentral die Einsatzkräfte – auch die drei Helikopter stehen auf dem Rasen des Vereins. Beamte der Polizeipräsidien Offenburg, Freiburg und Mannheim sind hier vor Ort, das Sondereinsatzkommando aus Göppingen, dazu eine Hundeführerstaffel und Kriminalpolizei; laut BNN-Informationen werden im Lauf des Nachmittags immer mehr Einsatzkräfte, auch von Baden-Baden und Freiburg, nach Oppenau geordert. Wie viele insgesamt, kann zu diesem Zeitpunkt keiner so genau sagen.

„Das ist eine sehr aufregende und beängstigende Situation“, sagt Oppenaus Bürgermeister Uwe Gaiser. Seit dem Mittag ist er im improvisierten „Lagezentrum“ am Sportplatz, unter anderem Polizeipräsident Reinhard Renter hatte ihn über die Lage informiert.

„Unsere örtliche Feuerwehr und der Rettungsdienst sind vor Ort, außerdem haben die Beamten des Oppenauer Polizeipostens und unser Förster eine sehr gute Ortskenntnis des Gebiets“, sagt der Bürgermeister. „Wir hoffen vor allem, dass bald alles gut ausgeht und niemand zu Schaden kommt“.

Im Ort selbst habe er noch ein paar Touristen angesprochen, die nichts von der Bedrohung mitbekommen hatten: „Wir sind ein beliebtes Wandergebiet und haben ein ausgedehntes Mountainbike-Netz – ein paar Leute waren noch unterwegs“, sagt Gaiser. Inzwischen ist die Stadt rundherum abgesperrt.

Auch in den sozialen Netzwerken schlägt die Situation längst hohe Wellen. Anwohner blicken auf eine Kolonne von Polizeifahrzeugen. Eine Mutter schreibt: „Da gehen wir heute wohl lieber doch nicht auf den Spielplatz.“

Die polizeilichen Maßnahmen im Bereich Oppenau dauern weiterhin an. In diesem Zusammenhang dürfte es im Verlauf des Montagmorgens zu Einschränkungen im Straßenverkehr kommen, so die Polizei in einer Pressemeldung am späten Sonntagabend.

Hinweise zu der verdächtigen Person werden unter der Notrufnummer 110 entgegengenommen.

mit Mitarbeit von Benedikt Spether

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