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Reinhilde Weisenburger ist stellvertretende Bürgermeisterin

Warum in Steinmauern eine „Eule“ die Gemeindeverwaltung leitet

Seit Oktober leitet Reinhilde Weisenburger übergangsweise die Gemeindeverwaltung in Steinmauern. Sie ist Erste Bürgermeister-Stellvertreterin. Die Arbeit macht die 66-Jährige ehrenamtlich. Sie erzählt, wie ein Vollzeit-Job in eine Halbtagsstelle passt.

Fremder Sessel. Reinhilde Weisenburger will die Arbeit im Sinne ihres Vorgängers Siegfried Schaaf fortführen. Die 66-Jährige sitzt noch bis Ende Dezember im Bürgermeisterzimmer. Foto: Hans-Jürgen Collet

Mit dem großen Chefsessel hat sie sehr gefremdelt. Reinhilde Weisenburger lacht herzlich, als sie das erzählt. „Das ist mittlerweile anders“, sagt Steinmauerns Erste Bürgermeister-Stellvertreterin, während sie sich auf den grauen Sessel mit der hohen Lehne setzt.

Die 66-Jährige leitet seit Oktober übergangsweise die Gemeindeverwaltung in Steinmauern. Bürgermeister Siegfried Schaaf musste im September sein Amt vorzeitig aufgeben. Gesundheitliche Gründe zwangen den 66-Jährigen dazu. Schaaf stand seit 1992 an der Spitze der Gemeinde.

Designierter Bürgermeister tritt im Januar sein Amt an

Ende Oktober wurde von den Bürgern dann ein neuer Schultes gewählt. Der designierte Bürgermeister Toni Hoffarth wird sein Amt am ersten Januar antreten. Noch bis dahin wird Weisenburger auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen und auf ihre angenehme Art die Geschicke des Dorfes leiten.

Steinmauern liegt Weisenburger sehr am Herzen. „Ich hatte und habe großen Respekt, ja Ehrfurcht, vor dem Amt des Bürgermeisters.“ Die Pensionärin weiß, dass man in Dinge hineinwachsen kann. Seit 1989 sitzt die Steinmaurerin für die CDU im Gemeinderat. Sie ist eine gestandene Kommunalpolitikerin, ist aktuell CDU-Fraktionsvorsitzende in Steinmauern. „Als ich zur Vorsitzenden gewählt wurde, dachte ich, ich habe die Ziellinie erreicht“, erzählt Weisenburger. Aber als sie dann zur Ersten Bürgermeister-Stellvertreterin gewählt wurde – das sei die Krönung gewesen.

Ich bin ja Pensionärin, ich habe Zeit.
Reinhilde Weisenburger, Erste Bürgermeister-Stellvertreterin

Der Posten ist laut Weisenburger schon zeitintensiv. Doch sie winkt ab und sagt: „Ich bin ja Pensionärin, ich habe Zeit.“ Manchmal frage sie sich aber, wie sie es früher geschafft habe, ihren Job in den Alltag zu integrieren. Weisenburger war Lehrerin, unterrichtete unter anderem 20 Jahre lang an der Gustav-Heinemann-Schule in Rastatt. Mit Steinmauern ist sie tief verwurzelt. „Ich bin sogar noch im Dorf geboren“, erzählt sie.

Am liebsten arbeitet Weisenburger bis spät in die Nacht

Ihr Tag im Rathaus hat drei bis vier Stunden. „Daraus werden aber auch leicht mal sieben Stunden“, schildert Weisenburger ihren Alltag. Das Amt als Stellvertretende Bürgermeisterin auf dem Chefsessel der Gemeinde ist für sie „eine gute Halbtagsstelle“. Arbeitsbeginn sei meistens um 9.30 Uhr. „Ich bin eine Eule“, gesteht sie und lacht. Am liebsten arbeitet Weisenburger bis spät in die Nacht. Am Morgen braucht sie aber ein bis zwei Stunden, bis sie „ins Leben zurückgefunden hat“.

Den Posten bekleidet die 66-Jährige ehrenamtlich

Den Posten der Bürgermeister-Stellvertreterin macht sie ehrenamtlich. Weisenburger erhält nur eine Aufwandsentschädigung. „Es ist mir eine Freude, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagt Weisenburger. Es sei eine Ehre, für Steinmauern zu arbeiten und die Geschäfte im Sinn von Alt-Bürgermeister Schaaf fortzuführen. Mit ihm steht sie immer noch in Kontakt. Wenn Weisenburger einen Rat braucht, fragt sie ihn einfach.

Das hat sie erst vor Kurzem getan und sich mehrere Handlungsoptionen geben lassen. Ein Obdachloser lebt in Steinmauern in einer Bushaltestelle. „Bei den eisigen Temperaturen draußen können wir den Mann doch nicht im Freien schlafen lassen“, sagt Weisenburger. Sie klingt besorgt. Der Mann müsse sich aber auch helfen lassen wollen. Und offensichtlich wolle er das aktuell nicht.

Zu ihren sonstigen Aufgaben gehören unter anderem Post sichten, Gemeinderats- und Ausschusssitzungen vorbereiten und Dokumente unterschreiben. Den Gemeindeanzeiger lesen, damit er für den Druck freigegeben werden könne. Sie besucht auch Jubilare und Geburtstagskinder, gratuliert ihnen persönlich. „Natürlich soweit das aktuell während der Corona-Pandemie möglich ist“, ergänzt sie.

Verändern und gestalten, dass ist die Aufgabe des neuen Bürgermeisters.
Reinhilde Weisenburger, Erste Bürgermeister-Stellvertreterin

Weisenburger betont ausdrücklich, dass sie der Gemeinde nicht ihren Stempel aufdrücken möchte. „Verändern und gestalten, das ist die Aufgabe des neuen Bürgermeisters“, meint sie. Mit Hoffarth, der Hauptamtsleiterin und dem Kämmerer trifft sich Weisenburger regelmäßig. Der neue Mann, der künftig im Steinmauerner Chefsessel sitzen wird, verschafft sich in diesen Treffen einen ersten Überblick und lässt sich so manchen Tipp geben.

Aufgabenspektrum ist breit gefächert

Für Weisenburger ist es eine wundervolle Arbeit. Das Aufgabenspektrum sei sehr breit gefächert. „Wenn man was zusammen in der Gemeinde bewegt hat, dann ist das ein tolles Gefühl“, erzählt sie. Vor der Bürgermeisterwahl hätten einige zu ihr gemeint, dass das doch was für sie wäre – Bürgermeister in Steinmauern. Weisenburger schüttelt bestimmt den Kopf. „Nein, das muss jemand Junges machen“, findet sie. Zudem sei sie Seiteneinsteigerin. „In meinem Alter würde ich diesen Job auf Dauer nicht mehr machen wollen.“

Sie erzählt, dass ihr Mann aktuell auf ganz schön viel verzichten muss. Weisenburger grinst. Auch er ist als Diakon ziemlich eingespannt. Aber für ihn gehe das schon in Ordnung. „Das Amt des Bürgermeisters kann man nur machen, wenn der Partner dahinter steht“, findet sie.

Weisenburger ist trotz der tollen Erfahrungen als Erste Stellvertretende Bürgermeisterin im Chefsessel froh, dass sie im Januar nicht mehr dort Platz nehmen muss. Der Sessel sei aber ziemlich bequem. Wieder lacht sie herzlich: „Ich habe sogar die richtige Größeneinstellung für mich gefunden.“

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