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Durchwachsene Bilanz

Mal mit, mal ohne: Nicht alle Händler und Kunden haben in Rastatt Verständnis für Maskenpflicht

Es war der erste Einkaufsamstag in Rastatt mit Maskenpflicht in der Fußgängerzone. Die Bilanz fällt durchwachsen aus. Während in der Poststraße viele Menschen ohne Maske unterwegs waren, bewiesen die Besucher des Wochenmarkts große Disziplin.

Kein Fan der Maskenpflicht: Dagmar Frittel (rechts) bedient eine Kundin an ihrem Blumenstand auf dem Wochenmarkt. Foto: Holger Siebnich

Der Wochenmarkt in Rastatt hat am Samstag noch gar nicht begonnen, da sprechen die Security-Kräfte schon die ersten Ermahnungen aus. Nicht an Kunden, sondern an Händler. Die sind vor 8 Uhr eingetroffen, um ihre Stände aufzubauen. Und obwohl außer ihnen noch niemand auf dem Marktplatz ist, gilt auch für sie Maskenpflicht.

Am Freitag hatte die Stadtverwaltung noch einmal per Mitteilung klargestellt: In den Fußgängerbereichen der Innenstadt muss jeder einen Mund-Nasen-Schutz tragen, auch wenn die Mindestabstände eingehalten werden. Die Maskendisziplin am ersten Einkaufsamstag nach der Regelverschärfung lässt allerdings teilweise zu wünschen übrig.

Klare Ansage: Ein Schild weist auf dem Marktplatz auf die Maskenpflicht hin. Die Besucher halten sich überwiegend daran - mit wenigen Ausnahmen. Foto: Holger Siebnich

Auf dem Wochenmarkt weist ein Schild mitten auf dem Platz auf die Maskenpflicht hin. Ein privater Sicherheitsdienst läuft Patrouille. Die Ermahnung an einige Händler beim Aufbau sorgt auch noch am Mittag für etwas Verdruss.

„Ich war grad erst aus dem Auto draußen, da wurde ich schon angesprochen“, sagt ein Betroffener, der anonym bleiben will. Zu dem Zeitpunkt sei der Platz leer gewesen: „Das versteht keiner!“, schimpft der Mann.

Nicht alle Händler und Kunden haben Verständnis

Auch Dagmar Frittel, die nebenan Blumengestecke verkauft, kassierte am Morgen beim Aufbau einen Rüffel. Nach dem Start des Markts trägt sie zwar eine Maske, doch sie macht keinen Hehl daraus, was sie davon hält: „Ich finde das total unsinnig. Und gesund ist das auch nicht.“

An der frischen Luft sei die Ansteckungsgefahr gering. Die Abstände einzuhalten, sei viel wichtiger. Eine Kundin, die bei ihr Blumen kauft, scheint mit ihrer OP-Maske weniger Probleme zu haben: „Ich hab mich dran gewöhnt. Man muss halt seinen Teil beitragen“, sagt sie.

Ich finde das total unsinnig.
Dagmar Frittel, Marktbeschickerin

Anderer Meinung ist ein Paar, das am Alexiusbrunnen steht. Die Frau und der Mann tragen keine Masken, sondern haben Schals über Mund und Nase gezogen. Ihre Brillen stecken im Haar, damit sie nicht beschlagen. Die Frau kann ihren Groll auf die Maskenpflicht nicht verbergen und winkt ab: „Ich sag dazu gar nichts.“ Ihr Mann bezeichnet die Regel als „unvernünftig und ärgerlich“.

Doch unabhängig, ob die Besucher Verständnis für die Maßnahme haben, daran halten tun sich fast alle. Swen Ahlgrimm vom Karlsruher Sicherheitsdienst PK, der zusammen mit seinem Kollegen Nico Reiß auf Kontrolltour ist, berichtet zur Mittagszeit von nur sehr wenigen Verstößen. „Und wenn man die Leute darauf aufmerksam macht, reagieren sie sehr verständnisvoll“, sagt Reiß.

Kundenfrequenz nicht geringer als an anderen Tagen

Auch Jochen Krüchten sagt: „Es wird schon akzeptiert.“ Er ist auf dem Markt als „Mann mit der Fliege“ bekannt. Seine Kollegin muss im Verkauf der Pfälzer Backwaren heute ohne Brille auskommen, und auch der eine oder andere Kunde lege das Geld wegen beschlagener Sehhilfe quasi im Blindflug auf den Tresen. „Und es wird natürlich viel über die Maskenpflicht gesprochen“, sagt Krüchten. Aber die Kundenfrequenz sei nicht geringer als sonst.

Noch nicht viel los an diesem Samstag war dagegen bei Sabine Karle-Weiler im Modehaus Senger, das sich direkt am Markplatz befindet. Die Sprecherin des Rastatter Einzelhandels will das aber nicht auf die Maskenpflicht zurückführen: „Vielleicht liegt es auch einfach am schönen Wetter.“

Sie hat in Rastatter Facebook-Gruppen Kommentare von Nutzern gelesen, die verkündet hatten, wegen der verschärften Regeln nicht mehr in die Innenstadt gehen zu wollen. Karle-Weiler appelliert an die Solidarität: „Da müssen wir alle zusammen durch.“ Sie und ihre Mitarbeiter müssten die Masken im Geschäft täglich acht Stunden lang tragen.

Die Leute reagieren sehr verständnisvoll.
Swen Ahlgrimm, Sicherheitsdienst PK

Das gilt auch für Werner Hirsch und seine Kollegen im Juweliergeschäft in der Poststraße. „Wir tragen ja eh schon die ganze Zeit Maske“, sagt er. Neu ist allerdings, dass die Kunden nun auch vor seiner Ladentür in der Fußgängerzone Mund und Nase bedeckt halten müssen.

Kein Hinweis: In der Poststraße gilt zwar auch Maskenpflicht, Schilder oder Markierungen fehlen allerdings. Foto: Holger Siebnich

Im Vergleich zum Wochenmarkt halten sich in der Poststraße allerdings viele Menschen nicht daran. Nur etwa jeder Zweite ist am dort am Samstagvormittag mit korrekt sitzender Maske unterwegs. Viele tragen sie um den Hals oder das Handgelenk, bei einigen Fußgängern ist sie gar nicht zu sehen.

Mit den Maskenverweigerern ins Gespräch zu kommen, ist schwierig. „Bitte gehen Sie, ich habe Kopfweh“, sagt eine Frau, die ohne Maske auf einer Bank in der Sonne sitzt. Andere drehen ihren Kopf weg und huschen gleich weiter. So bleibt unklar, ob sie die Pflicht bewusst ignorieren oder ob sie einfach nicht Bescheid wissen. Denn Hinweisschilder fehlen in der Poststraße. Bußgelder muss niemand befürchten. Kontrollen finden keine statt.

Da müssen wir alle zusammen durch.
Sabine Karle-Weiler, Einzelhändlerin

Silvia und Jürgen Wetzel haben von der Maskenpflicht in der Zeitung gelesen. Sie tragen den Mundschutz auf ihrem Gang durch die Poststraße. „Wir haben die Masken immer dabei“, sagt Jürgen Wetzel. Als Senioren zählen er und seine Frau sich zur Risikogruppe. Sie halten die Maßnahme für wichtig und richtig. Um Menschen, die keine Maske tragen, machen sie lieber einen Bogen.

Dazu gehören an diesem Vormittag auch einige Radfahrer, die in der Poststraße unterwegs sind. Keiner von ihnen trägt eine Maske. Das müssen sie auch nicht. Die Verordnung des Landes nimmt Radfahrer explizit von der Pflicht aus. Dafür begehen sie einen anderen Verstoß: In der Poststraße ist Radfahren verboten.

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