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Bewerbung erfolgreich

Rastatt richtet Landesgartenschau aus - aber später, als erhofft

Die Stadt Rastatt richtet die Landesgartenschau im Jahr 2036 aus. Das hat das Staatsministerium am Dienstag bekanntgegeben. Die Freude im Rathaus ist groß. Dabei wäre die Barockstadt gerne früher zum Zug gekommen.

Wichtiger Baustein: Die Schlossachse soll bei der Landesgartenschau eine entscheidende Rolle spielen. Im Südwesten schließt sich das Ausstellungsgelände an die Innenstadt an. Foto: Joachim Gerstner

„Die Freude ist riesengroß“, sagt die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg. Am Dienstag um 10.15 Uhr meldete sich das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Rathaus. Rastatt hat den Zuschlag für die Landesgartenschau bekommen. Allerdings nicht zum Wunschtermin 2032, sondern erst vier Jahre später. Der Slogan lautet: „Rastatt natürlich.“

Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem der Gemeinderat die Bewerbung für das Großprojekt abgesegnet hat, kam nun die frohe Kunde aus Stuttgart.

Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch zeigt sich überzeugt: „Für Rastatts Zukunftsgestaltung ist dieses Projekt von enormer Bedeutung, wie ich immer wieder betont habe. Dass es jetzt wahr wird, dass wir loslegen können, ist einfach wunderbar und ein großer Lichtblick zum Ende dieses schwierigen Jahres.“ Ganz Rastatt und die Region würden von dem Projekt profitieren.

Laut Dießelberg ist es kein großer Wermutstropfen, dass es erst 2036 klappt. Wichtig sei, dass es sich um ein gerades Jahr handle, in dem auch das Straßentheaterfestival tête-à-tête stattfindet, das mit der Gartenschau verknüpft werden soll.

Landesgartenschaugelände soll 49 Hektar umfassen

Kernstück der Bewerbung ist eine 49 Hektar große Freifläche südwestlich der Innenstadt, die begrenzt wird von der Oberwaldstraße, dem Stadtpark an der Kehler Straße und einem Feld auf Höhe der Zufahrt zum Mercedes-Kundencenter.

Dort soll das eigentliche Landesgartenschaugelände entstehen. Eine wichtige Rolle spielt in dem Konzept auch die Schlossachse mit der Ottersdorfer Straße. Das Murgufer wird ebenfalls aufgewertet, zum Beispiel mit Stränden. Auf dem Merzeau-Gelände soll außerdem ein Wohngebiet entstehen, mit ökologischer Bauweise und innovativen Wohnformen.

Falsches Datum: Mit den roten Liegen wirbt die Stadt Rastatt seit Monaten für die Landesgartenschau. Geklappt hat es jetzt nicht für 2032 oder 34, sondern für 2036. Foto: Bernd Kamleitner

Den Gemeinderat hatte das Konzept überzeugt. Am 16. Dezember 2019 gaben die Stadträte mit großer Mehrheit grünes Licht für die Bewerbung. CDU-Sprecherin Brigitta Lenhard sprach von einer „Vision und Chance“.

Joachim Fischer (SPD) hob die langfristigen positiven Folgen hervor: „Wir brennen kein Strohfeuer ab.“ Auch die weiteren Fraktionen verwiesen auf die nachhaltigen Entwicklungspotenziale. Lediglich die AfD stimmte aus finanziellen Gründen dagegen.

Die Landesgartenschau ist ein identitätsstiftendes Gemeinschaftsprojekt.
Hans Jürgen Pütsch, Oberbürgermeister

Wie viel das Prestigeprojekt die Stadt am Ende kosten wird, ist offen. Eine erste Schätzung geht davon aus, dass die reine Gartenschau mit rund 30 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Hinzu kommt allerdings ein gewaltiger Batzen in Höhe von knapp 60 Millionen Euro für flankierende Maßnahmen. Dabei handelt es sich um Projekte, die ohnehin auf der Hausaufgabenliste der Stadtverwaltung stehen und die nun unter dem Dach der Landesgartenschau vereinigt werden. Beispiele sind die Neugestaltung der Murgpromenaden, des Post- und des Bahnhofvorplatzes.

Aus Sicht von OB Pütsch bietet die Landesgartenschau die Möglichkeit, diese Vorhaben „auf die Überholspur zu bringen“. Die umfangreiche Liste soll aber kein fixer Aufgabenplan sein, sondern dem Land aufzeigen, was alles umgesetzt werden könnte. „Es muss nicht alles gemacht werden“, sagt Pütsch.

Jurybesuch stand unter keinem guten Stern

Das Gesamtpaket ist bei den Verantwortlichen in Stuttgart auf positive Resonanz gestoßen. Dabei stand der Besuch der Bewertungskommission unter keinem guten Stern. Ursprünglich wollte die Delegation Rastatt im März oder April unter die Lupe nehmen, doch dann machte die erste Corona-Welle den Zeitplan zunichte. Schließlich reiste die Jury Mitte Juli an. Die Vertreter des Ministeriums machten sich zweieinhalb Stunden lang ein Bild von der Stadt.

Auf geplante Bürgeraktionen musste wegen der Pandemie verzichtet werden, außerdem regnete es in Strömen. Als Gastgeber fungierte nicht Oberbürgermeister Pütsch, sondern Bürgermeister Arne Pfirrmann. Der OB war kurz vor dem Besuch nach einem Unfall mit seinem Fahrrad ins Krankenhaus gebracht worden.

Zu den ersten Gratulanten zählten am Dienstag die mittelbadischen Landtagsabgeordneten. In einer gemeinsamen Erklärung schrieben Thomas Hentschel (Grüne), Alexander Becker (CDU) und Jonas Weber (SPD): „Das ist eine sehr gute Nachricht für die Menschen in Rastatt für die ganze Region. Wir freuen uns und gratulieren allen Beteiligten, die an der Bewerbung zur Landesgartenschau mitgewirkt haben. Sie bietet eine große Chance zu zeigen, wie eine nachhaltige, klimagerechte Stadt im 21. Jahrhundert aussehen kann.“

Vorbereitungen beginnen schon im kommenden Jahr

Auch wenn die Zeit bis 2036 noch weit entfernt scheint: Die Verwaltung wird sich bereits im nächsten Jahr darum kümmern, ein Vorbereitungskonzept für die Landesgartenschau zu erstellen. Anschließend geht es konkret darum, einen städtebaulichen Wettbewerb auszuloben und zur organisatorischen Abwicklung der Landesgartenschau eine GmbH zu gründen.

Kontinuierlich soll auch die Bürgerschaft in die Vorbereitung der Landesgartenschau einbezogen werden. Schon beim Bewerbungskonzeptes hatten sich viele Rastatter beteiligt. „Diese Begeisterung wollen wir wach halten und intensivieren bis ins Veranstaltungsjahr hinein“, sagt Pütsch. Die Landesgartenschau sei „ein identitätsstiftendes Gemeinschaftsprojekt für die gesamte Stadtgesellschaft“.

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