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Dritter Hitzesommer in Folge

Rastatts Bäume verdursten langsam

Heißer Sommer, trockener Winter: Was sich für viele Menschen perfekt anhört, macht den Bäumen zunehmend zu schaffen. Ein Problem, für das die Stadt Rastatt noch keine Lösung gefunden hat.

Fast wie im Herbst: Die Miniermotte macht den Kastanien zu schaffen, die durch die Hitze anfälliger für den Schädling werden. Foto: Hans-Jürgen Collet

Egal ob beim Spielplatzbesuch oder im Freibad, auf der Parkplatzsuche oder für ein lauschiges Picknick: Bäume und ihr Schatten avancieren an heißen Tagen wie diesen schnell zum besten Freund der Menschen.

Doch wie wir leiden auch die Bäume unter der Hitze - und das mit zum Teil deutlichen Auswirkungen. Auch in Rastatt setzt der dritte Hitzesommer in Folge den Bäumen in der Stadt inzwischen heftig zu.

„Obwohl sich der diesjährige Sommer etwas wechselhafter als die vorvergangenen zeigt, war die Regenmenge wieder viel zu gering“, erklärt Brigitte Majer. Als Leiterin der Technischen Betriebe verfolgt sie das Problem mit einem besonderen Augenmerk.

Neben der Wasserknappheit macht den Bäumen der heiße Starkwind zu schaffen. „Das hat die Gesamtsituation der Pflanzenwelt deutlich verschlechtert“, so Majer. „Wir sehen zunehmend absterbende Bäume.“

48.202 Bäume gibt es in der Stadt

Ein besonders eindrücklicher Fall ist ein Spitzahorn in der Oberwaldstraße, der einfach auseinandergebrochen ist. „Trockenstress“, diagnostiziert Majer. Er führt zu Spannungsunterschieden im Holzkörper des Baumes - ähnlich, wie man es bei arbeitendem Totholz auch kennt.

Im Fall des Spitzahorns ist nochmal alles gut gegangen - der Teil des Stammes, der umgeknickt ist, ist auf ein Feld gefallen und nicht auf den auf der anderen Seite verlaufenden Radweg.

Das Problem bei der Sache: „Leider sieht man dem betroffenen Baum von außen oft nicht an, dass er unter Trockenstress leidet. Sein Zusammenbrechen ist daher nicht vorhersehbar.“ Um trotzdem möglichst frühzeitig zu erkennen, welche Bäume besonders leiden, sind drei Baumkontrolleure in der Stadt im Einsatz.

Birken werden aus der Stadt verschwinden

Laut städtischem Baumkataster gibt es 48.202 Bäume im Stadtgebiet. Vor allem Birken, Linden und Eichen leiden unter der zunehmenden Trockenheit. In der Zeit von 2003 bis heute hat sich den Aufzeichnungen im Kataster zufolge der Bestand der Birken um ein Drittel reduziert. „Sie werden aus dem Stadtbild verschwinden“, ist sich Majer sicher.

Stattdessen setzen die Technischen Betriebe inzwischen vermehrt auf hitzebeständigere Baumarten wie die Hopfen-, die Amber- und die Hainbuche sowie den Tulpenbaum. Außerdem werden sich die Alleen mittelfristig verändern: Statt Straßenzüge mit einer Baumart zu bepflanzen, werden die Bäume jetzt gemischt.

Baum fest im Blick: Baumwart Christoph Wambach ist derzeit auf Kontrolltour unterwegs. Insgesamt hat die Stadt drei Baumkontrolleure. Foto: Hans-Jürgen Collet

Doch das allein wird nicht reichen, um Rastatts Grün zu erhalten, ist sich Majer sicher. Auch die Bewässerungsaktionen der Technischen Betriebe und der Feuerwehr sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es mangelt schlicht an Personal.

Deshalb können nur Jungbäume und frisch gepflanzte Bäume mit Wassersäcken am Stamm oder gezielter Bewässerung am Verdursten gehindert werden. „Alle Altbäume in der Stadt zu wässern ist leider mit den personellen Ressourcen nicht möglich”, so die Leiterin der Technischen Betriebe bedauernd.

Auch Bäume kriegen Sonnenbrand - mit fatalen Folgen

Die Hitze lässt die Bäume allerdings nicht nur dürsten. Wie Menschen können sie auch Sonnenbrand kriegen, wodurch die Rinde des Baums aufplatzen kann. „Um das zu verhindern, streichen wir in besonders sonnenexponierten Lagen Baumstämme weiß an”, erklärt Majer.

Zuletzt war das im Wiesenweg nötig, wo die Stämme der Linden nach einem Baumschnitt nachmittags zu viel Sonne abgekriegt haben. Jetzt schützt sie eine weiße Farbschicht auf der Sonnenseite des Stamms.

Einfach zerborsten: Dieser Spitzahorn in der Oberwaldstraße stand unter Trockenstress und ist auseinandergebrochen. Das Problem: Die Gefahr ist von außen nicht zu erkennen. Foto: Heike Dießelberg

Ein weiteres Problem: Die Hitze schwächt die Bäume so stark, dass sie anfälliger für Schädlinge werden. Miniermotten haben deshalb die Kastanien an der Ludwigsfeste und der Lyzeumstraße befallen. Um zu verhindern, dass sich die Insekten weiter verbreiten, wird das Laub eingesammelt und entsorgt.

Was aber kann getan werden, um den Rastatter Bäumen dauerhaft zu helfen? Noch gibt es keine Pläne. Doch ohne wird es nicht gehen. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den Altbestand an Bäumen für die Zukunft sichern“, betont Majer. „Dazu ist ein umfassendes Konzept nötig, um das wir uns schnell kümmern müssen.“

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