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Unerwünschte Gäste

Warum es rund um Karlsruhe so viele Wespen gibt – und wie man sich richtig verhält

Das trockene Frühjahr hat Wespen bislang beinahe perfekte Bedingungen geboten. Experten warnen: Ihre Zahl könnte in den kommenden Wochen weiter steigen. Dabei ist der schlechte Ruf der Wespen teilweise unbegründet.

Mit überreifem Obst wie etwa Weintrauben lassen sich Wespen weglocken – zum Beispiel vom Kuchenbuffet oder der Grillparty. Foto: Jochen Lübke/dpa

Mit einer Mischung aus Verwunderung und Neugier stand Renate Khaledi am Samstag in ihrem Garten in Ettlingen. Rund um ein Loch im hinteren Teil schwirrten Wespen, manche krabbelten hinein, andere kamen raus. „Die waren nicht aggressiv. Aber ich wusste nicht, dass sie auch Nester im Boden bauen”, sagt sie.

Wie in Khaledis Garten nimmt die Zahl der Wespen überall in der Region derzeit deutlich zu. Das trockene Frühjahr und eine gute Obst-Ernte bieten den Tieren fast perfekte Bedingungen.

Kein Grund, sich zu fürchten, sagt Manfred Verhaagh. „Sie stechen nur, um sich oder ihr Nest zu verteidigen”, erklärt der Experte des Karlsruher Naturkundemuseums. Das Gift der häufigsten beiden Wespenarten – der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe – ist zudem nicht so stark und gefährlich wie das der Honigbiene.

Wespen können mit allem umgehen, was wir so essen.
Manfred Verhaagh, Wespenexperte

Ihren schlechten Ruf haben die Tiere vor allem deshalb, weil sie beim Grillen, Eis essen oder im Biergarten hartnäckige und unerwünschte Gäste sind, glaubt Verhaagh. „Wespen können mit allem umgehen, was wir so essen. Sie werden davon angelockt.”

Fleisch wirkt besonders anziehend, weil die Wespen das enthaltene Eiweiß für ihre Larven brauchen. Süßes nutzen sie als „Betriebsbrennstoff” für ihre eigenen Ausflüge.

Überraschender Fund im Garten: Renate Khaledi aus Ettlingen entdeckte ein Wespennest in einem Erdloch. Häufig sind die Nester auch im Rolladenkasten oder auf dem Dachboden. Foto: Renate Khaledi

Für Renate Khaledi ist das kein Problem. Im Garten feiert sie keine Feste, auf einen möglichen Stich reagiert sie nicht allergisch. Dafür hat sie beruflich mit den Insekten zu kämpfen. Im Hof der Karlsruher Kita, in der sie arbeitet, tauchen Tag für Tag mehr Wespen auf. „Zum Essen gehen wir mit den Kindern lieber rein”, sagt sie.

Kammerjäger kommen erst bei bedrohlichen Situationen ins Spiel

Viel mehr lässt sich gegen die unerwünschten Besucher auch nicht tun. „Vom Nest fernhalten, Speisen immer abdecken, vielleicht ein paar Meter entfernt überreifes Obst zur Ablenkung hinstellen”, rät Manfred Verhaagh.

Hektisches Herumwedeln oder Anpusten ist hingegen keine gute Idee. Schnelle Bewegungen und das Kohlendioxid in der Atemluft hetzen die Wespen auf. Ruhe bewahren, lautet die Devise.

Auch vom Einsatz der Sprühdose rät der Experte ab. Das sei „wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen”, so Verhaagh – und zudem verboten: Wespen stehen unter Naturschutz. Wer sie verletzt oder tötet, dem droht eine Geldstrafe von bis zu 15.000 Euro.

Anders sieht es aus, wenn man sich unmittelbar bedroht fühlt, allergisch ist oder ein Wespennest direkt am eigenen Haus hängen hat. Dann dürfen die summenden Tierchen zur Not mit härteren Bandagen bekämpft werden.

An einem Rekordtag mussten wir insgesamt 30 Nester entfernen.
Gerald Hock, Kammerjäger aus Karlsruhe

Auch bei der Schädlingsbekämpfung Springer in Karlsruhe mehren sich dieser Tage die Anfragen wespengeplagter Menschen. „An einem Rekordtag mussten wir insgesamt 30 Nester entfernen”, erzählt Inhaber Gerald Hock.

Im Vergleich zum Vorjahr seien in diesem Sommer viele Schwärme unterwegs. „Meistens sitzen die Nester im Rollladenkasten, aber auch unter dem Dachgiebel oder in sämtlichen Löchern”, erklärt der Kammerjäger.

Ist das Nest lokalisiert, wird ein Insektizid hineingespritzt. Das geht auch mit Hilfe einer bis zu acht Meter langen Lanze, um Stellen am Dach zu erreichen. „Das Ziel ist es, die Königin zu vernichten. Ohne sie kann das Wespenvolk nicht überleben.”

Kühlen, Salben und Hausmittel helfen bei Stichen

Um Verletzungen zu vermeiden, kommen die Kammerjäger in Schutzkleidung. Aber was tun, wenn man doch mal gestochen wird? „Am besten kühlen und eine abschwellende Salbe verwenden”, rät Hausärztin Kristina Schemel aus Gaggenau.

Hausmittel wie ein Quarkwickel können ebenfalls helfen. Gleiches gelte für Wärmesticks, die das Eiweiß im Wespengift zerstören sollen. Die werden auch bei anderen Insektenstichen verwendet. „Allerdings tut Wärme nicht unbedingt gut”, gibt Schemel zu Bedenken.

Schnelle ärztliche Hilfe sei bei einer Allergie sowie generell bei Stichen im Mund- und Rachenraum gefragt, denn dann bestehe Lebensgefahr. „In diesen Fällen muss die Schwellung möglichst schnell mit Cortison behandelt werden”, sagt die Ärztin. Allergiker sollten in der Wespensaison außerdem stets ein Notfallset dabei haben.

Experte Verhaagh hat für Allergiker und besonders Ängstliche keine guten Nachrichten: In den nächsten Wochen wird die Zahl der Wespen nochmal deutlich steigen. „Das lässt sich jetzt nicht mehr aufhalten, auch eine Regenperiode würde nicht helfen”, sagt Verhaagh. „Bis zu den ersten richtig kalten Nächten im Oktober oder November vermehren die Tiere sich weiter. Solange genug Platz im Nest und Nahrung vorhanden ist, gibt es keine Grenze.”

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