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Neue Regelung

Wo Lehrer und Erzieher Corona-Schnelltests kostenlos erhalten können

Lange haben sich Sozialminister Manne Lucha (Grüne) und CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann gestritten, wie Schulen und Kitas rasch wieder geöffnet werden können. Jetzt gibt es eine Lösung.

Ergebnis in 15 Minuten: Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher sollen künftig zwei Mal pro Woche kostenlos beim Arzt oder Apotheker auf Corona getestet werden. Foto: Marijan Murat picture alliance/dpa

Henrik Rohde ist die Gelassenheit in Person. „Wir haben schon Übung“, sagt der Inhaber der „Zentral-Apotheke“ in der Karlsruher Kaiserstraße. Seitdem die Bundesregierung Mitte Dezember auch den Apothekern die Erlaubnis erteilt hat, Corona-Schnelltests durchzuführen, bietet er diese Leistung an.

Patienten können telefonisch einen Termin vereinbaren, vor seiner Apotheke steht ein separater Container, in dem das eigens dafür geschulte Fachpersonal die PoC-Antigen-Schnelltestes durchführt. Bereits nach einer Viertelstunde liegt das Ergebnis vor.

Öffnung nach den Faschingsferien?

Nun könnte nach dem Willen von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf Henrik Rohde und seine Kolleginnen und Kollegen im gesamten Land deutlich mehr Arbeit zukommen. Am Freitag legten die beiden Ressortchefs ihren offenen Streit über die Teststrategie an Schulen und Kindertagesstätten bei.

Damit die Bildungseinrichtungen möglichst nach den Faschingsferien am 22. Februar wieder öffnen können, sollen alle Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen, Erzieherinnen und Erzieher an Kitas sowie Mitarbeiter der Kindertagespflege und das Personal an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren das Angebot erhalten, sich zwei Mal pro Woche kostenlos entweder bei ihrem Hausarzt oder einem Apotheker auf das Coronavirus testen zu lassen.

Bis zu den Osterferien befristet

Dieses Angebot gilt zudem für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen, die in Präsenzunterricht Abschlussklassen unterrichten oder Notbetreuung leisten. Das Angebot ist zunächst bis zu den Osterferien im April befristet. Die Kosten übernimmt das Land. Nach bisherigem Beschluss hätten Lehrer und Erzieher sich lediglich drei Mal bis Ostern testen lassen können.

Wir haben uns für eine gewisse Zeit bevorratet.
Henrik Rohde, Inhaber der Zentral Apotheke Karlsruhe

„Die Apotheken, die bisher schon Antigen-Schnelltests durchgeführt haben, sind darauf vorbereitet“, sagt der Karlsruher Apotheker Henrik Rohde auf Nachfrage. Auch an Schnelltestes herrsche im Augenblick kein Mangel. „Wir haben uns für eine gewisse Zeit bevorratet.“ Das bestätigt auch Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg gegenüber den BNN. „Die Apotheken stehen bereit.“

Allerdings könne nicht jede Apotheke diesen Service anbieten, da zum einen geschultes Personal und zum anderen vom normalen Publikumsverkehr abgetrennte Räumlichkeiten vorhanden sein müssen, in denen strenge Hygienevorschriften zu beachten sind.

So kommt man an den Gratis-Test

Und so soll das Ganze funktionieren: Von ihren jeweiligen Dienstherren, also den Schulleitungen oder Kita-Leitungen, erhalten alle Berechtigten einen Gutschein, den sie bei ihrem Arzt, einem Testzentrum oder einem Apotheker einlösen können.

Auf der Homepage der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg findet sich eine interaktive Karte, in der alle Apotheken aufgelistet sind, die die Antigen-Schnelltests anbieten. Die Terminvereinbarung erfolgt telefonisch oder online.

Nachdem die Gutscheine vorgelegt worden sind, wird der Test durchgeführt, nach wenigen Minuten erhält jeder einen schriftlichen Beleg mit dem Testergebnis. Die Ärzte oder Apotheker rechnen die Kosten mit dem Land ab.

Selbsttests sind völlig ungeeignet

Völlig ungeeignet sind nach den Worten von Frank Eickmann die Antigen-Selbsttests, die man möglicherweise schon in Kürze in den Apotheken kaufen kann. „Diese Tests nützen nichts, denn es fehlt der schriftliche Beleg über das Ergebnis.“

Auf den komme es aber an, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer müssten ja den expliziten Nachweis vorlegen können, dass sie negativ getestet worden sind. „Nur Ärzte, Apotheker und die Impfzentren können diesen Nachweis ausstellen.“

Tests haben sich bewährt

Auch der Landesapothekerverband erwartet keine Knappheit an Test-Sets, wenn nun in Baden-Württemberg das gesamte Personal im Bildungsbereich zwei Mal pro Woche getestet werden soll.

„Es sind genügend Schnelltests am Markt vorhanden“, sagt Vize-Geschäftsführer Frank Eickmann. Die gängigen PoC-Antigen-Schnelltests seien sicher und zuverlässig und hätten sich in der Praxis bewährt, seit Monaten schon kämen sie in Krankenhäusern oder in Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz.

Auch die Landesärztekammer verweist darauf, dass die Ärzteschaft Baden-Württembergs im Kampf gegen Corona „in vorderster Reihe“ stehe und mit allen relevanten Einrichtungen des Gesundheitswesens und allen staatlichen Stellen eng kooperiere. Die Lage bleibe „angespannt“, sagt Kammerpräsident Wolfgang Miller. „Weiterhin werden Anstrengungen nötig sein, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten.“

Die Entscheidung ist richtig, kommt aber zu spät.
Matthias Schneider, GEW-Landesgeschäftsführer

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Entscheidung Luchas und Eisenmanns. „Das ist richtig, kommt aber zu spät“, sagt Landesgeschäftsführer Matthias Schneider gegenüber den BNN. Man habe schon im Sommer für Schnelltests für das Personal an Schulen und Kitas plädiert. „Wir können uns eine Öffnung der Kitas und Schulen nach den Fasnet-Ferien vorstellen, wenn es Schnelltests, ausreichend FFP2-Masken und Wechselunterricht gibt.“

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