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Ärger beim Verbandspokal

Fußballfans halten sich nur selten an Corona-Abstandsregeln

Die Erfahrungen aus den ersten Fußballspielen nach der Corona-Pause zeigen: Es ist kaum möglich, die vorgeschriebenen Abstandregelungen unter den Zuschauern durchzusetzen - trotz aufwendiger Hygienekonzepte.

In Reih und Glied: Obwohl die Vereine aufwendig Vorsorge treffen, lassen sich die Abstandsregelungen, wie hier in Büchig, unter Zuschauern kaum durchsetzen. Foto: Jochen Blum

Der Mensch ist ein Rudeltier – allen Vorgaben und Infektionsrisiken zum Trotz. Dieser Fakt lässt sich gerade auf den Amateursportplätzen beobachten, auf denen seit rund drei Wochen in Freundschafts- und Pokalspielen wieder gekickt wird.

Obwohl auf Aushängen und in Lautsprecherdurchsagen eindringlich darauf hingewiesen wird, den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern zum Nebenmann einzuhalten, stehen die Zuschauer dicht an dicht – als hätte es Corona nie gegeben. Egal bei welchem Verein man nachfragt, ob in Bilfingen, Bretten oder Karlsruhe, die Verantwortlichen und Hygienebeauftragten sind am verzweifeln.

Beim Verbandspokalspiel zwischen dem 1. FC Bruchsal und dem 1. CfR Pforzheim, das am vergangenen Wochenende nach einem internen Zwist bei den Gästen ausartete, ging es sogar soweit, dass die Pforzheimer anschließend den Bruchsalern vorwarfen, sie hätten durch mangelnde Umsetzung der Vorgaben, wie zum Beispiel Platzordner bereitzustellen, Mitschuld an der Eskalation .

Solche Vorfälle sorgen dafür, dass auch der Badische Fußballverband (bfv) mittlerweile alarmiert ist und die Sorgenfalten tiefer werden, zumal auch die örtlichen Behörden genauer hinschauen. „Wir haben sogar schon davon gehört, dass es im Umkreis Verwarnungen für Vereine gab”, sagt der Hygienebeauftragte des FC Östringen, Admir Spahic.

Das habe man zum Anlass genommen, selbst verstärkt tätig zu werden. Die Gemeinde Graben-Neudorf teilt beispielsweise mit, sich Kontrollen offenzuhalten, auch um die Stellung des Veranstalters zu stärken. Man will die Vereine nicht alleine lassen, zumal diese sehr schnell an ihre Grenzen kommen.

Andere Hygienemaßnahmen sind leichter umzusetzen

Dabei ist der Aufwand für die Clubs enorm. Sie müssen zum einen dafür Sorge tragen, dass sich (inklusive Spielern, Helfern und Betreuern) nicht mehr als 500 Menschen auf dem Gelände befinden. Dafür sind strenge Eingangskontrollen nötig, bei denen auch die Kontaktdaten der Besucher erfasst werden müssen. Immerhin das klappe ganz gut, hört man von den Vereinen.

Eine Maske zu tragen, Abstand zu halten und vorsichtig zu sein, ist eine Frage des Respekts für unsere Mitmenschen und vor allem für diejenigen, die zu einer Risikogruppe gehören und weitergehenden Schutz brauchen.
bfv-Präsident Ronny Zimmermann

Viele bieten das nötige Formular bereits zum Download an, um Schlangen beim Einlass zu vermeiden. Es muss außerdem gewährleistet sein, dass Mannschaften und Publikum stets getrennt sind – auch das funktioniert mit Absperrbändern. „Die größte Schwierigkeit ist es, die Zuschauer auseinanderzuhalten”, sagt Daniel Zeisel, der Hygienebeauftragter beim FV Hambrücken ist. Und das funktioniert eben nicht, egal wie viel Mühe man sich gebe.

Auf zehn Seiten hat der Landesligist ein Konzept ausgearbeitet. Auf dem Papier klingt alles gut, wenn es aber in die Praxis geht, fehlt es an der Disziplin der Besucher. „Die Leute sind einfach beratungsresistent”, ärgert sich Zeisel. Ähnlich sieht es Steffen Domes vom TuS Bilfingen: „Der Wille ist da, wir betreiben als Vereine einen hohen Aufwand. Es scheitert einfach an der praktischen Umsetzung”, findet er.

Menschen suchen den Schatten und stehen dort zusammen

Ein Problem – neben dem fehlenden Willen – sei, dass die Menschen bei den aktuell hohen Temperaturen den Schatten suchen. Der ist auf vielen Sportanlagen rar. Und da, wo etwas Abkühlung möglich ist, „stehen die Leute dann in Reih und Glied”, stellt Domes fest. Diesen Eindruck hatte auch der Östringer Spahic beim Pokalspiel am vergangenen Wochenende gegen den FC Heidelsheim, das mit 270 Zuschauern sehr gut besucht war.

„Wir haben unser Sportgelände in Zonen eingeteilt, um das Publikum etwas zu entzerren”, sagt er. Zu diesem Konzept gehöre auch ein zweiter Verpflegungsstand. „Wenn ich aber auf einer Seite des Platzes Schatten habe, stehen die Besucher dann doch zusammen”, merkt Spahic an. Man müsse eben bei jeder Partie situationsorientiert arbeiten, findet er.

Wenn es im Spätjahr wieder öfter regnet, sieht das Östringer Vorstandsmitglied ohnehin noch größere Schwierigkeiten. Der Verband, der laut den Vereinsverantwortlichen viel einfordert und dem kein Vorwurf zu machen ist, sieht die Problematik dennoch mit Sorge.

„Es wäre mehr als schade, wenn alle unsere Bemühungen von einigen Leichtsinnigen über den Haufen geworfen werden würden, der Spielbetrieb deshalb wieder eingestellt werden müsste und möglicherweise weitere negative Folgen für unser alltägliches Miteinander erforderlich würden”, sagt bfv-Präsident Ronny Zimmermann: „Eine Maske zu tragen, Abstand zu halten und vorsichtig zu sein, ist eine Frage des Respekts für unsere Mitmenschen und vor allem für diejenigen, die zu einer Risikogruppe gehören und weitergehenden Schutz brauchen.”

Der Verband bietet den Vereinen Hilfestellung in Form von Muster-Hygienekonzepten, Plakaten und Vorlagen. Umsetzen müssen es aber die Vereine – und letztlich jeder Zuschauer selbst.

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