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Windkraft und AfD

Neulinger Bürgermeisterwahl: Besucher fühlen Herausforderer auf den Zahn

Bei der ersten Vorstellungsrunde der Kandidaten für die Neulinger Bürgermeisterwahl haben die Besucher vor allem Bewerber Alexander Pohl auf den Zahn gefühlt. Seine Antworten zu Themen wie Windkraft und vermeintliche Sympathie für die AfD haben viele Zuhörer aber eher nicht zufrieden gestellt.

Zweikampf: Amtsinhaber Michael Schmidt (links) und Herausforderer Alexander Pohl wollen die Bürgermeisterwahl am 8. Mai in Neulingen gewinnen. Am Dienstagabend stellten sie sich vor Publikum in der Büchighalle in Göbrichen vor. Foto: Herbert Ehmann

Zuvor hatten sich Bürgermeister Michael Schmidt und Herausforderer Alexander Pohl (beide parteilos) in ihren Reden den rund 50 Zuhörern vorgestellt.

Während der Amtsinhaber die 15-minütige Redezeit ausnutzte, war Pohl schon nach fünf Minuten mit seiner Rede zu Ende. Der Standort der Windräder sei das „aktuelle Topthema“ in der Kommunalpolitik. Und weil Bürger immer weniger in wichtige Entscheidungen eingebunden würden, „entsteht unweigerlich der Eindruck von Klüngelei und das Vertrauen schmilzt dahin“, sagte der 47-Jährige.

Pohl wünscht sich Kommunikation

Pohl wünscht sich Kommunikation auf Augenhöhe und dass Informationen, Daten und Fakten frühzeitig ausgetauscht werden. Die Abspaltung von Bürger, Bürgermeister und Gemeinderat sei spürbar, so der gelernte Kaufmann, der als „Moderator und Brückenbauer“ bei der Wahl am 8. Mai antreten will. Seine Ziele seien eine bedarfsgerechte Jugendarbeit, das digitale Rathaus und Transparenz in der Gemeindearbeit.

Was er denn mit „Klüngelei“ meine, fragte ein Besucher aus Nußbaum bei der Fragerunde. Das Thema Windräder sei vielen aufgestoßen, antwortete Pohl. Der Standort sei problematisch; es wäre besser gewesen, die Bürger „vorher abzuholen“, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Bürgermeister Schmidt wies darauf hin, dass bei dem Thema genug Öffentlichkeit hergestellt worden sei.

Es entsteht unweigerlich der Eindruck von Klüngelei.
Alexander Pohl, Kandidat bei der Bürgermeisterwahl

Was er denn für die ortsansässigen Unternehmen tun wolle, fragte ein Zuschauer aus Göbrichen. Er habe keine große Erfahrung und müsse sich erst einlesen, sagte Pohl und wies auf das digitale Rathaus hin.

Er sei „hochinteressiert“, dass auf dem Gebiet der digitalen Verwaltung etwas passiere, stimmte ihm Bürgermeister Schmidt zu. Es sei aber auch so gewesen, dass Deutschland die Entwicklung in den letzten zehn Jahren verschlafen habe.

Gerücht um Sympathie mit AfD

Eine Besucherin aus Göbrichen sprach Pohls angebliche Sympathie mit der AfD an, die als Gerücht durch die Gemeinde geistert. Würden Positionen der Partei Einfluss nehmen auf Pohls Arbeit im Rathaus? Er trete parteilos bei der Wahl an. Es gebe keinen Einfluss oder Affinität, so Pohl.

Bisher habe er nicht gesagt, was er in der Gemeinde machen wolle, kritisierte ein Göbricher. Wie sehe es beispielsweise mit erneuerbaren Energien aus? Er würde gerne Photovoltaikanlagen auch auf denkmalgeschützten Gebäuden möglich machen, sagte Pohl und gab das Wort an Bürgermeister Schmidt weiter, „der schon ein paar Jahre länger im Amt ist“.

Denkmalschutz sei eine Hürde, der von höherer Ebene komme, pflichtete der Rathauschef bei. Er wolle sich dafür einsetzen, dass Photovoltaik auf denkmalgeschützen Häusern möglich werde.

Förderzusage für Netzausbau in Neulingen

Michael Schmidt, der seit 2006 im Amt ist, stellte in seiner Rede das kinder- und familienfreundliche Neulingen als Themenschwerpunkt vor. Den Betreuungsumfang individuell buchen zu können, sei eine „Neulinger Besonderheit mit Alleinstellungscharakter“, so Schmidt.

Auch die Digitalisierung an den Grundschulen sei vorangekommen. Nach der Förderzusage für den Netzausbau solle es bald keine „weiße Flecken“ mehr in der Gemeinde geben. Klimaschutz sei ein weiteres wichtiges Thema für die kommenden Jahre, so Schmidt.

Ich bin überzeugt, dass wir die Chance ergreifen und das Projekt umsetzen müssen.
Michael Schmidt, Neulinger Bürgermeister zu Windkraftanlagen

Der geplante Windpark nördlich von Bauschlott soll Neulingen auf dem Weg zur klimaneutralen Gemeinde voranbringen. In Untersuchungen sollen Fragen zu dem Projekt, das vom Gemeinderat mehrheitlich gebilligt wird, beantwortet werden.

„Ich bin überzeugt, dass wir die Chance ergreifen und das Projekt umsetzen müssen, denn es gibt nicht überall in der Region und auf unserer Gemarkungsfläche Alternativstandorte.“

Interkommunales Gewerbegebiet in Göbrichen auf Eis gelegt

Beim Thema Mobilität führte Schmidt ein E-Carsharing-Angebot und die von ihm initiierte „Pendla-App“ ins Feld. Dieses Mobilitätsangebot für die 28 Enzkreisgemeinden soll in ein paar Wochen an den Start gehen. Weitere Punkte in Schmidts Rede waren der Ausbau des Radwegenetzes, Pflege- und Betreuungsangebote für Senioren, der rollende Supermarkt in Neulingen und die Gewerbegebietserweiterung am Wolfsbaum.

Auf Eis gelegt ist wegen Corona das interkommunale Gewerbegebiet in Göbrichen. Über Standort und Größe müsse man neu nachdenken, so Schmidt.

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