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Seit über 40 Jahren im Gremium

Der „Anwalt der Schwächeren“: Straubenhardts Gemeinderat Hans Vester wird 70

Hans Vester ist seit über 40 Jahren SPD-Gemeinderat von Straubenhardt und damit einer dienstältesten Räte im Enzkreis. Nebenbei arbeitet der kommunalpolitische Tausendsassa noch als Bauingenieur im eigenen Büro. Am Dienstag wird er 70 Jahre alt.

Anlaufstelle in Straubenhardt: An Hans Vesters Esstisch in Schwann haben schon viele illustre Persönlichkeiten Platz genommen. „Jeder, der in der Gemeinde etwas werden wollte“, erzählt der Jubilar lachend. Foto: Herbert Ehmann

Man merkt, dass Hans Vester auch nach Jahrzehnten in der Kommunalpolitik immer noch für seine Gemeinde brennt. Wortreich und eloquent erzählt der Sozialdemokrat von den vielen Pilotprojekten, bei denen er mitgewirkt hat.

Stolz ist er unter anderem auf die Sozialstation, den Windpark und den Bau der Hackschnitzelanlage.

„Nachhaltige Energie liegt mir am Herzen“, sagt der Bauingenieur und unterstreicht die Entwicklung Straubenhardts in den vergangenen 40 Jahren: „Wir haben aus sechs Bauernkäffern eine tolle Gemeinde geschaffen.“

Eigentlich wollte Hans Vester Journalist werden

Weniger glücklich ist der gebürtige Neuenbürger über die Kostenexplosion beim neuen Feuerwehrhaus, und auch das geplante Verwaltungszentrum auf der freien Fläche „Mostklinge“ gegenüber der Wohnidee sieht er kritisch.

Die beiden Rathäuser in Schwann und Conweiler würden in Zeiten von Digitalisierung, Homeoffice und mobilen Arbeitsplätzen reichen, sagt er. Bis Herbst soll ein Konzept her und eine Entscheidung zum Dauerbrennerthema fallen.

Eigentlich wollte Vester Journalist werden, Sport war sein Steckenpferd. Aber auch die Politik hat ihn stark interessiert, nachdem er im Fernsehen den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Berlin gesehen hatte.

Auch vom Wortführer der Studentenbewegung Rudi Dutschke war Vester, der aus einer konservativen Familie stammt, ein glühender Anhänger. Die SPD war ihm damals viel zu wenig links, „auch wenn ich heute ein Sozialdemokrat aus tiefster Überzeugung bin“.

Aber auch sein Großvater Gustav Mitschele hat ihm als Kommunalpolitiker imponiert. Nachdem er in dessen Zimmereibetrieb ausgeholfen und das Handwerk von der Pike auf gelernt hatte, entschloss er sich, statt Journalismus lieber ein Bauingenieurstudium in Karlsruhe zu beginnen.

Früher wollte ich die Welt verändern, heute verändere ich Bebauungspläne.
Hans Vester, selbständiger Bauingenieur

Nach Studium und Wehrdienst zog es Hans Vester eigentlich in die große weite Welt. Stattdessen blieb er jedoch in Schwann und stieg in den Zimmereibetrieb ein. Als Planer und Ingenieur in seinem eigenen Büro arbeitet er heute noch 50 Stunden pro Woche; den angeschlossenen Holzbaubetrieb hat vor fünf Jahren sein Sohn Patrick übernommen.

Ehrenamtliches Engagement ist sein Hobby

Viel Zeit investiert der 70-Jährige auch in sein ehrenamtliches Engagement, das für ihn wie ein Hobby sei, wie er erzählt. Dahinter stecke aber keine Profilneurose, sondern die Freude daran, den eigenen Horizont zu erweitern. „Früher wollte ich die Welt verändern, heute verändere ich Bebauungspläne“, sagt er lachend.

Sein Lebensmotto ist: „Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, aber auch die Chance dazu haben.“ Vester bezeichnet sich als „Anwalt der Schwächeren“ und als „absoluten Dialektiker“: Bei jedem Problem frage er sich, was dafür und was dagegen spreche, um daraus dann seine Schlussfolgerung zu ziehen.

Die Deutschen haben ein blödes Verhältnis zum Alter.
Hans Vester, dienstältester Gemeinderat in Straubenhardt

Als er 1994 in die SPD-Fraktion des Kreistags nachrückte, habe er das wie einen Lottogewinn empfunden. „Weil mir die internationalen Beziehungen am Herzen liegen, empfinde ich mich als Außenminister meiner Fraktion“, so Vester, der gerne auf Dienstreisen geht – etwa als Mitglied des Partnerschaftsvereins Enzkreis-Masasi.

Besonders verbunden fühlt er sich mit Frankreich und der französischen Partnergemeinde Pont de Veyle. Aber natürlich auch mit seiner eigenen Gemeinde. Für viele Bürger ist der Kommunalpolitiker eine Anlaufstelle, wenn sie Fragen zu Verwaltungssachen haben.

Was ihn allerdings ärgere, sei die Alterdiskriminierung, die er zunehmend spüre. „Die Deutschen haben ein blödes Verhältnis zum Alter. In den USA kann man mit 78 Präsident werden und hier gehört man mit 70 zum alten Eisen“, sagt Vester. Dabei sei er fit und fühle sich 20 Jahre jünger. Fit und aktiv zu bleiben – das ist auch sein Wunsch zum runden Geburtstag.

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