Skip to main content

Nicht nur ein Kraftakt

Beim Unterwasserrugby in Karlsruhe halten alle die Luft an

Zwölf Spieler rangeln um einen Ball – und das in bis zu fünf Metern Tiefe. Unterwasserrugby ist ein Sport für Hartgesottene. Die BNN haben beim SSC Karlsruhe mittrainiert. Mit mäßigem Erfolg.
3 Minuten
3 Minuten

Überall ist Wasser. Über mir, unter mir, neben mir. Irgendwo hier muss der Ball sein. Aber ich sehe nur Flossen, Schnorchel und Luftblasen. Und in etwa zwei Metern Entfernung ein Menschenknäuel. Da ist sie ja, die kleine weiße Plastikkugel.

Ich strample mit den Beinen und schaufle meine Arme nach vorne. Wie in Zeitlupe steuere ich auf das Gewirr aus Armen, Beinen, Flossen und Ball zu. Die Luft wird knapper, der Druck auf den Ohren stärker.

Eine Gestalt zieht pfeilschnell und fischartig an mir vorbei. Ich schlucke Wasser. Und gebe auf. Während ich an die Oberfläche treibe und prustend die Hände nach dem rettenden Beckenrand ausstrecke, geht das Treiben unter mir weiter.

Der letzte Spieler verteidigt das Tor, indem er sich mit dem Rücken auf dem Korb legt. Foto: Christian Bodamer

Gut 20 Sekunden später tauchen die ersten Badekappen auf. Jubel bei den Männern und Frauen mit den weißen Mützen – meine Mannschaft! Einer der Spieler hat den Ball in einen der Stahlkörbe am Beckenboden versenkt. Das ist das Ziel beim Unterwasserrubgy: Tore machen, und das in bis zu fünf Metern Tiefe.

Unterwasserrugby ist der einzige Sport in 3D

Jede Woche taucht mindestens ein Dutzend Männer und Frauen beim SSC Karlsruhe im Fächerbad ab. Was macht das Gerangel in der Tiefe des Beckens so besonders?

„Unterwasserrugby ist die einzige dreidimensionale Sportart der Welt“, sagt Lukas Walz: „Der Gegner kann von überall kommen: von oben, unten oder von der Seite.“

Der 28-Jährige spielt Unterwasserrugby seit er 14 ist. Angefangen hat er beim TSC Pforzheim, inzwischen ist er einer der Trainer beim SSC. Als Kind sei er viel geschwommen und getaucht, erzählt Walz: „Als ich irgendwann jede Kachel im Schwimmbad kannte, brauchte ich eine neue Herausforderung.“

Viele kommen vom Tauchen oder Schwimmen zum Unterwasserrugby

Viele Unterwasserrugby-Spieler kommen aus dem Wassersport: Melanie Mechler beispielsweise hat Erfahrung als Tauchtrainerin, Michael Albrecht war früher Rettungsschwimmer, bis ihn ein Kreuzbandriss ausbremste.

Student Clemens Huber ist erst seit kurzem dabei. „Ich habe nach der verrücktesten Sportart gesucht – und sie gefunden“, sagt der 24-Jährige schmunzelnd.

Es kommt nicht nur auf Kraft an, sondern auch auf Geschwindigkeit, Taktik und Köpfchen.
Michael Albrecht, Spieler beim SSC Karlsruhe

Zierliche junge Frauen und breite Kerle jagen im Fächerbad gemeinsam dem Ball hinterher. Die jüngsten gehen noch zur Schule, der älteste ist fast 70.

„Es kommt nicht nur auf Kraft an, sondern auch auf Geschwindigkeit, Taktik und Köpfchen“, sagt Michael Albrecht. Und auf einen langen Atem. Der komme aber mit der Zeit automatisch, versichert Albrecht. Alles Übungssache.

Jede Woche tauchen die Unterwasserrugby-Spieler des SSC Karlsruhe im Fächerbad ab. Männer und Frauen messen sich im Becken in gemischten Teams. Foto: Christian Bodamer

Also gut. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Versuch besser. Fest entschlossen richte ich meine Taucherbrille und hole ein letztes Mal tief Luft. Dann stoße ich mich vom Beckenrand ab und tauche ab. Und plötzlich geht alles ganz schnell. Irgendwie gelangt der Ball tatsächlich in meine Hände.

Ich paddle ein paar Meter und schirme die Kugel mit beiden Armen ab. Von allen Seiten werde ich gezogen, gestoßen und gerammt. Mit der rechten Hand stoße ich den Ball zu einem vermeintlichen Mannschaftskameraden.

Die Freude über den ersten Ballkontakt währt nicht lange

Und tauche mit stolz geschwellter Brust auf. Mein erster Ballkontakt! Aber die Freude währt nicht lange. „Guter Pass“, lobt einer meiner Mitspieler: „Nur leider zum Gegner.“

Flossen, Taucherbrille und Badekappe gehören zur Ausrüstung beim Unterwasserrugby. Foto: Christian Bodamer

Egal. Pass ist Pass. Und jetzt ist Abpfiff. Endlich. Entkräftet zerre ich die Badekappe vom Kopf und streife die Flossen von den Füßen. Die Beine sind wacklig, die Lunge brennt. Ich schmecke Chlor. Die anderen mustern mich mitleidig.

„Am Anfang war ich auch so schlecht“, meint Clemens Huber aufmunternd. Ob ich denn nochmal wiederkommen würde? Da würden sich sicher alle freuen. Naja, ich weiß nicht so recht. Spaß gemacht hat es ja irgendwie schon.

nach oben Zurück zum Seitenanfang