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Ausbildung

Betriebe in der Region halten trotz Corona an der Ausbildung fest

Am 1. September beginnt das neue Ausbildungsjahr. Auch wenn viele Betriebe weiter ausbilden, bleibt bei manchem Schulabgänger ein mulmiges Gefühl. Chancen gibt es aber auch noch für Kurzentschlossene.

Wegen der Corona-Krise sind Zehntausende Ausbildungsstellen in Deutschland unbesetzt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Am Dienstag beginnt der Ernst des Lebens – zumindest für zahlreiche Schulabgänger, die mit dem Beginn des neuen Lehrjahres am 1. September in eine Ausbildung starten. Die Auswirkungen von Corona auf den Ausbildungsmarkt seien dabei nicht so dramatisch wie ursprünglich befürchtet, sagt Stefan Gauß, Sprecher der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim.

Während im Enzkreis die Zahlen der Bewerber und der gemeldeten Lehrstellen im Zeitraum Oktober 2019 bis Juli 2020 recht stabil waren, verzeichnet die Stadt Pforzheim laut Arbeitsagentur einen leichten Rückgang: Mit 710 Bewerbern sind dort 3,5 Prozent weniger junge Leute auf der Suche nach einer Ausbildung. Ihnen gegenüber standen 825 gemeldete Lehrstellen, ein Rückgang von 4,1 Prozent.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald meldet zum Stichtag 13. August einen Rückgang von 9,2 Prozent der registrierten Ausbildungsverhältnisse. Angesichts eines landesweiten Rückgangs im zweistelligen Bereich sei das ein gutes Ergebnis, heißt es in einer Presseerklärung. Laut einer aktuellen Ausbildungsumfrage der IHKs in Baden-Württemberg würden rund ein Drittel der Ausbildungsbetriebe im Land wegen Corona weniger oder nicht mehr ausbilden.

Corona-Effekt ist branchenabhängig

Eine direkte Verbindung zwischen rückläufigen Zahlen bei der Ausbildung und Corona sieht Stefan Gauß von der Arbeitsagentur allerdings nicht. „Die Betriebe setzen weiter auf Ausbildung zur Fachkräfterekrutierung.” Viele Ausbildungsstellen seien bereits im vergangenen Herbst oder Frühjahr – also lange vor Corona – vergeben worden, gibt er zu bedenken.

Im Zuständigkeitsgebiet der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt ist der Rückgang der Ausbildungsstellen mit 12,7 Prozent zum Vorjahr deutlicher. Allerdings sei das Ausbildungsjahr 2018/19 auch ein starkes gewesen, gibt Patricia Montbrun zu bedenken, Sprecherin der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt.

Mit einem Rückgang von 24,1 Prozent ist die Stadt Baden-Baden am stärksten betroffen. Wo Lehrstellen wegfallen, sei vor allem auch branchenabhängig, erklärt Montbrun. Baden-Baden mit seiner ausgeprägten Tourismus- und Gastronomie-Szene treffe die Corona-Pandemie stärker als andere Städte. Von einem Corona-Effekt will aber auch Montbrun nur eingeschränkt sprechen. Gerade Einzelhandel und Handwerk würden weiterhin Azubis suchen. Ende Juli gab es pro unversorgten Bewerber noch 1,6 offene Ausbildungsstellen.

Endspurt bei der Ausbildungssuche kommt erst noch

Gibt es also noch Chancen für jene, die noch keine Lehrstelle gefunden haben? „Der Endspurt am Ausbildungsmarkt findet in diesem Jahr deutlich später statt als gewohnt”, betont Stefan Gauß. Gerade im August habe es noch viel Bewegung gegeben, für Ausbildungssuchende gebe es bis in den Oktober hinein noch Chancen.

Patricia Montbrun kann sich sogar vorstellen, dass in diesem Jahr mehr Ausbildungsverträge als sonst abgeschlossen werden. Bewerber, aber auch Unternehmen seien bis zuletzt zögerlich geblieben und hätten die Suche nach beziehungsweise die Entscheidung für eine Ausbildung vor sich hergeschoben. „Viele Leute waren über den Sommer in einer Art Warteposition.” Jetzt aber ziehe der Stellenmarkt spürbar wieder an, viele Unternehmen blickten wieder etwas hoffnungsvoller in die Zukunft. „Jemandem eine Ausbildungsstelle anzubieten, bedeutet für ein Unternehmen auch Vertrauen in die eigene Zukunft zu haben”, betont Montbrun.

Wer noch nicht weiß, welcher Beruf für ihn der passende ist, kann sich auf dem Youtube-Kanal der Berufsberatung Nagold-Pforzheim über verschiedene Berufsgruppen informieren und sich Tipps für die Bewerbung abholen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt gibt in einem neuen Podcast Tipps für die Bewerbung und Informationen rund um das Thema Ausbildung. Und auch die vom baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertag herausgegebene Initiative „Mach doch, was du willst” hilft bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf.

Grundsätzlich rät Montbrun allerdings dazu, die Entscheidung anzugehen – auch, wenn man sich nicht ganz sicher ist. „Es ist falsch zu denken, dass der gewählte Beruf einen ein Leben lang begleitet”, sagt sie. Wer aber mit einer abgeschlossenen Ausbildung Durchhaltevermögen zeigt, könne sich später im Berufsleben immer noch verändern.

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