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Manche proben digital

Chöre in Ettlingen hoffen auf Neustart im März

Der neuerliche Lockdown trifft die Chöre hart. Keine Proben heißt für sie in der Konsequenz auch keine Konzerte. So mancher Dirigent steigt da auf virtuelles Proben im Netz um.

Vorerst letzter Auftritt: Der Jazzchor Ettlingen gab vor dem neuerlichen Lockdon im Oktober noch ein Konzert unter Corona-Bedingungen. Foto: Andrea Fabry

Die einen lassen ihre Mitglieder einzeln und digital im „stillen Kämmerlein“ proben, die anderen haben einfach Zwangspause. Gemeinsam ist den Chören in Ettlingen und Umgebung, dass sie einerseits auf ein baldiges Lockdown-Ende hoffen und andererseits fürchten, dass es so schnell nicht kommen wird.

„Bei uns ruht die Arbeit komplett“, erzählt Dirigentin Angelika Kölble vom Hassler-Chor in Malsch, der 2021 seinen 40. Geburtstag feiert. Ob und wie das möglich sein wird, Kölble weiß es nicht. „Wir sind wie in einer Art Schockstarre“.

Dirigentin hält Kontakt per E-Mail und Telefon

Als Oratorien-Chor und damit einer, der große musikalische Werke einstudiert, könne der Hassler-Chor nicht einfach ins Digitale ausweichen. „Das macht für uns keinen Sinn.“ Letztmals geprobt hat der Chor im Oktober 2020, seither hält Angelika Kölble Kontakt mit den Sängerinnen und Sängern via E-Mail, ruft den einen oder anderen, der aus Karlsruhe oder Rastatt kommt, auch mal an.

Das Schlimmste, sagt Kölble, wäre, „wenn wir erst nach den Sommerferien so proben dürften wie früher.“ Dann sei auch das Jahr 2021 für größere Konzerte, die intensiv vorbereitet werden müssten, gelaufen. Ihr persönlich gehe es finanziell ganz gut, weil sie lange an der Musikhochschule gearbeitet habe. „Aber Kollegen, die nur ihre Chöre haben, stehen zum Teil richtig schlecht da.“

Ein weiteres Jahr ohne Einnahmen - dann wird’s eng

Noch sei die Situation für den „Edelweiß Bruchhausen“ mit dem gemischten Chor „Intone“ und dem Männerchor finanziell nicht prekär, meint Vorsitzender Albrecht Ditzinger und erwähnt, dass über den Badischen Chorverband eine Unterstützung geflossen sei. Ein weiteres Jahr dürften aber die Einnahmen aus Spargelfest, Konzerten und dem Bruchhausener Dorffest nicht fehlen, „sonst wird’s eng“. Digitale Proben gebe es in dem Sinn keine, man könne sich aber auf der Website Lieder in der jeweiligen Stimmlage herunterladen und zu Hause alleine singen. „Das ist eine Art Karaoke-Datei“, so Ditzinger.

Das ersetzt alles nicht die Chorstunden, bei denen man sich sieht.
Günter Glasauer, Jazzchor Ettlingen

Online unterwegs ist der 25 Jahre alte Ettlinger Jazzchor seit dem Dirigentenwechsel von Wolfgang Klockewitz zu Aldo Martinez vor ein paar Monaten „Wir haben uns überlegt, wie wir die Mitglieder in diesen Zeiten zusammenhalten können“, nennt der Vorsitzende Günter Glasauer ein Motiv für die Entscheidung.

Die jeweiligen Stücke, die geprobt werden sollen, würden als MP3 eingespielt und jeder könne dann zuhause in seiner Stimmlage mitsingen. Oder dem Chorleiter eine Übung auch mal zurücksenden mit der Bitte, Fehler zu korrigieren. „Das ersetzt natürlich alles nicht die Chorstunden, bei denen man sich sieht und sich im direkten Kontakt austauschen kann, aber es ist besser als nichts“, sagt Glasauer. Die Resonanz auf die digitale Alternative sei im Chor „sehr positiv“, aber natürlich sei sie keine Dauerlösung. Glasauer hofft auf eine Normalisierung im Kulturbereich und damit auch für die Chöre ab spätestens März.

Es fehlt auch die Geselligkeit nach der Chorstunde.
Markus Bader, Liedertafel Ettlingen

In kleineren Gruppen virtuell probt während des Lockdowns auch die Ettlinger Liedertafel mit ihrem Modernen Chor „Vocalis“, während der Gesang beim Konzert- und beim Stammchor derzeit ruht. Für Ende April sei eigentlich ein Konzert von „Vocalis“ im Asamsaal geplant, dahinter stünden aber Fragezeichen trotz online-Singstunden. Bader freut sich, dass bislang kaum Sänger abgesprungen sind, obwohl das Virtuelle kein wirklicher Ersatz für direkte Begegnungen und damit soziale Kontakte sei. „Es fehlt auch die Geselligkeit nach der Chorstunde.“

Virtuelle Probe: Die derzeit einzige Möglichkeit zur Singstunde nutzt das Vokalensemble der Germania Spessart. Dirigent Wilke Lahmann möchte, dass sein Chor auf diese Weise die Corona-Zeit übersteht. Foto: Germania Spessart

Beim 50 Stimmen starken Vokalensemble der Germania Spessart beschränkt sich Chorleiter Wilke Lahmann vorerst aufs Digitale. Die Erfahrungen damit seien durchweg gut. „Es gibt aber auch einige Mitglieder, die wollen leider nicht mitmachen“. Lahmann sieht sich derzeit vor allem als Motivator für die Sängerinnen und Sänger, damit sie die Corona-Durststrecke weiter durchhalten. Er würde gerne so schnell wie möglich zu den herkömmlichen Proben zurückkehren. Seine Befürchtung: „Vor Ostern wird das nichts.“

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