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Gastronomen im Lockdown

Essen zum Abholen in Ettlingen: Was ist ab Mittwoch noch möglich?

Asiatisch, italienisch oder gutbürgerlich: Das Angebot für Essen zum Mitnehmen in der Ettlinger Innenstadt ist ziemlich vielfältig. Durch den Corona-Lockdown hat es sich noch erweitert. Eine Hürde sind für die Gastronomen die verschärften Maßnahmen ab Mittwoch.

Imbiss: Currywurst mit Pommes gibt es am Ettlinger Bratwurststand. Der ist eine richtige Institution in der Stadt und bei vielen Bürgern beliebt. Foto: Julia Trauden

In Zeiten von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gewinnen sie immer mehr an Bedeutung: Abhol- und Lieferdienste. In Ettlingen ist die Zahl der Angebote für Essen zum Mitnehmen zweiten Lockdown gewachsen. Neben klassischen Imbissgerichten wie Pizza, Bratwurst, Döner und Asia-Nudeln bieten Restaurants aufwendigere Speisen wie Cordon Bleu, Tafelspitz oder Kassler mit Sauerkraut.

Während das Geschäft in den Imbissen bisher ganz gut lief, ging es in den klassischen Restaurants nur schleppend voran. Einen tiefen Einschnitt wird für einige die Verschärfung des Lockdowns am Mittwoch bedeuten.

Montagmittag um halb zwei ist die Schlange vor dem Dönerladen in der Leopoldstraße mit Abstand am längsten. Es sind vor allem Schüler, die sich hier in der Pause etwas zum Essen holen. Sie machen das Hauptgeschäft im Pizza- und Kebaphaus Anatolia aus, erklärt Yunus Korkmaz, der hier jeden Tag hinter der Theke steht.

Beliebt bei Schülern: Döner geht immer, weiß Yunus Korkmaz vom Pizza- und Kebaphaus Anatolia. Bei ihm stehen mittags die Jugendlichen Schlange. Abends ist dagegen Flaute, seit man nicht mehr im Imbiss essen kann. Foto: Julia Trauden

Die vorgezogene Schulschließung am Mittwoch dürfte ihm heftige Umsatzeinbußen bringen. Das Abendgeschäft, das mit der seit Samstag geltenden Ausgangssperre ab 20 Uhr ohnehin nicht mehr möglich ist, hat sich für Korkmaz nicht gelohnt. Seit man nicht mehr drinnen sitzen konnte, sei abends nichts mehr los gewesen.

Kaum Betrieb am Abend im Asia Wok

Ähnlich geht es Xuan Binh Nguyen vom Asia Wok wenige Meter die Straße runter. „Mittags und nachmittags geht’s, aber abends ist gar nichts mehr“, sagt er. 800 bis 1.000 To-go-Boxen hat Nguyen gerade gekauft, sie stapeln sich auf den Tischen und Stühlen, wo früher die Gäste saßen. Die Einwegboxen reichen ihm über einen Monat, sagt er. Zwischen 30 und 60 Essen gibt er pro Tag raus. Vor dem Lockdown waren es mehr.

Für Jasmin Schlotterer, Inhaberin der Schlotti Salatbar in der Marktpassage, wird der verschärfte Lockdown ein „harter Einschnitt“. Denn das Hauptpublikum seien Einzelhändler aus der Umgebung, die ihre Läden am Dienstagabend schließend müssen. Zwischen 10 und 14 Uhr bietet „Schlotti“ nicht nur Salate, sondern auch Suppen oder Wraps zum Mitnehmen an.

Ist Essen auf die Hand weiter erlaubt?

Von schwankenden Kundenzahlen berichtet Damian Polanin, der hinter dem Bratwurststand vor dem Schloss steht. Mit weniger Laufkundschaft muss er in den kommenden Tagen vermutlich rechnen. Außerdem werden die Mitarbeiter strenger darauf achten müssen, dass die Kunden ihre heiße Bratwurst oder die Portion Pommes nicht direkt am Stand verzehren.

Imbiss: Der Ettlinger Bratwurststand ist eine richtige Institution und bei vielen Bürgern beliebt. Foto: Julia Trauden

Der Ettlinger Ordnungsamtleiter Kristian Sitzler geht davon aus, dass die Landesregierung den Verzehr von Speisen und Getränken vor Ort im öffentlichen Raum untersagen wird. Eine ähnliche Regelung gab es bereits im Frühjahr. Sie würde auch Benjamin Lichtenberger vom Restaurant „Zum Sternen“ betreffen, der an einer offenen Theke Langos, Pommes, Bratwurst und Crêpes verkauft. Die meisten Kunden essen direkt vor Ort, sagt er - das werde wohl bald nicht mehr möglich sein.

Pizza, Cannelloni, Rigatoni und Salat gibt es in der Snackbar der Markthalle/Casa del Gusto in der Badener-Tor-Straße. Alexandra Feser und Tumminello Piero haben früh geahnt, „dass da was aus China kommt“ und daher bereits im Januar die Theke mit Essen zum Mitnehmen eingerichtet. Das Geschäft sei langsam angelaufen, sagt Fese. Weil zu den Kunden auch viele Schüler zählen, dürften die verschärften Corona-Maßnahmen die Bilanz aber wieder trüben. Zum Glück können die Inhaber auf Stammkunden zählen: „Es gibt welche, die zweimal die Woche konsequent bestellen, weil sie wollen, dass das Restaurant im Frühjahr wieder aufmacht.“

Italienischer Klassiker: In der Markthalle in der Badener-Tor-Straße schneidet Delia Tomano Pizzastücke. Die Inhaber haben die Situation frühzeitig erkannt und schon im Januar ihre Snackbar wieder eröffnet. Foto: Julia Trauden

Bier zum Abfüllen statt Käsespätzle und Kassler

Schwerer als die Gastronomen, die Snacks wie Pizza anbieten, haben es Restaurants wie das Vogelbräu oder der Markgrafenkeller. Das Vogelbräu bietet erst seit dem zweiten Lockdown Essen zum Abholen an, berichtet Serviceleiter Dave Laubenstein. Zwischen 12 und 19 Uhr gibt es wechselnde Tagesgerichte wie Käsespätzle, Kassler oder Chili con Carne. Bisher, so Laubenstein, „läuft es schleppend“. Ungefähr 20 Gerichte am Tag würden abgeholt, am Wochenende seien es etwas mehr. Am besten verkaufe sich weiterhin das Bier, das man sich dort in wiederverschließbaren Flaschen abfüllen lassen kann.

Auch beim Markgrafenkeller, der mit Aufstellern für deftige Gerichte wie Cordon bleu oder Rindertafelspitz in Meerrettichrahm wirbt, sind die Kunden zurückhaltend. Zehn Bestellungen am Abend und sechs bis acht am Mittag zählt Hans-Joachim Reinhart im Schnitt am Wochenende. Als „sehr schleppend“ bezeichnet er das Geschäft unter der Woche. Gänsebraten sei zurzeit beliebt - den liefert der Gastronom, der derzeit mit einem Lehrling und seiner Frau Silvia den Laden schmeißt, auf Wunsch auch aus.

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