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Bundesweites Projekt 100 Nanometer

Leere des Lockdowns: Malscher Fotograf lichtet Selbstständige in ihren Betrieben ab

Wenn es für den Lockdown Symbolbilder bräuchte, hätte Marco Durin Duchac aus Malsch gleich einen ganzen Stapel anzubieten. Der 44-Jährige fotografiert Selbstständige, die wegen Corona nicht ihrer Arbeit nachgehen können.

Blick in die Leere: Dagmar Sammüller sitzt an einem Tisch auf der Tanzfläche ihres Lokals „Lauinger“ in Malsch, das coronabedingt zu bleiben muss. Foto: Marco Durin Duchac

Die Lichter sind an, doch die Musik ist verstummt. In der Mitte der Tanzfläche steht nur ein einsamer Tisch mit vier Stühlen. Auf einem sitzt Dagmar Sammüller und blickt in die Leere ihres Tanzlokals in Malsch, das seit Jahrzehnten eine richtige Kulteinrichtung ist.

Aus allen Ecken Baden-Württembergs pilgerten am Wochenende die Tanzwütigen hierher. Bis im März 2020 Corona kam und das Lauinger schließen musste.

Die Aufnahme von Dagmar Sammüller inmitten des riesigen Saals ist das Foto, das Marco Durin Duchac am meisten fesselt. Es ist eines von 22 Bildern, die der Fotograf für das bundesweite Projekt 100 Nanometer gemacht hat.

22 Aufnahmen von Menschen aus Malsch und Umgebung

100 Nanometer (100 Milliardstel eines Meters) beträgt etwa der Durchmesser des Coronavirus, das gerade die Welt lähmt und viele Menschen an die Grenzen ihrer Existenz bringt. Die Kosmetikerin, den Bar-Inhaber, die Inhaberin einer Tanzschule, den Betreiber eines Fitnessstudios und viele mehr.

All diese Menschen stehen im Zentrum der Aktion, an der sich 56 Fotografen aus ganz Deutschland beteiligen. Sie soll auf die von der Pandemie besonders betroffenen Branchen aufmerksam machen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen.

Durch Zufall hat Marco Durin Duchac von „100 Nanometer“ erfahren: „Auf Facebook ist mir das entgegengeflogen“, erzählt er. Für den 44-Jährigen, der in Malsch aufgewachsen ist, bot die Kampagne die perfekte Gelegenheit, an ein Projekt anzuknüpfen, das er schon im Herbst vergangenen Jahres gestartet hatte. „Lost Places“ hieß es und bestand aus Fotos von Geschäftsleuten in ihren leeren Räumen.

Wie er auf die Idee gekommen ist? „Ich mache gerne viel für die Locals hier im Umkreis“, erklärt der gelernte Schreiner, der die Fotografie vor zehn Jahren als Hobby entdeckte und sich 2016 selbstständig machte. Mit seinen Fotos wolle er den vom Lockdown betroffenen Unternehmern die Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren, „zu zeigen, dass sie noch da sind.“

Verschiedene Branchen sind vom Lockdown betroffen

Für eine Bearbeitungsgebühr fotografierte Durin unter anderem den Vorsitzenden der Malscher Interessengemeinschaft (IG) der Einzelhändler, Wolfgang Elsässer, in seinem Bekleidungsgeschäft, Patric Gondorf in seinem Restaurant „Fräulein Chicken“, Dunja Heinzler in ihrem leeren Kosmetikstudio „Anirveda“ oder Sängerin Sabrina Dittrich, die einsam mit ihrem Mikro auf der Straße steht.

Da stehen ganz viele Existenzen hintendran.
Marco Durin Duchac, Fotograf aus Malsch

Mit den Fotos will Durin nicht nur auf das Schicksal der Betriebsinhaber, sondern auch auf die Situation ihrer Angestellten aufmerksam machen: „Es sind ja beispielsweise nicht nur die Gastronomen betroffen, sondern auch deren Küchenhilfen oder Kellner“, sagt er. „Da stehen ganz viele Existenzen hintendran. Das ist teilweise schon erschreckend.“ Auf Facebook und Instagram verbreitet der 44-Jährige die Fotos.

Ich hoffe, dass wir die gleichen Möglichkeiten kriegen wie die Kollegen in Rheinland-Pfalz.
Wolfgang Elsässer, Einzelhändler aus Malsch zur Öffnungsperspektive

„Ein bisschen Aufmerksamkeit“ hat sich Wolfgang Elsässer von der Foto-Aktion erhofft. Der Inhaber von fünf Geschäften in Malsch, Rheinstetten und Durmersheim ist recht zuversichtlich, dass nach der Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Mittwoch zumindest eine eingeschränkte Öffnung des Einzelhandels möglich ist, wie es sie bereits in Rheinland-Pfalz gibt.

Bei „Click and Meet“ können Kunden einen Termin zum Einkaufen vor Ort vereinbaren, einzeln dürfen sie dann im Laden Kleidung anprobieren und sich beraten lassen. Mit Überraschungsboxen, die er für seine Kundinnen zusammenstellt, hält Elsässer sich gerade über Wasser. Auf diese Weise erziele er bis zu 15 Prozent seines üblichen Umsatzes.

Gastronom macht sich keine Hoffnungen

„Ich bin mir sicher, dass wir bis nach Ostern warten müssen“, sagt Hardy Schröder, Geschäftsführer des Malscher Biergartens, der Hausbrauerei Alter Bahnhof und des Café JuNi. Seine 21 Festangestellten sind in Kurzarbeit, die 90 Aushilfen hat er abgemeldet und hofft, sie wieder einsetzen zu können, wenn der Lockdown vorbei ist. Er sei recht optimistisch, sagt Schröder und verweist auf die Impfungen und den Frühling, der vor der Haustür steht. Noch hat er einen finanziellen Puffer.

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