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Nur Kassenärzte werden beliefert

Privatarzt aus Waldbronn beklagt „Zweiklassenmedizin“ beim Impfen in Hausarztpraxen

Heinz Oehl-Voss ist Vizevorsitzender des Privatärztlichen Bundesverbandes (PBV) und betreibt eine private Hausarztpraxis in Waldbronn. Er ärgert sich, dass Privatärzte im Gegensatz zu Kassenärzten vorerst keine Impfstoffe von Apotheken erhalten.

Die Corona-Impfungen in Hausarztpraxen beginnen diese Woche. Privatärzte werden allerdings vorerst nicht mit Impfdosen beliefert. Foto: Hannibal Hanschke/Reuters/Pool/dpa

In seiner Praxis in Waldbronn hatte Heinz Oehl-Voss alles für die Impfungen seiner Patienten vorbereitet.

Doch dann hieß es rund eine Woche vor dem offiziellen Impfstart in Hausarztpraxen plötzlich, dass Apotheken nur Vertragsärzte und keine Privatärzte mit Impfstoff beliefern dürfen. Dafür hat Oehl-Voss kein Verständnis.

Im Gespräch mit den BNN kritisiert er die kurzfristige Information über den Ausschluss der Privatärzte und die Bürokratie, die den schnellen Impffortschritt verhindere.

Die Impfungen in Hausarztpraxen beginnen diese Woche – nur Privatpraxen werden nun nicht beliefert. Woran liegt das?
Oehl-Voss

Das liegt zum einem am Stau, der durch das Hin und Her um den Impfstoff von Astrazeneca entstanden ist, zum anderen daran, dass der Impfstoff allgemein knapp ist. Deutschland hat kürzlich bekannt gegeben, dass es zugunsten schwächerer EU-Länder auf 500.000 Impfdosen verzichtet. Man hat dann ziemlich willkürlich gesagt, dass vorerst nur Kassenärzte mit Impfdosen versorgt werden – eine Woche bevor es losgehen sollte.

Von der Kassenärztlichen Vereinigung heißt es, die organisatorische Abwicklung sei der Grund, warum Impfdosen nicht an Privatärzte vergeben werden.
Oehl-Voss

Das stimmt zwar, die Bestellung, Abrechnung und Dokumentation gegenüber dem RKI laufen über das System der Kassenärztlichen Vereinigung, an das wir als Privatärzte nicht angeschlossen sind. Aber es sollte doch möglichst unkompliziert weitergehen, möglichst schnell viele geimpft werden. Und da darf einfach diese ewige Bürokratie nicht derart hindern. In zwei bis vier Wochen, wenn es mehr Impfstoffe gibt, besteht dieses Problem weiterhin. Die Übermittlung an das RKI muss anders laufen.

In einem Interview haben Sie im Zusammenhang mit Impfungen von einer „Zweiklassenmedizin“ gesprochen. Sind jetzt Privatpatienten benachteiligt?
Oehl-Voss

Ganz klar. Ich denke dabei vor allem an meine über 80-jährigen Patienten, die nicht mobil sind und auf einen Hausbesuch angewiesen sind. Wie sollen die nun versorgt werden? Versuchen Sie mal, als Privatpatient einen Kassenarzt zu finden, der sich um Sie kümmert.

Wann können Ihre Patienten voraussichtlich auf eine Impfung hoffen?
Oehl-Voss

Es gibt inzwischen einige Privatärzte, die rechtliche Schritte eingeleitet haben, um zu erreichen, dass auch wir impfen dürfen. Sie beklagen unter anderem die Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes im Grundgesetz und einen Eingriff in die Berufsfreiheit. Ich würde mal sagen, dass es in drei Wochen schon anders aussieht. So lange kann ich meine Patienten gerade noch vertrösten.

Wie viele Privatpraxen sind durch die Regelung nun vorerst von Impfungen ausgeschlossen?
Oehl-Voss

Es gibt in Deutschland vielleicht 10.000 relevante Arztpraxen, davon geschätzt 7.500, die ganz gerne an den Impfungen teilnehmen würden. Das sind aber nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Fachärzte.

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