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Wohnungsmarkt

Baugemeinschaft erwägt Ausstieg aus dem Mietwohnungsbau in Ettlingen

Keine guten Nachrichten für den Ettlinger Wohnungsmarkt: die Baugemeinschaft als große Genossenschaft sieht sich zunehmend nicht mehr in der Lage, neue Mietwohnungen zu bauen. Das hat verschiedene Gründe.

Größtes Projekt: An der Ecke Durlacher Straße/Steigenhohlstraße in Ettlingen baut die Baugemeinschaft 52 neue Mietwohnungen. Bis April 2022 sollen sie bezugsfertig sein. Foto: Heidi Schulte-Walter

Gibt es künftig noch weniger Mietwohnungen auf dem ohnehin extrem angespannten Ettlinger Wohnungsmarkt? Das könnte gut sein, denn die Baugemeinschaft Ettlingen (BG) überlegt, sich aus der Neubautätigkeit in der Großen Kreisstadt zurückzuziehen.

Das tut sie nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern laut, und zwar sowohl durch ihren Vorstand als auch den Aufsichtsrat. So machte Geschäftsführer Thomas Müller bei der Vertreterversammlung unmissverständlich klar, dass die große Genossenschaft fürchtet, sich „aufgrund immer höherer Bau- und Baunebenkosten sowie immer mehr gesetzlicher Regelungen und Einschränkungen zulasten des Vermieters“ nicht mehr mit dem Thema Neubau von Wohnungen befassen zu können.

Derzeit hat die BG 983 Wohnungen in ihrem Bestand, 20 mehr als 2019. Ihr größtes Neubauprojekt verwirklicht sie bis zum April 2022 am Minikreisel Durlacher Straße. Dort entstehen 52 Mietwohnungen für Genossenschaftsmitglieder, das Investitionsvolumen liegt bei 20 Millionen Euro.

15 Euro je Quadratmeter: Baugemeinschaft Ettlingen kritisiert erschreckend hohe Kosten

„Inklusive Grunderwerb von der Stadt sind wir inzwischen bei Herstellungskosten von 4.000 Euro je Quadratmeter“, sagte Müller den BNN. Das bedeute, die Mieten im Neubau könnten bis zu 15 Euro je Quadratmeter betragen. Solche Zahlen seien auch für die Baugemeinschaft erschreckend.

Inzwischen haben wir 4.000 Euro pro Quadratmeter Herstellungskosten.
Thomas Müller, Vorstand der Baugemeinschaft

Beendet ist das Engagement in der Rheinstraße 145/145a, die Gebäude sind von Mietern genauso bezogen wie 13 neue Wohnungen in der Straße Im Bahnwinkel in Pfinztal-Söllingen. Dort befindet sich die Genossenschaft Müller zufolge noch in einer juristischen Auseinandersetzung um den Kindergarten, in dem „die verantwortliche Sanitärfirma gepfuscht“ hat. Ein Wasserschaden sei dort eingetreten, der Kosten in Höhe von rund 280.000 Euro verursachte.

Aktiv ist die BG weiter im Karlsruher Stadtteil Grötzingen, wo unter anderem in der Eugen-Kleiber-Straße 22 Mietwohnungen und ein Kindergarten für fünf Gruppen realisiert werden sollen. Die Bauvoranfrage ist gestellt.

Projekt Mietwohnungen in der Seestraße Ettlingenweier hat sich erledigt

Erledigt hat sich hingegen das Vorhaben in der Seestraße Ettlingenweier, wo die Genossenschaft eigentlich für die Stadt zunächst Asylbewerberunterkünfte, später dann 13 Sozialwohnungen errichten wollte. Da sich das Projekt aufgrund von Nachbarschaftseinwänden zeitlich hinzog und das Land zunächst bewilligte Zuschüsse strich, „kommt der Neubau für uns nicht mehr infrage“.

Trotz der Belastungen aus der Neubautätigkeit nimmt die Baugemeinschaft auch für die Sanierung ihres Bestandes viel Geld in die Hand. So etwa in Ettlingen-West in der Hohewiesenstraße sowie im Odertalweg, wo 1,5 Millionen Euro vor allem für energetische Verbesserungen ausgegeben werden.

Die durchschnittliche Miete lag 2020 bei 7,25 Euro pro Quadratmeter, hat sich damit gegenüber 2019 (6,71 Euro) deutlich erhöht. Die Betriebskosten betrugen für Mieter 2,11 Euro pro Quadratmeter (2019: 1,98).

Weiter ansteigend ist die Zahl der Mitglieder: Knapp 200 kamen im vorigen Jahr neu dazu, sodass jetzt 3.661 Frauen und Männer der Genossenschaft angehören mit einem Geschäftsguthaben von insgesamt 5,7 Millionen Euro. Für sie gibt es aus dem Bilanzgewinn von 226.000 Euro erneut eine Dividende von vier Prozent.

Wohnen zu vernünftigen Preisen ist weiter unser Ziel.
Axel Münch, Aufsichtsratsvorsitzender

Thomas Müller betonte, die Baugemeinschaft sei mit einem positiven Jahresergebnis von gut 309.000 Euro zufrieden, sie werde weiter auf „nachhaltiges Wachstum“ setzen und trotz aller Widrigkeiten darauf achten, die Mieten „für unsere Mieter bezahlbar zu halten“. Das unterstrich auch Axel Münch, Nachfolger von Josef Offele als BG-Aufsichtsratsvorsitzender: „Wohnen zu vernünftigen Preisen“ sei unverändert Ziel der Genossenschaft genauso wie die Förderung ihrer Mitglieder.

Gerade in Ettlingen sei es aber fast schon unmöglich, an bezahlbare Grundstücke zu kommen, die dann für Mietwohnungen bebaut werden könnten. Die Politik habe die weitere Entwicklung in der Hand.

„Wollen wir nur noch Bauträger, die dann zu Höchstpreisen neue Eigentumswohnungen verkaufen?“, fragte Münch. Er wurde für drei weitere Jahre in den Aufsichtsrat gewählt, während Heinz Lang aus Bretten aus dem Gremium altersbedingt ausscheiden musste. Ihn ersetzt künftig Tamara Schönhaar aus Pfinztal.

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