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Krankenhaus am Limit

Corona-Lage am Klinikum Karlsruhe: Entspannung ja, Entwarnung nein

Die Covid-Stationen im Städtischen Klinikum sind weiterhin voll belegt. Entwarnung ist noch keine in Sicht, und das Pflegepersonal kommt langsam auch an die psychisch Belastungsgrenze.

An der Belastungsgrenze arbeiten Mediziner und Pflegekräfte momentan in den Kliniken. Auch in Karlsruhe ist die Situation angespannt. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Lob für den neuen Corona-Kurs der Landesregierung gibt es aus dem Städtischen Klinikum Karlsruhe. „Es ist klar, dass wir 2G brauchen. Und in manchen Bereichen auch 2G-plus“, sagt Franz Kehl.

Denn nur durch Kontaktbeschränkungen können die Infektionszahlen nach Einschätzung des Klinikdirektors für Intensivmedizin in den kommenden Wochen wieder nach unten gedrückt werden.

Außerdem sei die Seitwärtsbewegung bei der bundesweiten 7-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen vielleicht ein Zeichen, dass die Menschen in Deutschland wieder vorsichtiger seien und Kontakte freiwillig reduzieren würden. „Deshalb können wir etwas durchatmen“, sagt Kehl. „Aber für Entwarnung ist es noch zu früh.“

Lage ist weiterhin angespannt

Die Lage im Klinikum ist nämlich weiterhin angespannt und momentan steht dort kein freies Intensivbett zur Verfügung. Neben den elf Intensivbetten auf den Covid-Stationen sind noch 34 Intensivbetten durch andere Notfälle belegt, immer wieder müssen Patienten nach Rheinland-Pfalz verlegt werden. Gut ausgelastet sind mit derzeit 30 Patienten auch die drei Covid-Normalstationen. „Und da besteht immer die Gefahr, dass die Patienten bald intensivmedizinisch behandelt werden“, so Kehl.

Die derzeitigen Covid-Intensivpatienten sind zwischen 32 und 77 Jahre alt. Nicht alle werden wieder gesund, stellt Kehl klar. Die Sterblichkeitsrate auf der Station beträgt seit einem halben Jahr rund 33 Prozent.

Schwerste Verläufe bei Ungeimpften

Rund 42 Prozent der Intensivpatienten auf der Covid-Station sind derzeit doppelt geimpft. Bei fast allen dieser Patienten handelt es sich laut Kehl aber um Menschen mit einer Immunsuppression, bei der das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird, etwa nach einer onkologischen Behandlung.

„Die schwersten Verläufe haben aber nach wie vor Ungeimpfte“, betont Kehl. Weitere Faktoren für einen schweren Verlauf seien auch weiterhin „Wohlstandserkrankungen“ wie starkes Übergewicht oder Diabetes.

Ein Aufstocken der Intensivkapazitäten ist im Städtischen Klinikum Karlsruhe wegen der angespannten Personalsituation nicht möglich. Erste Engpässe konnten bereits durch den Einsatz von Auszubildenden aus den Rettungsdiensten überbrückt werden, dennoch können derzeit 30 Prozent der Betten nicht genutzt werden. „Es ist mittlerweile auch eine große psychische Belastung für das Personal“, sagt Pflegedirektorin Elvira Schneider.

Neue Herausforderung namens Omikron

Patienten, die sich mit der neuen Omikron-Variante angesteckt haben, werden im Klinikum noch keine behandelt. „Was die Variante für die Krankenhäuser bedeutet, kann noch niemand richtig einschätzen“, sagt Klinikdirektor Martin Bentz. Wenn Omikron tatsächlich infektiöser sei, werde die mutmaßlich aus Südafrika stammende Mutante die Delta-Variante über kurz oder lang verdrängen.

Ein wichtiger Faktor bei der Ausbreitung von Omikron ist für Bentz auch der Schutz der Geimpften gegen die neue Variante. „Biontech hat zwar bereits angekündigt, innerhalb von wenigen Wochen einen angepassten Impfstoff entwickeln zu können“, so Bentz. Aber bis dieser Impfstoff in ausreichenden Mengen produziert und verteilt ist, würden mit Sicherheit mehrere Monate ins Land ziehen.

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