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Coro-Narren in Karlsruhe

Fröhliche Farbtupfer in Durlacher Fenstern statt großem Narrenumzug

Es ist ein stilles Fastnachtswochenende – aber nicht alles fällt flach. Familien mit Neigung zum närrischen Frohsinn können in Durlach noch bis Dienstag einen kleinen Rundgang zu Fenstern mit Narrenpuppen absolvieren.

Fastnacht im Schaufenster: Die Dekoration und Bonbons aus dem Stoffladen am Saumarkt in Durlach trösten Anne Fetzer und ihre Tochter Bella Barbara ein bisschen hinweg über den Verzicht auf tollen Trubel. Foto: Jörg Donecker

Grün, gelb, rosafarben und orangerot purzeln die Bonbons aus dem Papiertütchen, das Hatice Kammerer am Fastnachtssamstag überreicht. Es ist ihre fröhliche Überraschung für Besucher an der Tür ihres Stoffladens am Durlacher Saumarkt. Bei Anne Fetzer und ihrer vierjährigen Tochter Bella Barbara kommen die Gutsele in die richtigen Hände.

Mutter und Tochter würden jetzt gern in den tollen Trubel eintauchen. Am Fastnachtssonntag bei solch strahlendem Sonnenschein hätten sie vielleicht mit 100.000 gleichgesinnten ausgelassenen Jecken am Straßenrand gestanden, wenn sich nachmittags der Durlacher Fastnachtsumzug durch die Altstadt geschoben hätte.

Doch es ist Corona, und die Fastnachtsfreunde müssen die Füße still halten. Allerdings können vor allem Familien mit kleinen Kindern oder müßige Spaziergänger, die sich fürs Brauchtum interessieren, ihre Füße nutzen, um eine kleine Tour durch Durlachs Landschaft der Fastnachtsvereine zu machen.

Der Saumarkt ist ein guter Start dafür. Ein Fenster des Stoffladens hat nämlich der Elferrat der Lyra Durlach fastnachtlich dekoriert. Bella Barbara mustert konzentriert den Fotostreifen auf ihrer Augenhöhe. Die kostümierten Gardetänzerinnen haben es dem Mädchen angetan. „Ich habe zuhause auch einen rosafarbenen Tütü. Und Flügel dazu“, beschreibt sie stolz ihr Schmetterlingskostüm vom letzten Jahr.

Nähstube statt Party mit Freundinnen

Nicht lange, und Bella wird in ein Zebrakostüm schlüpfen. In ihre Durlacher Kindertagesstätte kommen nämlich trotz Corona die Kinder einmal verkleidet. Anne Fetzer trägt das Kostüm schon in der Tasche. Den Stoffladen steuert sie an, weil sie noch eine Pumphose nähen möchte. Andere decken sich zur Fastnacht noch ein mit farbenfrohen, glitzernden oder zarten Stoffen, Bändern und Borten.

Die Freude am Kostümieren gehört zu den wenigen Dingen, die der Pandemie nicht völlig zum Opfer fallen müssen. Ausgefallen hingegen ist Fetzers Tradition, sich mit Freundinnen zu Rosenmontag bei Ulm zu treffen. „Wir genießen es immer sehr, uns zum bayerischen Fasching wiederzusehen, seit es uns in alle Richtungen zerstreut hat“, sagt Anne Fetzer.

Ich bin der Bürgermeister der Coro-Narren.
Edgar Müller, Künstler und Fastnachter

Nur ein paar Schritte weiter tönen unüberhörbar Schellen aus einem Zelt um einen Gemüsestand auf dem Marktplatz. Der Bildhauer Edgar Müller hat sich zur Feier des Tages den traditionellen Ledergurt übergeworfen. Unter einer Langhaarperücke aus Stroh trägt er artig eine Maske, die Mund und Nase bedeckt.

Tischtennisballgroße Pilze trägt er zwischen den Fingern, sie sehen aus wie kuriose Siegelringe. „Ich bin der Bürgermeister der Coro-Narren“, ruft Müller laut jedem zu, der ihn begrüßt – und das sind viele. Man kennt den Mann, der am Fastnachtssamstag den „einsamen Jecken“ gibt und in der Bienleinstorstraße mitten in der Durlacher Altstadt zuhause ist. Traditionell ist sein alemannischer Abschiedsgruß: „Hoorig hoorig isch die Katz“.

Vorfreude auf den Narrensprung 2022

Das klingt vertraut für Anna-Lena Wilhelm. Die Mutter der dreijährigen Emily stammt aus St. Blasien, wo die alemannische Fastnacht regiert. Diesmal wäre das Töchterchen alt genug gewesen für einen turbulenten Straßenumzug, meint auch der Vater Julius Wilhelm. „Nächstes Jahr würde mich vor allem der Grötzinger Narrensprung interessieren“, sagt seine Frau.

Neben der Friedrich-Realschule reckt sich in einem Schaufenster eine dunkle Dornwaldhexe aus Luftschlangengewirr zu düsterer Größe. Sie zieht eine böse Fratze und bleckt scharfe weiße Reißzähne vor gepflegter Herrenmode. Ein Plakat nennt dort auch die weiteren vier Anlaufstellen mit exakter Adresse weiter westlich in der Pfinztalstraße (KaGe Blau-Weiss Durlach), in der Blumentorstraße (Karnevalsgesellschaft KaGe 04), gegenüber der Karlsburg (Turmberghexen und Letschebacher Knaddles) sowie Richtung Durlacher Post (GroKaGe Durlach).

Barbara Reichertz ist eine leidenschaftliche Fastnachterin. Aus Hambrücken kommt sie, wohnt aber schon lange in Durlach und genießt sonst das dort üppige närrische Veranstaltungsangebot. „Das letzte Mal war ich als Piratin in der Festhalle“, erinnert sie sich. Diesmal findet die 55-Jährige die Fastnachtszeit einfach nur trübselig.

Dazu passt, was Inge aus Stupferich erlebt hat. Jemand hatte an ihrem Spazierweg Richtung Batzenhof ein großes „Helau“ in den Schnee gezeichnet. Doch am Samstag ist die Schrift, die auch andere Vorübergehende lächeln ließ, wie die Fastnachtskampagne 20/21 vom Winde verweht.

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