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Rotes Kreuz beteiligt sich nicht

Gesundheitsamt in Karlsruhe kritisiert Corona-Schnelltest-Projekt: Ergebnisse „mit Vorsicht zu interpretieren“

Das Corona-Schnelltest-Projekt des Landes zu Weihnachten stößt beim Gesundheitsamt im Landratsamt Karlsruhe auf Kritik. Das Rote Kreuz verzichtet deshalb auf eine Beteiligung in Karlsruhe.

Schnelltest: Auch in Karlsruhe gibt es demnächst die Möglichkeit zur raschen Corona-Testung. Die Zuverlässigkeit wirft jedoch Fragen auf. Foto: CoviMedical

Am Montag, 21. Dezember, steht auf dem Bahnhofsplatz beim Hauptbahnhof in Karlsruhe ein Corona-Schnelltest-Center zur Verfügung. Ab 11 Uhr bietet an diesem Tag das Unternehmen CoviMedical die sogenannten Covid-19-Antigentests an. Dazu wird ein Abstrich aus dem Mund-/Rachenraum genommen.

Buchung und Bezahlung – der Standard-Preis beträgt 39,95 Euro – sind ausschließlich online möglich. Regulär können Termine ab 7.30 Uhr gebucht werden, an Heiligabend wird zwischen 7.30 Uhr und 14 Uhr getestet. Auch an den Weihnachtsfeiertagen sowie an Silvester steht die Möglichkeit bereit.

Das privatwirtschaftliche Angebot ergänzt die Schnelltest-Aktion, die das Stuttgarter Sozialministerium aufgesetzt hat und die die Rettungsorganisationen abwickeln. So gibt es am Mittwoch, 23. Dezember, zwischen 11.30 Uhr und 13.30 Uhr auf dem Karlsruher Marktplatz die Möglichkeit zum kostenlosen Schnelltest sowie an Heiligabend zwischen 12 und 14 Uhr.

Update

Die vorweihnachtlichen Sonder-Schnelltests des ASB in Karlsruhe und Bretten sind auf Bitte von Stadt und Landkreis wieder abgesagt worden.

Ein entsprechendes Angebot wird auch in Durlach vor der Karlsburg gemacht. Dort wird am Mittwoch, 23. Dezember, von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr getestet sowie an Heiligabend zwischen 9 und 11 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht möglich.

Kritische Einordnung

In Karlsruhe kümmert sich der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) um die Umsetzung der vom Land auf den Weg gebrachten Schnelltest-Möglichkeit. Der hiesige Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat laut Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann entschieden, sich nicht zu beteiligen.

Damit nahm man Bedenken auf, die das Gesundheitsamt vorgetragen hatte. Laut Ulrich Wagner, dem dortigen Leiter der Abteilung Infektionsschutz, sind mögliche positive Ergebnisse bei ungezielten Testungen „mit Vorsicht zu interpretieren“. Außerdem müssten positive Antigen-Schnelltests stets durch eine aufwendigere sogenannte PCR-Untersuchung bestätigt werden.

Von Heiligabend bis nach Weihnachten stünden die entsprechenden Kapazitäten im Raum Karlsruhe aber nur sehr reduziert zur Verfügung, so das Gesundheitsamt weiter. Corona-Befunde, die das Amt an Weihnachten über die üblichen Meldewege erreichten, würden „mit hoffentlich ausreichender Personalstärke“ bearbeitet. Eine Beratung von vielen Menschen, die ein positives Schnelltest-Ergebnis hätten und nun PCR-Testtermine bräuchten, sei allerdings nicht zu leisten.

Rech bekräftigt Position

Angesichts dieser Situation beteilige man sich nicht an der Schnelltest-Aktion des Landes, unterstreicht auch Heribert Rech, der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes gegenüber den BNN. Der frühere Innenminister von Baden-Württemberg befürchtet im Einzelfall einen eher negativen als positiven Effekt – zumal ein negatives Schnelltest-Ergebnis mit allenfalls 80-prozentiger Sicherheit zutreffend sei.

Beim ASB ist man hingegen von der Sinnhaftigkeit des Engagements an Pyramide und Karlsburg überzeugt. Einen Kontakt zwischen ASB und Gesundheitsamt hatte es laut Knut Bühler, dem Stellvertreter des Landrats, nicht gegeben. Der Test schlage in rund 1.000 Fällen zehnmal positiv an, obwohl er negativ sein müsste, rechnet ASB-Regionalgeschäftsführer Daniel Groß vor.

Es möge für den betroffenen Personenkreis ärgerlich sein, sich in Quarantäne begeben zu müssen, obwohl sie gesund seien. Für alle anderen Fälle gelte: Übertragungsrisiko minimiert. Noch geringer sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test negativ sei, obschon er positiv ausfallen müsste, weil die Person infiziert ist.

Erster Landesbeamter Knut Bühler übt unterdessen grundsätzliche Kritik an der für 23. und 24. Dezember geplanten Schnelltest-Aktion. Die Gesundheitsverwaltung sei insgesamt am Anschlag, außerdem sei die Botschaft problematisch, ein Schnelltest ermögliche unbeschwerte Weihnachten mit der Verwandtschaft. Deutlich sinnvoller findet er den Weg, den Ettlingen einschlägt: Dort werden die 2.000 vom Land bereitgestellten Schnelltests punktgenau für Besucher der dortigen Pflegeheime genutzt.

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