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Durch Baustellen und Stau

Mit Fahrrad, Auto, Bahn oder zu Fuß: Wie Karlsruher den Verkehr in ihrer Stadt erleben

Taxi- oder Busfahrer, Fußgänger oder Radler – jeder sucht sich täglich seine Wege durch die Stadt Karlsruhe. Werden die Bedürfnisse der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer beachtet? Und wie läuft es mit den Baustellen?

Fahrrad, Auto, Straßenbahn: Fußgänger begegnen am Karl-Wilhelm-Platz in der Karlsruher Oststadt vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern. Foto: Jörg Donecker

Mit dem Auto, dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn: In Karlsruhe haben Pendler die Wahl zwischen mehreren Fortbewegungsmitteln. Und jedes davon hat im Karlsruher Verkehr seine Vor- und Nachteile.

Fahrradfahrer sind vor allem bei kürzeren Distanzen am schnellsten unterwegs, mit dem Auto kommt man bei Regen trocken ans Ziel und mit der Bahn ist man besonders sicher und umweltfreundlich unterwegs.

Doch ist das Verkehrsnetz in Karlsruhe auch auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Verkehrsteilnehmer ausgerichtet? Und wie kommen die Karlsruher eigentlich mit den zahlreichen Baustellen im Stadtgebiet zurecht? Hier schildern Menschen aus Karlsruhe ihre persönlichen Erfahrungen im täglichen Verkehr.

Als Busfahrerin durch Karlsruhe: Fahrten sind „ein echter Kampf“

Benita Kugic ist Busfahrerin aus Leidenschaft, „es ist einfach ein schöner Beruf“. Aber auch ein „sehr anspruchsvoller“, der Kugic und ihren Kollegen bei den Verkehrsbetrieben täglich viel abverlangt. „In der Ruhe liegt die Kraft“, sei ihr Motto. „Aber man braucht schon eine Menge Eigendisziplin“, sagt Kugic.

Benita Kugic: Die 40-Jährige ist auf allen innerstädtischen Bus-Linien der VBK unterwegs. Sie liebt ihren Beruf, der ihr aber täglich viel abverlangt. Foto: Kugic

Fahrten durchs Karlsruher Stadtgebiet sind „ein echter Kampf“, stellt die 40-Jährige fest. „Viele andere Verkehrsteilnehmer gucken nur auf sich, blinken ist offenbar auch ‘out’“. Und es wird ja immer enger und voller auf den Straßen: mehr Individualverkehr, höherer Parkdruck, mehr Radfahrer, Baustellen. „All das bremst uns aus.“ Dabei solle der ÖPNV doch attraktiver werden, bemerkt die Fahrerin.

Kugic, die seit acht Jahren für die VBK fährt und davor schon in Hameln Busse lenkte, ist auf allen Linien im Stadtgebiet unterwegs. Auf der 55 zwischen Kühlen Krug und Hauptbahnhof gehe es beispielsweise stets besonders eng zu, und auch auf der Linie 50 durch Bulach.

Die Grünwinkler Straße dort ist ein echtes Nadelöhr. „Da durchzukommen ist oft besonders schwer. Es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten, man muss sich in kleine Lücken quetschen“, sagt Kugic. Als Ausgleich macht sie viel Sport, Joggen und Anderes, um am nächsten Tag wieder ausgeruht und mit voll geladenem Gedulds-Akku den Bus durch den Karlsruher Verkehr zu lenken.

Routinierte Fahrradfahrer kommen im Karlsruher Verkehr klar

Die großen Karlsruher Baustellen? Umfährt Ulrich Eilmann meistens. Das Vorstandsmitglied des ADFC-Kreisverbandes Karlsruhe ist oft zwischen Durlach und der ADFC-Geschäftsstelle in der Südweststadt unterwegs. Statt durch Kombilösungs-Baustellen radelt er auf Parallelstraßen in Ost-West-Richtung – denn „wer bewusst die Kriegsstraße entlang radelt, muss sehr hart zu sich selbst sein.“

Ulrich Eilmann ist im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Karlsruhe und kommt mit den meisten Baustellen im Alltag gut klar. Foto: privat

Für routinierte Radler stelle sich die Verkehrssituation in der Innenstadt aber nicht so schlimm dar, findet Eilmann. Er macht sich jedoch Gedanken, wie es anderen geht, beispielsweise Eltern mit Kinderanhängern. „Letztens haben sie in der Ottostraße ein Loch gegraben, das nur sehr rudimentär ausgeschildert war.“ Wird es an solchen Stellen für Lastenräder oder Anhänger zu breit, gebe es oft keine Ausweichmöglichkeit oder Umleitung.

Andersherum ärgert es Eilmann, wenn Baustellenschilder für Autofahrer mitten auf Fuß- oder Radwegen aufgestellt werden. „In der Nähe des Hauptbahnhofs musste ich mal ein Schild zur Seite rücken, weil ich mit meinem Lastenrad nicht durchgekommen bin.“

Dass die Baustellen in Zukunft Besserung für Radler versprechen, glaubt Eilmann nur bedingt. So freut er sich zwar auf neu markierte Radwege an der Kriegsstraße – noch besser fände er aber baulich abgetrennte, geschützte Bereiche.

Für den Kinderwagen fehlt wegen parkender Autos in Karlsruhe oft der Platz

Ich bin jeden Tag zu Fuß unterwegs“, sagt Daniela Kunze. Mit einem extrabreiten Kinderwagen neben sich macht sie Station auf dem großen Spielplatz neben der Freiwilligen Feuerwehr in Durlach-Aue. Ihr Auto hat die ausgebildete Speditionskauffrau abgeschafft. „In Karlsruhe kommt man zu Fuß oder mit dem Fahrrad besser durch“, findet sie.

Auf vielen Wegen durchs Grüne ist die Tagesmutter Daniela Kunze zu Fuß unterwegs. Wo Autos parken, ist es für sie mit dem Zwillingsbuggy und den Kleinkindern aber schnell zu eng. Foto: Kirsten Etzold

Auf die „Schlepperei“ gefüllter Taschen zum weit weg geparkten Auto hatte sie keine Lust mehr. Seit 13 Jahren betreut die sportliche Frau kleine Mädchen und Jungen, bis sie ins Kindergartenalter kommen. So kennt sie inzwischen überall grüne Schleichwege. „Wir gehen oft durch Gärten, da sind keine Autos, aber hin und wieder ein Hühnergehege“, erzählt sie.

Die beiden Schlossgärten, bei der Durlacher Karlsburg und natürlich hinter dem Karlsruher Schloss, schätzt sie sehr, auch die Günther-Klotz-Anlage. Zum Einkaufen zieht es sie in die Innenstadt. Gelassen umrundet sie dann zu Fuß die vielen Baustellen: „Das ist jetzt halt nötig und kommt uns später zugute.“

Da merke ich keine große Verbesserung.
Daniela Kunze zur Parksituation in Karlsruhe

Keine spürbaren Vorteile im Alltag bringen der Tagesmutter dagegen die Regeln zum „fairen Parken“, mit denen die Stadt seit Anfang 2019 erreichen will, dass Autofahrer Gehwege nicht zuparken. „Da merke ich keine große Verbesserung. Ich muss oft die Straßenseite wechseln, weil für uns nicht genug Platz auf dem Gehweg ist.“

Was für einen Kurierfahrer im Karlsruher Verkehr das größte Problem ist

Die Baustellen in Karlsruhe und die sich ständig verändernden Verkehrsführungen sind für Marius Gheorghe noch nicht mal das größte Problem. Es sind eher die Fahrradfahrer, die immer mehr werden. „Ständig tauchen sie neben meinem Wagen auf“, sagt Gheorghe. Dann ist allergrößte Vorsicht geboten, denn sein Auto ist ziemlich groß: Ein Sprinter mit langem Radstand und Hochdach.

Der Kurierfahrer Marius Gheorghefindet den Umgang mit Radlern in der City oft schwieriger als den mit Baustellen. Er setzt auf Gelassenheit und gute Laune. Foto: Wolfgang Voigt

Der Mann mit dem roten Dienst-Hemd und der Schirmmütze ist Kurierfahrer; Tag für Tag liefert er im Stadtgebiet Päckchen aus mit Dingen, die sich die Leute im Internet bestellt haben. Und weil sie das gerade zu Pandemie-Zeiten verstärkt machen, hat Gheorghe alle Hände voll zu tun.

Ein Profi-Fahrer wie er mit seinem Sprinter hat es im Karlsruher Verkehrsgetümmel nicht leicht. Er steht unter Zeitdruck, braucht einen Platz, an dem er halten kann, und er muss auf das Verständnis der Politessen und Politeure hoffen. Die machen auch nur ihren Job, genauso wie er.

Mit Gelassenheit und guter Laune komme man jedenfalls zum Ziel – auch in Karlsruhe mit seinen Baustellen, Fahrradstreifen und manchmal gestressten Verkehrsteilnehmern. Und es braucht gute Ortskenntnis. „Wenn man Tag für Tag hier unterwegs ist, kennt man auch die Schleichwege“, sagt er. Ein Navi braucht Gheorghe allenfalls in den weiter draußen liegenden Stadtteilen.

Viel Stress auf der Taxi-Fahrt durch den Karlsruher Stau

Für Tuncay Dursun bringt eigentlich jeder Arbeitstag einige Überraschungen. „In Karlsruhe weiß man nie, wo sich der Verkehr im nächsten Moment staut“, sagt der Taxi-Unternehmer. Selbst das Insiderwissen eines erfahrenen Taxifahrers sowie der regelmäßige Blick auf die Staumeldungen von Google Maps könnten davor nicht schützen.

Tuncay Dursun fährt für den Taxi Funk Karlsruhe und hat auch noch einen kleinen Fuhrpark für Schulfahrten abseits der offiziellen Bus- und Bahnverbindungen. Foto: Ekart Kinkel

Schleichwege gibt es nach Dursuns Einschätzung in Karlsruhe so gut wie keine mehr. „Früher war das noch anders. Aber mittlerweile sind die Ausweichrouten durch Wohngebiete zu gut bekannt und bei Staus ebenfalls sehr schnell dicht“, sagt Dursun. Außerdem lande man bei der Suche nach einem Schleichweg unter Umständen in einer Sackgasse.

Für Taxifahrer bedeutet die tägliche Fahrt durch die Baustellenlandschaft vor allem eines: jede Menge Stress. „Manche meiner Kollegen wollen im Berufsverkehr nicht mehr fahren und tauschen deshalb bereits ihre Schichten“, sagt Dursun. Und auch manche Kunden seien mit ihrer Geduld schnell am Ende, würden nur wenig Verständnis für die Verkehrssituation an den Tag legen und sich dann teilweise sogar im Ton vergreifen.

Um Kinder morgens pünktlich zur Schule zu bringen, haben die meisten Schultaxiunternehmen seiner Erfahrung nach bereits einen Puffer eingebaut. „Man fährt eine Vierteilstunde früher los“, sagt Dursun. „Aber bezahlt bekommt man die zusätzliche Zeit natürlich nicht.“

Der Polizei bereitet der raue Umgangston im Straßenverkehr Sorge

Der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion am Polizeipräsidium Karlsruhe Martin Plate wirbt für ein rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Foto: Jörg Donecker

„Ortskundige kommen eigentlich ganz gut mit der Situation zurecht. Externe haben aber mit Orientierungsproblemen zu kämpfen“, sagt Martin Plate. Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie zumindest positive Auswirkungen auf die Statistik, es gab weniger Unfälle als in den Vorjahren.

Trotzdem gab es im Stadtkreis 2020 noch rund 10.000 Verkehrsunfälle, 1.000 davon mit Verletzten, knapp 700 der Verletzten waren Radfahrer. „Da haben vor allem Pedelec-Fahrer für einen Anstieg gesorgt“, betont Martin Plate.

Sorgen bereitet der Verkehrspolizei auch der rauer werdende Umgangston im Straßenverkehr und gegenüber der Polizei. Plate: „Die Rücksichtnahme gegenüber anderen und der Respekt vor den Einsatzbeamten lässt doch immer mehr zu wünschen übrig.“

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