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Pläne der Landesregierung

Experten aus dem Karlsruher Norden äußern Lob und Kritik am Hundeführerschein

Die Grün-Schwarze Koalition in Baden-Württemberg will einen Hunde-Führerschein einführen. Experten aus dem Karlsruher Norden begrüßen das Vorhaben, äußern aber auch Kritik.

Prüfung für Hund und Herrchen: Die baden-württembergische Landesregierung will den Hundeführerschein einführen. Halter müssen künftig nachweisen, dass sie ihren Vierbeiner im Griff haben. Foto: Bernd Weißbrod picture-alliance/ dpa

Grüne und CDU wollen in Baden-Württemberg nach dem Vorbild Niedersachsens einen Hunde-Führerschein einführen. Im Koalitionsvertrag steht, dass Bürger für die Hundehaltung einen sogenannten „Sachkundenachweis“ besitzen müssen.

Konkret heißt das: Hundehalter müssen in einem schriftlichen Test und einer praktischen Prüfung vor Experten ihr Wissen über das Sozialverhalten ihrer Tiere demonstrieren.

In Niedersachsen kostet die Prüfung jeweils 40 Euro. Ziel ist es, Menschen vor Beißattacken zu schützen und den Haltern die Bedürfnisse ihrer Hunde näherzubringen.

Sabine Seufert ist Tierärztin für Verhaltenstherapie bei Hunden und Katzen. Die Expertin aus Linkenheim-Hochstetten begrüßt grundsätzlich die Einführung eines Hundeführerscheines. Allerdings müsse zuvor die Umsetzung geklärt sein.

Für Seufert sind noch viele Fragen offen: „Was soll geprüft werden? Wo können sich Hundehalter ausbilden lassen? Wie werden die Prüfer geschult?“ Zudem müsse man regeln, welche bisherigen Prüfungen anerkannt werden und damit vom Führerschein befreien.

Die Politik neigt zu Schnellschüssen.
Sabine Seufert, Tierärztin für Verhaltenstherapie

Bereits jetzt gibt es unter anderem die Begleithundeprüfung und einen eigenen Hundeführerschein des Berufsverbands der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV). Unklar ist für Seufert auch, „ob der Hundeführerschein bei Umzug in ein anderes Bundesland gültig ist“.

Die Tierärztin hat mit Beschlüssen der Regierung nicht nur gute Erfahrungen gemacht. „Die Politik neigt zu Schnellschüssen“, kritisiert sie.

Seufert erinnert an die Entscheidung, wonach Betreiber kommerzieller Hundeschulen eine Prüfung ablegen müssen. „Damals wurde nicht beschlossen, wie die Prüfung genau aussehen soll und welche vorhandene Ausbildung anerkannt wird.“

Das Ansinnen der Landesregierung kommt für Seufert zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Viele Menschen hätten sich in den vergangenen Monaten einen Hund zugelegt, gleichzeitig hätten die Hundeschulen wegen Corona geschlossen oder ihr Angebot reduzieren müssen. „Die Halter hatten also keine Möglichkeit, mit ihrem Hund zu trainieren“, so Seufert.

Petra Schütz, Vorsitzende der Hundesportfreunde Eggenstein-Leopoldshafen, hält vor allem eine praktische Prüfung für sinnvoll. „Viele Halter schätzen die Körpersprache ihres Hundes falsch ein“, ist ihr aufgefallen.

Zum Beispiel werde das Schwanzwedeln von den meisten Herrchen als eine freundliche Geste gewertet. „Tatsächlich kann es aber auch Aggressivität ausdrücken“, erklärt Schütz.

Auch kleine Hunde können gefährlich werden

Eine Regelung wie in Nordrhein-Westfalen, wo der Führerschein nur für Hunde ab einem Gewicht von 20 Kilogramm vorgeschrieben ist, lehnt Schütz ab. „Auch kleine Hunde können aggressiv sein und etwa an Kindern hochspringen.“

Ihnen würden oft keine Grenzen aufgezeigt, „weil ihre Besitzer sie für harmlos halten.“ Zustimmung kommt von Sabine Seufert. „Eine Unterscheidung nach Gewicht oder Größe ist idiotisch“, betont sie. Auch sie sagt: „Kleine Hunde können gefährlich sein.“

Viele Menschen schaffen sich einen Hund an, dem sie überhaupt nicht gerecht werden.
Barbara Losereit, Vorsitzende des Hundevereins Wössingen

Barbara Losereit, Vorsitzende des Hundevereins Wössingen und Hundetrainerin, sieht das genauso. „Kleine Hunde werden von ihren Haltern leider oft unterschätzt.“

Sie spricht sich ebenfalls für die Einführung des Hundeführerscheins aus. Ihre Beobachtung: „Viele Menschen schaffen sich einen Hund an, dem sie überhaupt nicht gerecht werden.“ Die Tiere müssten beschäftigt werden.

Gerade bei der Neuanschaffung von Hunden hält sie den Führerschein für richtig. „Viele Besitzer haben ihre Tiere nicht im Griff“, sagt sie. Mit ihrem eigenen Hund, Schäferhund Zeus, habe sie dagegen keine Probleme: „Er hört aufs Wort.“

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