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So läuft es bei den Anbietern

Wer in Kurzarbeit ist, bestellt kein Essen: Weniger Pizzalieferungen im Karlsruher Norden

Die Nachfrage nach Pizza und Döner sinkt – nur Marktführer Lieferando profitiert in der Pandemie. Mancher Anbieter fürchtet das Aus.

Schwere Zeiten für Lieferdienste: Die Zahl der Bestellungen bei Betrieben in der Region ist in den vergangenen Monaten gesunken. Foto: Rake Hora

Seit Beginn der Pandemie sieht man sie immer häufiger auf den Straßen: Junge Menschen auf Fahrrädern und mit riesigen Boxen auf dem Rücken. Bei jedem Wetter liefern sie bestelltes Essen aus: Pizza und Pasta, aber auch Burger und Sushi. Aber auch mit Autos und auf Rollern wird weiter ausgeliefert. Die Lieferdienste profitieren trotzdem nur bedingt von der Situation.

„Es wird momentan nicht mehr bestellt als früher“, sagt Ugur Bingöl. Er ist Inhaber von „Extrem Pizza“, einem Franchise, das auf Ernährungsqualität und Umweltschutz setzt. Inzwischen gibt es Filialen in Pfinztal, Graben-Neudorf und Karlsruhe. „Bei der ersten Welle wurde noch mehr bestellt. Da haben wir einen Anstieg von 20 bis 30 Prozent verzeichnet“, erzählt er. Doch schon bei der zweiten Welle sei es anders gewesen.

Man habe da gemerkt, dass die Menschen weniger Geld zur Verfügung hatten, zum Beispiel weil sie in Kurzarbeit waren. „So einen Luxus wie Pizza bestellen kann man sich dann nicht mehr leisten“, sagt Bingöl. Die Lage habe sich mit der dritten Welle dann noch weiter verschlechtert. Denn mittlerweile liefere jedes Restaurant.

Wir haben einen Rückgang von ungefähr 50 Prozent.
Ugur Bingöl, Inhaber von „Extrem Pizza“

Die Faktoren zusammengenommen, haben zu einem extremen Rückgang der Bestellungen geführt. „Wir haben einen Rückgang von ungefähr 50 Prozent“, beschreibt der Inhaber die Lage seines Franchise. „Wir mussten viele Leute entlassen. Viele Menschen denken, dass die Lieferservices jetzt reich werden, aber dem ist nicht so.“

Getränke kauft keiner mehr

Auch Shalid Aslam von „Toni’s Night Pizzeria“ in Blankenloch beschreibt eine ähnliche Situation. Er erzählt, dass die Essensbestellungen bei ihm stark schwanken. So wurde im vergangenen Jahr mehr bestellt als aktuell. „Vor allem im April“, sagt Aslam. Momentan sei es hingegen sehr ruhig. Bei der Pizzeria werde vor allem abends bestellt. Denn inzwischen hat „Toni’s“ den ganzen Tag von elf bis 23 Uhr geöffnet. Das war 2020 noch anders, da war nur nachmittags offen. Bei „Extrem Pizza“ sei früher immer der Sonntag der umsatzstärkste Tag gewesen. Inzwischen sei es der Freitag.

Gleiches Bild in Eggenstein: Auch bei „Kolo Pizza und Kebabhaus“ ist die Nachfrage gesunken. „Wir verkaufen weniger, viel weniger“, sagt Burcu Kabalci. Und das bereits seit Beginn der Pandemie. Auch er verzeichnet einen Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent, berichtet Kabalci. „Das ist viel.“ Früher hätten die Kunden zum Essen noch ein bis zwei Getränke dazu genommen. „Jetzt kauft niemand mehr Getränke.“ Aber auch Pizza und Kebab werde weniger geordert.

Wenn es ein weiteres Jahr geht, dann müssen auch wir schließen.
Burcu Kabalci, „Kolo Pizza und Kebabhaus“

Ein Problem sei auch, dass „Kolo“ nur Essen zum Abholen anbietet und keinen Lieferservice hat. „Wir arbeiten nicht mit Lieferando zusammen.“ Das sei zu teuer. „Da würden wir nochmal 40 Prozent weniger Einnahmen haben“, beschreibt Kabalci. Zwei Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit schicken müssen. Er hofft, dass die Pandemie nicht noch länger dauere. „Wenn es ein weiteres Jahr geht, dann müssen auch wir schließen“, sagt er.

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Vom Lieferando-Wachstum profitieren die Lokale nicht

„Pfinztal-Food“ ist ein Partyservice und Imbiss. Durch die geschlossenen Restaurants verzeichnet Inhaber Martin Balzer zwar einen etwas größeren Außerhausverkauf. „Die Leute, die früher ins Restaurant essen gegangen sind, die sehe ich jetzt bei mir am Imbiss.“ Doch den größten Teil seines Geschäfts brachte der Partyservice ein. „Das macht 70 Prozent aus“, sagt Balzer. „Das fällt jetzt komplett weg.“ Er hofft, dass die Menschen nach der Pandemie das Feiern noch nicht verlernt haben.

Nur Marktführer Lieferando, der sich nur um die Logistik der Essensauslieferung kümmert, ist in der Pandemie gewachsen. Das bestätigte ein Sprecher auf Nachfrage. Die Anbieter in der Region profitieren davon jedoch nicht.

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