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Pädagogen erwarten mehr Informationen

Nach Corona-Mutation an Turmbergschule: Erzieher und Lehrer im Karlsruher Norden sind verunsichert

Erzieher und Lehrer leben in einem Spannungsfeld zwischen Infektionsgefahr und guter Betreuung der Kinder. Pädagogen aus regionalen Kindertagesstätten und Grundschulen erzählen von dieser Herausforderung.

Betreuung und Infektionsschutz: Die Kitas in der Region sind in der Notbetreuung bis zu 50 Prozent ausgelastet. Foto: Sebastian Kahnert picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Zu Beginn des Monats erkrankte eine Lehrkraft in der Notbetreuung an der Weingartener Turmbergschule an einer Mutation des Coronavirus, ebenso zwei Schüler. Zum aktuellen Gesundheitszustand der Lehrerin und der Schüler waren am Freitag von Schule und Gemeindeverwaltung keine Informationen zu erhalten.

Doch was bedeutet die Notbetreuung für Lehrer und Erzieher an anderen Grundschulen und Kitas in der Region?Am 22. Februar sollen diese wieder öffnen dürfen. An diesen Einrichtungen befinden sich in der Region derzeit die meisten Kinder in Notbetreuung. Sie kümmert sich um Kinder mit Eltern, die durch ihre Arbeit keine Zeit haben, um sich tagsüber selbst um sie zu kümmern.

Vor allem die immer wechselnden Informationen führen zu stärkerer Unsicherheit auch bei den Erzieherinnen, sagt Susanne Koch, die Leiterin des Evangelischen Kindergartens in Eggenstein-Leopoldshafen.

„Erst hieß es, Kinder sind nicht ansteckend“, sagt sie. Jetzt sei die Sachlage wieder eine andere. Im Evangelischen Kindergarten befinden sich 49 Kinder in der Notbetreuung, jedoch nicht täglich. „Für die Mitarbeiter ist das eine große Herausforderung“, sagt die Erzieherin.

Erzieher verdrängen Angst vor einer Infektion

„Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus“, erklärt Susanne Koch. „Wir erfuhren aber über wichtige Maßnahmen während der Pandemie von den offiziellen Stellen immer nur zögerlich.“

Das meiste hätten sie und ihre 33 Mitarbeiter über die Medien mitbekommen. „Wir fühlen uns deshalb als Berufsgruppe wenig wertgeschätzt.“

Ich bin nicht so ängstlich, was Corona angeht.
Jessica Rudolph, Leiterin Kita Wichtelgarten in Weingarten

Die Erzieher verdrängen die Angst vor einer Virusinfektion bei ihrer täglichen Arbeit und beim Kontakt mit den Kindern, erklärt Koch. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden: „Wir haben selbst auch Familie. Darunter sind ältere Mitglieder, die sich anstecken können.“

„Wir freuen uns, wenn es wieder losgeht“, sagt Jessica Rudolph, stellvertretende Leiterin der Kita Wichtelgarten in Weingarten mit Blick auf die geplante Öffnung.

Die stellvertretende Leiterin der Kita, die zu 50 Prozent ausgelastet ist, fände besser, wenn das Personal von offiziellen Stellen frühzeitig über Änderungen informiert würde.

Kinder brauchen soziale Kontakte

Die Zahlen zur Auslastung müssen von Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen wöchentlich dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Im Kindergarten Märchenwald in Eggenstein-Leopoldshafen beträgt diese Auslastung durch die Notbetreuung etwa 50 Prozent. Die Leiterin Elke Meinzer erklärt, dass nicht die Arbeit mit den Kindern, sondern die Planung ein Stressfaktor sei.

„Für uns ist das Unsicherheit“, sagt sie. Außerdem müssten Dienstpläne, in die die abrufbereiten Mitarbeiterinnen miteinbezogen werden, von Woche zu Woche geändert werden.

Die Erzieherin ist sich der Ansteckungsgefahr bewusst. Trotzdem liegt ihr viel an einer guten Unterbringung der Kinder: „Kinder brauchen soziale Kontakte. Gerade die Kinder, die in die Schule kommen, brauchen Betreuung und Unterstützung.“

Eine Unsicherheit und ein ungutes Gefühl schwinge aber durch die Gefahr der Ansteckung immer mit.

Grundschulen: Unterricht derzeit große Herausforderung

In den Grundschulen sind deutlich weniger Kinder in Notbetreuung als in Kindergärten. Elf Schüler sind es an der Pestalozzi-Grundschule in Dettenheim-Liedolsheim, sagt Schulleiter Thomas Altrieth.

Für die Lehrer fühle sich das Coronavirus nicht nach akuter Gefahr an. „Dass wird sich ändern, wenn noch mehr Mutationen in der Nähe auftauchen“, meint der Rektor.

Es ist für die Lehrer sehr anstrengend, vielgleisig zu unterrichten.
Dorothea Schmitt, Leiterin Grundschule Hochstetten

Den Kindern fehle durch die Maske der Lehrer vor allem die Mimik, sagt Dorothea Schmitt, Leiterin der Grundschule Hochstetten.

„Das ist für Erstklässler enorm wichtig und zur Zeit verständlicher Weise nicht gegeben.“ 30 Kinder befinden sich in Hochstetten in der Notbetreuung, das sind 17 Prozent der Gesamtauslastung.

Die Leiterin spricht von großen Herausforderungen bei der Gestaltung des Unterrichts. Der Alltag laufe „abseits der normalen Wege“. „Es ist für die Lehrer sehr anstrengend, vielgleisig zu unterrichten.“, sagt sie.

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